Eine Zugreise von Zürich nach Müden an der Mosel – das klingt nach einem entspannten Abenteuer, nicht wahr? Doch wie so oft im Leben, kommt es manchmal anders als man denkt. Am 3. Mai machte sich ein Reisender auf den Weg, voller Vorfreude und mit einem gut gefüllten Proviantkorb. Die geplante Fahrtdauer von sechs Stunden schien ein Klacks zu sein. Doch die Realität sah anders aus. Statt der erhofften Ankunft nach einem angenehmen Ruckeln auf Schienen, wurde die Reise zu einem Geduldsspiel der Extraklasse.
Die erste Verzögerung ließ nicht lange auf sich warten. In Basel, einem schönen Ort, wo man gerne verweilt, kam der Zug zum Stehen. Ein Personalproblem war der Grund: Der Schweizer Lokführer und der Zugbegleiter warteten auf ihre Ablösung. Der Zug konnte nicht weiterfahren. Nach einiger Zeit der Ungewissheit stellte sich heraus, dass der Anschluss in Mannheim verpasst war. Das ist natürlich alles andere als optimal, vor allem, wenn man denkt, dass man sich bald in der idyllischen Moselregion aufhalten könnte.
Die chaotische Weiterreise
In Mannheim empfahl eine deutsche Schaffnerin, den Intercity nach Hamburg zu nehmen. Zwei Züge warteten – einer nach Hamburg Hauptbahnhof, der andere nach Hamburg Altona. Doch dann wurde schnell klar, dass der Zug nach Altona nicht in Koblenz halten würde. Ein Regionalzug von Köln nach Koblenz wurde als Alternative angeboten. Doch auch hier wartete eine böse Überraschung: Der Regionalzug fiel einfach aus. Stattdessen hieß es, der nächste Zug nach Koblenz verspätete sich und hielt zudem in vielen kleinen Dörfern. Die Lautsprecheransage versprach, dass der Anschluss nach Trier wahrscheinlich um 17:35 Uhr stattfinden würde. Doch was ist eine Verspätung von 40 Minuten schon gegen die Realität, dass alle Züge nach Trier an diesem Nachmittag ausgefallen waren?
Wenn wir die Situation aus einer historischen Perspektive betrachten, wird die Eisenbahn oft als Symbol für Fortschritt gesehen. Walter Benjamin jedoch hatte eine kritische Sicht auf den historischen Fortschritt. In Anbetracht der Unpünktlichkeit und der Probleme, die sich hier zeigten, könnte man fast darüber nachdenken, ob der Fortschritt wirklich so ungebrochen ist. Schließlich gab es auch in diesen chaotischen Momenten einen kleinen Lichtblick, wie Leonard Cohen einst sagte: „There is a crack in everything, that’s where the light gets in.“
Die Pünktlichkeit der Deutschen Bahn
Wie sieht es eigentlich mit der Pünktlichkeit der Deutschen Bahn allgemein aus? Im Juni 2026 erreichten nur 57,1% der Fernzüge pünktlich ihr Ziel, was für die Reisenden sicher frustrierend ist. Ursachen dafür sind unter anderem ein überlastetes Netz, Personalmangel und Digitalisierungsrückstände. In der letzten Zeit gab es sogar eine Identifizierung von 41 stark belasteten Bahnstrecken, die bis 2030 generalsaniert werden sollen. Die erste generalsanierte Strecke ist die Riedbahn zwischen Frankfurt am Main und Mannheim. Ein Lichtblick, könnte man sagen, auch wenn die Zeit bis dahin lang sein kann.
Ein Blick auf die gegenwärtige Situation zeigt, dass der Zugverkehr in Deutschland in den letzten 30 Jahren zugenommen hat, während das Schienennetz geschrumpft ist. Der Mangel an Puffer auf Hauptstrecken führt zu Instabilität, und der Personalmangel verursacht Zugausfälle. Die Bahn hat zwar eine Ausbildungsinitiative gestartet, aber irgendwie bleibt der Fortschritt auf der Strecke. Einsparungen bei der Instandhaltung führen zudem zu häufigeren Störungen – ein Teufelskreis.
Die Zukunft des Schienenverkehrs
Doch es gibt Hoffnung. Ab 1. August wird die Strecke zwischen Berlin und Hamburg für neun Monate wegen Baumaßnahmen gesperrt. Aber diese Maßnahmen sind notwendig, um das Schienennetz zu modernisieren. Die Ampelkoalition plant, mehr in die Schiene zu investieren als in die Straße. Fast 20 Milliarden Euro sollen 2024 für die Schieneninfrastruktur bereitgestellt werden. Bis 2029 sind sogar 107 Milliarden Euro für die Sanierung der Schiene eingeplant!
Ein Programm namens SB² – Bauen im Takt, entwickelt Sperrzeiten-Container für standardisierte Sperrzeiten, mit dem Ziel, die Baubetroffenheit von Zügen bis 2027 um 30% zu reduzieren. Ein ambitioniertes, aber durchaus notwendiges Ziel. Hier wird also versucht, die Pünktlichkeit zu verbessern und die Qualität des Schienenverkehrs zu steigern. Es bleibt abzuwarten, ob diese Maßnahmen fruchten und ob die Reisenden bald wieder entspannt auf ihre Lieblingsstrecken fahren können, ohne von Verspätungen und Störungen geplagt zu werden.
Ob die Zugreise nach Müden an der Mosel am Ende ein unvergessliches Abenteuer oder ein Ärgernis war, bleibt jedem selbst überlassen. Eines ist jedoch gewiss: Die Eisenbahn hat ihren ganz eigenen Charme und die Geschichten, die sie schreibt, sind oft genauso spannend wie die Destinationen selbst.