In den malerischen Regionen Grächen und Saanenland haben Hoteliers einen bemerkenswerten Weg eingeschlagen: anstatt sich als Konkurrenten gegenüberzustehen, haben sie sich zusammengetan, um gemeinsam ihre Kräfte zu bündeln. Mit einer Vielzahl von Kooperationen, die nicht nur die Effizienz steigern, sondern auch Kosten senken und die Wettbewerbsfähigkeit erhalten, zeigen diese Hotels, wie man in einer sich schnell verändernden Branche über den Tellerrand hinausblickt.

In Grächen beispielsweise arbeiten drei Hotels seit über 15 Jahren zusammen. Diese Zusammenarbeit begann im Jahr 2006 als Aktiengesellschaft und firmiert seit 2013 unter der Matterhorn Valley Hotels Franchise GmbH. Hier bündeln sie ihre Versicherungen, harmonisieren ihr Property Management System (PMS) und verhandeln gemeinsam mit 15 bis 20 Lieferanten. Ein gemeinsames Marketingbudget von etwa 100.000 Franken sorgt dafür, dass die Hotels in der Region im besten Licht dastehen. Diese Art der Kooperation ist nicht nur pragmatisch, sondern auch eine Antwort auf die Herausforderungen, die die Coronapandemie mit sich brachte. Ein Beispiel für eine gescheiterte Zusammenarbeit im Val d’Illiez zeigt, wie wichtig die richtige Strategie und stabiler Austausch sind.

Gemeinsame Ziele im Saanenland

Im Saanenland sieht die Situation ähnlich aus: 21 Hotels haben sich unter der Interessengemeinschaft (IG) zusammengefunden, die 2015 aus dem lokalen Hotelverband gegründet wurde. Rund 80 % der Hotels in der Region sind mittlerweile Mitglied. Hier wird nicht nur über Preise diskutiert – das primäre Ziel ist die Effizienzsteigerung und der Erhalt der regionalen Strukturen. Die IG Procurement Gstaad-Saanenland hat sich als Plattform etabliert, um den Einkauf in bestimmten Bereichen zu optimieren. Durch die Nutzung einer zentralen Online-Bestellplattform sparen die Hotels wertvolle Zeit und Ressourcen. Die Bestellungen, die früher umständlich per Telefon oder Fax abgewickelt wurden, erfolgen jetzt blitzschnell mit einem Klick.

In der Küche des Romantik Hotels Hornberg in Saanenmöser-Gstaad wird derweil emsig gearbeitet. Küchenchef Michi Rindlisbacher und sein Team bereiten die abendlichen Menüs vor. Auf der anderen Seite hat Küchenchef Sascha Koffler die Effizienz der Bestellungen im Blick und erfasst nachzubestellende Produkte mit seinem iPad. Diese moderne Herangehensweise, gepaart mit der Zusammenarbeit der IG-Betriebe, sorgt nicht nur für eine bessere Versorgungssicherheit, sondern bringt auch ökologische Vorteile mit sich: Die kombinierte Auslieferung von ortsansässigen Lieferanten wie der Schmid AG und Pistor reduziert Anfahrten und schont die Umwelt.

Die Rolle der Digitalisierung

Ein weiterer Aspekt, der in der Branche immer wichtiger wird, ist die Digitalisierung. Die Diskussion über Künstliche Intelligenz (KI) hat sich in den letzten Jahren von „Ob“ zu „Wie“ verlagert. Eine aktuelle Studie der HES-SO Valais-Wallis zeigt, dass über 70 % der befragten Hotels KI für entscheidend für ihren zukünftigen Erfolg halten. Doch viele stehen vor der Herausforderung, diese Technologien strategisch zu integrieren. Fast 40 % der Hoteliers diskutieren KI im Rahmen ihrer Digitalisierungsstrategien, jedoch nur 9 % haben diese Themen in einem formalen Strategiedokument verankert. Diese Lücke zwischen Bewusstsein und Umsetzung könnte die Hotels in eine KI-„Experimentierfalle“ führen, wenn nicht baldige Maßnahmen ergriffen werden.

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So sehen wir, dass die Zusammenarbeit in der Hotellerie nicht nur eine Chance ist, um wirtschaftliche Vorteile zu erzielen, sondern auch eine Möglichkeit, um die Branche zukunftssicher zu machen. Die Balance zwischen individuellen Interessen und dem Gemeinwohl bleibt eine Herausforderung, die jedoch durch Vertrauen, offene Kommunikation und Teamgeist gemeistert werden kann. In einer Zeit, in der alles schneller und effizienter werden muss, ist es schön zu sehen, dass auch die Menschlichkeit und die zwischenmenschlichen Beziehungen nicht auf der Strecke bleiben. Das ist doch ganz nach dem Geschmack von uns allen, oder?