Das verborgene Erbe des Lehrers Myran Meyer: Eine Reise durch Talent und Identität
Es gibt Geschichten, die uns nicht nur berühren, sondern uns auch zum Schmunzeln bringen. In der neuesten Ausgabe von Andreas Bossards Kolumne „Mundartecke“ begegnen wir solch einer Geschichte, die sich um Myran Meyer dreht, einen legendären Lehrer und Volksbildhauer, der in Zug in die Geschichte einging. Meyer, geboren 1907 in Cham, war nicht nur ein kreativer Kopf im Schulbetrieb, sondern auch ein leidenschaftlicher Musiker, Schauspieler und Theaterautor.
Seine 30 Jahre an der Nüüstadtschuelhuus in Zug waren geprägt von strenger Disziplin, doch hinter der Fassade verbarg sich ein Mensch voller Talente. Schüler und Eltern kannten ihn als strengen Hausvorstand, der mit einer Sammlung von Strafen für ungehorsame Schüler aufwartete. Dennoch behandelte er alle gleich, unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund. Nach seiner Pensionierung 1972 kehrte er nach Andermatt zurück und wurde Talarchivar, ein Amt, das seiner Liebe zur Region und deren Geschichte gerecht wurde.
Ein bewegtes Leben
Myran Meyer war nicht nur ein Lehrer, sondern auch ein echter Kulturförderer. 1952 organisierte er das Fest „600 Jahre im Bund von den Eidgenossen“ und war aktiv bei Jugendfesten. Seine Leidenschaft für das Puppen- und Chasperlitheater führte dazu, dass er eigene Bühnenwerke schrieb und sogar Regie führte. Zudem war er als Radiomitarbeiter in der Innerschweiz bekannt – ein echter Alleskönner. Es ist beeindruckend, dass er seine Talente auch im Ausland einsetzte, etwa an der Schweizer Schule in Barcelona, wo er den Spanischen Bürgerkrieg hautnah erlebte.
Und was ist mit seiner Familie? Das ist eine traurige Fährte. Seine Tochter Ursula Verena von Arx wurde 1945 geboren, als Meyer und ihre Mutter Marianne von Arx, eine Schneiderin, ein Liebespaar waren. Marianne brachte Ursula nach ihrer Geburt in ein katholisches Heim für ledige Mütter. Ursula, die gesundheitliche Herausforderungen wie eine Gaumenspalte und eine verkrümmte Wirbelsäule hatte, erlebte eine Kindheit, die von Fragen ihrer Herkunft geprägt war. Erst 2012, also Jahre nach dem Tod ihres Vaters, erfuhr sie von ihrer wahren Abstammung. Stellt euch das mal vor! Eine ganze Lebensgeschichte, die erst spät Licht ins Dunkel bringt.
Eine emotionale Reise
Ursula, die nach ihrer Zeit im Krankenhaus bei ihrem Onkel und seiner Frau aufwuchs, fühlte sich oft unzulänglich und stellte sich viele Fragen zu ihrer Herkunft. Mit einem Herz, das nicht richtig schließt, und Atemproblemen hatte sie es nicht leicht. Dennoch machte sie Karriere und arbeitete 37 Jahre lang als Arztchefsekretärin im Kantonsspital Luzern. Ihre Reise zur Selbstfindung führte sie durch Kunst und Musik, und sie reiste viel, um ihren Platz in der Welt zu finden. Komisch, wie das Leben uns manchmal auf Umwegen führt.
Die Beziehung zwischen Ursula und ihrer Mutter war schwierig, und als Marianne vor ihrem Tod nichts mehr von ihr wissen wollte, blieb eine tiefe Wunde zurück. Ursula stellte fest, dass ihre Mutter nach der Geburt nach Kanada ausgewandert war. So viele Fragen blieben unbeantwortet, und die Suche nach der Wahrheit über ihre Familie wurde zu einer emotionalen Achterbahnfahrt für sie.
Ein Erbe für die Nachwelt
Das Erbe von Myran Meyer reicht weit über die Schulmauern hinaus. Von seinen vielfältigen Aktivitäten als Lehrer, Musiker und Künstler bis hin zu seiner Rolle als Vater – sein Leben ist ein faszinierendes Mosaik aus Talenten und menschlichen Beziehungen. „Die Dame in Schwarz“, wie Ursula in der Süddeutschen Zeitung über ihre Suche nach der eigenen Identität schrieb, zeigt, wie komplex und vielschichtig die Familiengeschichten oft sind. Meyer starb 2002 im Alter von 95 Jahren, und auch wenn er zeitlebens unverheiratet blieb, hinterlässt er eine Familie, die sich bemüht, die Puzzlestücke ihrer Vergangenheit zusammenzufügen.
So bleibt uns Myran Meyer als eine schillernde Figur in Erinnerung, die das Leben vieler Menschen berührte – sowohl im Klassenzimmer als auch in der weitläufigen Welt der Kunst und Kultur. Und während wir an ihn denken, dürfen wir die Geschichten der Menschen um uns herum nicht vergessen, die oft noch auf ihre eigenen Entdeckungsreisen warten.
