Zürichs Verkehrspolitik im Aufruhr: Ein Milliardenplan und seine Konflikte
Heute ist der 4.07.2026 und in Zürich brodelt es mal wieder in der Verkehrspolitik. Verkehrsminister Albert Rösti hat sich zu Wort gemeldet und kontert die massiven Vorwürfe des Zürcher Regierungsrats hinsichtlich der Bahnausbaupläne des Bundes. „Zürich ist der wichtigste Kanton für unsere Infrastrukturinvestitionen“, betont er und macht damit klar, dass der Bund die Stadt nicht auf die lange Bank schieben will. Im Rahmen des Programms „Verkehr ’45“ stehen satte neun Milliarden Franken bereit, um die Schieneninfrastruktur zu verbessern. Und das ist kein Pappenstiel, wenn man bedenkt, dass 90 Prozent aller Projekte aus Zürich in diesem Programm Berücksichtigung finden.
Doch nicht alle sind begeistert. Der Zürcher Regierungsrat hat Bedenken geäußert, insbesondere über die Priorisierungen des Bundes und die Finanzierung. Ein ganz heißes Eisen ist die Streichung der geplanten Haltestelle Grüze Nord in Winterthur. Das wird von vielen als problematisch angesehen, und die Zürcher Regierungspräsidentin Carmen Walker Späh hat klar gefordert, dass zuerst bereits begonnene Projekte abgeschlossen werden sollten, bevor neue Finanzierungen auf den Tisch kommen. Auch der Stadtrat von Winterthur ist auf die Barrikaden gegangen und fordert vehement die neue Haltestelle. Rösti hingegen sieht die Haltestelle Grüze Nord als konzeptionelles Problem und verweist auf eine ETH-Studie, die dies untermauern soll.
Der große Plan: Verkehr ’45
Die Vernehmlassung zur Planung der Verkehrsinfrastruktur bis 2045 wurde bereits Mitte Juni eröffnet. Der Bundesrat hat mit „Verkehr ’45“ eine ambitionierte Vorlage auf den Tisch gelegt, die nicht nur den Bahnausbau, sondern auch die Reduzierung von Engpässen auf der Nationalstraße und die Förderung von Verkehrsprojekten in Agglomerationen zum Ziel hat. Die Idee ist, den Infrastrukturausbau über alle Verkehrsträger hinweg zu bündeln – etwas, das in der Schweiz in der Vergangenheit oft zu kurz kam.
Konkrete Maßnahmen sind bereits in der Pipeline: Bis 2030 wird ein Ausbau des Angebots zwischen Biel und Lausanne/Genf angestrebt. Rund 3 Milliarden Franken sind dafür eingeplant, um beispielsweise den Viertelstundentakt zwischen Bern und Zürich zu realisieren. Auch der Regionalverkehr im Mittelland soll weiter ausgebaut werden, mit Halbstundentakten zwischen Bern und Luzern sowie Basel und Zürich. Ein weiterer Punkt auf der Agenda sind längere Züge durch längere Perrons in der Zürcher S-Bahn, die derzeit geprüft werden.
Das große Ganze
Bis 2045 werden insgesamt 20 Milliarden Franken benötigt, um die verschiedenen Ausbauprojekte in Angriff zu nehmen. Die Botschaften für 2027 und 2031 beinhalten strategische Netzelemente, die für das Angebotskonzept bis 2045 empfohlen werden. Dazu zählen unter anderem der Ausbau des Bahnhofs Basel SBB und die Durchmesserlinie für Basel. In der Zwischenzeit wird auch an der Digitalisierung des Bahnnetzes gearbeitet, um den Verkehr noch effizienter zu gestalten.
Die Sorgen des Zürcher Regierungsrats sind also nicht unbegründet, und die Diskussion über die Prioritäten wird nicht so schnell abebben. Letztlich ist es der Bürger, der die Konsequenzen zu spüren bekommt. Wenn es nach Rösti geht, nimmt man die Anliegen der Region ernst, doch die Entscheidungen werden im Parlament gefällt. Und hier kann es schnell mal zu einer anderen Meinung kommen.
Man darf gespannt sein, wie sich die Situation entwickeln wird und welche Projekte tatsächlich umgesetzt werden. Schließlich ist der Verkehr nicht nur ein Thema für die Politik, sondern betrifft uns alle – vom Pendler über den Schüler bis hin zum Touristen, der die Schönheit der Schweiz erkunden möchte. Mal sehen, wie die Zukunft der Verkehrsinfrastruktur in Zürich und darüber hinaus aussieht!
