In Zürich hat sich in den letzten Jahren viel getan, insbesondere in Bezug auf die Eigentümerstrategie der Flughafen Zürich AG (FZAG). Diese Überarbeitung ist ein bedeutender Schritt, den der Regierungsrat beschlossen hat, um die Interessen des Kantons zu wahren. Der Kanton Zürich hält zwar nur eine Minderheitsbeteiligung von über einem Drittel am Aktienkapital der FZAG, doch seine Stimme im Verwaltungsrat ist durch drei Sitze stark vertreten. Das Zürcher Stimmvolk hatte im Jahr 1999 der Privatisierung des Flughafens zugestimmt, was den Weg für eine enge Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und privatem Sektor ebnete.
Die neue Eigentümerstrategie ist mehr als nur ein Papier. Sie setzt klare Erwartungen und definiert einen Handlungsrahmen für die Staatsvertretung im Verwaltungsrat. Die strategischen Ziele sind klar umrissen: eine gute Erreichbarkeit im Vergleich zu anderen europäischen Luftfahrtdrehkreuzen, eine hohe Qualität der Flughafeninfrastruktur und Maßnahmen zur Verringerung der Flugbewegungen nach 23.00 Uhr. Zudem wird die Reduktion der Treibhausgasemissionen angestrebt. Das Besondere daran ist die Messbarkeit dieser Ziele, wie Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh betont. So wird eine systematische Überprüfung der Zielerreichung mit quantitativen oder qualitativen Messgrößen und Zielwerten ermöglicht.
Governance und Transparenz
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Governance-Konzept, das auf den Grundsätzen der Public Corporate Governance basiert. Ziel ist es, die Beteiligungen des Kantons transparenter zu steuern und die Aufsicht zu verbessern. Dabei werden die Rollen und Aufgaben des Kantons schärfer definiert, und der Informationsfluss wird geregelt. Das Risikomanagement wird ebenfalls ausgebaut, um alle kantonalen Risiken abzudecken und die Anforderungen von Finanzkontrolle und Kantonsrat zu erfüllen.
Die Entwicklungen in Zürich sind Teil eines größeren Trends, der seit den 1990er-Jahren zu beobachten ist. Diese Dekade war von Privatisierungen im Flughafensektor geprägt, wobei wirtschaftliche Aktivitäten und Kontrolle häufig vom öffentlichen an den privaten Sektor übergeben wurden. Die erste große Privatisierung fand 1987 mit dem Börsengang der British Airport Authority (BAA) statt, die mehrere bedeutende Flughäfen in Großbritannien betrieb. Diese Tendenz zur Privatisierung ist vor allem in Westeuropa, Asien und Lateinamerika zu beobachten, während in den USA nahezu alle Flughäfen im Besitz der öffentlichen Hand bleiben.
Herausforderungen und Effizienz
Die Flughafenbetreiber stehen unter Druck, kostengünstigere Betriebsmodelle zu etablieren, insbesondere angesichts des hohen Investitionsbedarfs für den Ausbau von Flughäfen. Internationale Studien zeigen, dass die Effizienz privatisierter und staatlicher Flughäfen variieren kann. Eine Untersuchung ergab, dass die Kosten pro Landung und Passagier bei privatisierten britischen Flughäfen höher sind als bei staatlichen US-amerikanischen Flughäfen. Dies wirft die Frage auf, ob die Privatisierung tatsächlich immer zu einem kostengünstigen Service für die Bürger führt.
In diesem Kontext ist es wichtig zu beachten, dass die Rentabilität privatisierter Flughäfen von verschiedenen Faktoren abhängt, darunter behördliche Kontrolle, Marktmacht und Produktivität. Verfechter der Privatisierung argumentieren, dass produktives Wachstum ein Indikator für die Effizienz privatisierter Flughäfen ist. Dennoch bleibt die Herausforderung bestehen, die Balance zwischen öffentlicher Daseinsfürsorge und privatwirtschaftlichem Handeln zu finden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die neue Eigentümerstrategie der Flughafen Zürich AG ein wichtiger Schritt ist, um die Interessen des Kantons zu wahren und gleichzeitig den Herausforderungen des modernen Luftverkehrs gerecht zu werden. Die Entwicklungen in Zürich könnten als Modell für andere Regionen dienen, die ähnliche Wege in der Gestaltung ihrer Flughafeninfrastruktur beschreiten möchten.