Die Wirtschaft im Kanton Zürich steht vor einem spannenden, aber herausfordernden Kapitel. Ein aktueller Bericht der Zürcher Kantonalbank (ZKB) zeigt, dass Zürich in den letzten Jahren im Wirtschaftswachstum hinter anderen Kantonen zurückgefallen ist. Dies ist besonders überraschend, wenn man bedenkt, dass Zürich 20% zum nationalen Bruttoinlandprodukt (BIP) beiträgt und mit einem Medianlohn von 7200 Franken im Jahr 2022 6% über dem Schweizer Durchschnitt liegt. Doch während die Löhne in der Limmatstadt hoch sind, bleibt das wirtschaftliche Wachstum bescheiden.
Zwischen 2008 und 2022 betrug das durchschnittliche Wachstum in Zürich gerade einmal 1,3% pro Jahr, während der Schweizer Durchschnitt bei 1,7% lag. So haben nur die Kantone Solothurn, Bern, Baselland und Aargau schwächeres Wachstum als Zürich verzeichnet. Im Vergleich dazu hat der Kanton Schaffhausen in den letzten Jahren das stärkste Wachstum in der Schweiz gezeigt, mit einem jährlichen Zuwachs von fast 4%. Im Zeitraum 2021/22 wuchs die Zürcher Wirtschaft sogar nur um 0,1%, während Schaffhausen um fast 13% zulegte.
Der Dienstleistungssektor als Wachstumshindernis
Die ZKB führt die schwächeren Wachstumsraten in Zürich auf den dominierenden Dienstleistungssektor zurück, der etwa 85% der Zürcher Wirtschaft ausmacht. Dieser Sektor, obwohl er vor negativen globalen Entwicklungen schützt, weist typischerweise geringere Wachstumsraten auf als die Industrie. In der Tat wuchs die Arbeitsproduktivität in Zürich langsamer als in vielen anderen Kantonen. Dies könnte ein Warnsignal für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der Stadt sein.
Ein weiterer Aspekt, der in Betracht gezogen werden muss, ist der Einfluss der FIFA. Diese hat ihren Sitz in Zürich und erzielt alle vier Jahre hohe Einnahmen, besonders während der Männer-Weltmeisterschaft. Laut der ZKB wird der Einfluss der FIFA auf das BIP in WM-Jahren auf etwa 0,7 bis 1% geschätzt. Für das WM-Jahr 2026 erwartet die ZKB ein BIP-Wachstum von 1,9% für Zürich, gefolgt von 1,1% im Folgejahr. Dies könnte der Wirtschaft der Stadt einen kurzfristigen Aufschwung bescheren.
Löhne und Einkommensunterschiede
Betrachtet man die Löhne in der Schweiz, so beträgt der Medianlohn im Jahr 2024 7024 Franken brutto pro Monat, was einem Anstieg von 3,5 Prozent gegenüber 2022 entspricht. In Zürich liegt der Medianlohn sogar bei 7502 Franken, was die Stadt zu einem der teuersten Orte für Arbeitnehmer in der Schweiz macht. Dennoch ist der Lohnunterschied zwischen den höchsten und niedrigsten Einkommensgruppen bemerkenswert. Während die tiefsten 10% der Arbeitnehmenden weniger als 4635 Franken pro Monat verdienen, erhalten die besten 10% über 12’526 Franken pro Monat.
Die Löhne der besten 10% stiegen zwischen 2008 und 2024 um 16,8%, während die der Mittelschicht um 15,4% zulegten. Ein Lohngefälle zwischen Männern und Frauen gibt es ebenfalls: 2024 beträgt der Unterschied 8,4%. Dieser Unterschied ist teilweise durch Bildungsniveau, Verantwortungslevel und die verschiedenen Wirtschaftszweige erklärbar. Besonders ausgeprägt sind die Unterschiede in höheren Hierarchiestufen, wo sie bis zu 14% betragen können.
Insgesamt zeigt sich, dass Zürich trotz seiner hohen Löhne und seiner bedeutenden Rolle im nationalen BIP vor Herausforderungen steht. Die Stadt muss sich fragen, wie sie ihre wirtschaftliche Dynamik wiederbeleben und gleichzeitig die Einkommensunterschiede in der Bevölkerung angehen kann. Diese Fragen werden entscheidend sein für die zukünftige Entwicklung des Kantons und seiner Bürger.