Zürichs grüne Wächterin in Gefahr: Der Kampf um die Zeder am Probusweg
Am Probusweg 5 in Oerlikon, Zürich, droht einer markanten Zeder, die dort seit mindestens 75 Jahren steht, das Aus. Über 100 Menschen haben sich zusammengetan und eine Petition unterschrieben, um den alten Baum zu retten. Er gilt als einer der wenigen hohen Bäume in der Umgebung und ist ein wichtiger Lebensraum für Vögel und Eichhörnchen. Das Ehepaar Leu hat sogar ein Plakat an die Zeder gehängt, um auf die drohende Fällung aufmerksam zu machen. Irgendwie traurig, wenn man bedenkt, wie viele Geschichten und Erinnerungen in diesem Baum stecken müssen.
Der Plan sieht vor, die Zeder zu fällen, um Platz für einen Neubau zu schaffen, der ein Mehrfamilienhaus mit 19 Wohneinheiten, 9 Autoabstellplätzen und einer Photovoltaikanlage umfasst. Die Bauherrschaft plant zwar, die Anzahl der Bäume auf dem Grundstück von drei auf sieben zu erhöhen, doch die Frage bleibt: Ist das genug? Eine Tulpen-Magnolie soll stehen bleiben, aber die Zeder wird durch eine Trauben-Eiche ersetzt. Das klingt fast wie ein Tauschgeschäft, aber die Natur lässt sich nicht so einfach abwimmeln.
Biodiversität unter Druck
Die Situation am Probusweg ist nicht nur ein lokales Problem. Die Biodiversität in der Schweiz steht unter erheblichem Druck. Ein Drittel aller Arten und die Hälfte der Lebensraumtypen sind gefährdet. Die Gründe dafür sind vielfältig: Mangelnde Flächen, Bodenversiegelung, intensive Nutzung der Natur und der Einsatz von Stickstoff- und Pflanzenschutzmitteln sind nur einige davon. Es ist ein Teufelskreis, den wir durchbrechen müssen, um die Natur nicht weiter zu schädigen.
Im Jahr 2025 wurden im Bereich der Biodiversitätsförderung Projekte im Umfang von rund 6,5 Millionen Franken umgesetzt. Das klingt nach viel, doch im Vergleich zu den Schwierigkeiten, die die Natur hat, sind das eher Tropfen auf den heißen Stein. Die Fortschritte sind zwar vorhanden, aber punktuelle Erfolge können die Verluste nicht wirklich kompensieren. Die Anzahl der Naturschutzprojekte ist relativ klein und aufgrund personeller Ressourcen ist es nicht möglich, viele Projekte gleichzeitig voranzutreiben. Einfach nur frustrierend, oder?
Die Zukunft des Naturschutzes
Die revidierte Bau- und Zonenordnung in Zürich verlangt eine Fällbewilligung für Bäume mit einem Stammumfang von 100 Zentimetern. Das könnte im Fall der Zeder bedeuten, dass der Verlust von Baumkronenflächen in der Stadt weiter ansteigt. Seit 2014 ist dieser Rückgang kontinuierlich gestiegen, mit einem Verlust von 64 Hektar zwischen 2018 und 2022. Die Stadt muss aufpassen, dass sie nicht mehr von ihrer eigenen Natur trennt, als sie bewahrt.
Der Verlust an Bäumen, wie es die Zeder am Probusweg erleiden könnte, ist ein Beispiel für die Herausforderungen, vor denen wir stehen. Bäume sind nicht nur schön anzusehen. Sie bieten Lebensräume, tragen zur Luftqualität bei und sind Teil unseres kulturellen Erbes. Ein Baum, der seit fast einem Jahrhundert dort steht, hat Geschichten zu erzählen, die wir nicht einfach gegen ein paar neue Wohnungen eintauschen können. Die Frage bleibt: Wie viel Wert legen wir auf unsere grüne Infrastruktur und wie viel sind wir bereit, dafür zu kämpfen?
