Zürich zwischen Glanz und Realität: Die Rankings lügen nicht, oder doch?
Heute ist der 12.07.2026 und ich sitze hier in Zürich, der Stadt, die nicht nur für ihre malerischen Uferpromenaden und schneebedeckten Alpen im Hintergrund bekannt ist, sondern auch für ihre beeindruckenden Spitzenplätze in diversen internationalen Rankings. Kaum eine andere Stadt hat es geschafft, so oft an der Spitze solcher Listen zu stehen wie Zürich. Immer wieder wird sie von Consulting-Gruppen, Unternehmen und Medienhäusern in den Himmel gelobt – wenngleich man sich bei der methodischen Grundlage dieser Rankings manchmal fragen kann, wie viel Substanz wirklich dahintersteckt.
In einem Ranking, das nach Unterhaltungswert geordnet ist, wird Zürich auf die Probe gestellt – und das Ergebnis kann überraschen. Da ist zum Beispiel das Reichen-Ranking, herausgegeben von der Bank Julius Bär, das Zürich als die zweitteuerste Stadt der Welt einstuft, nur Singapur schlägt die Zürcher Preise. Die Stärke des Schweizerfrankens hat dazu geführt, dass Zürich um drei Ränge aufgestiegen ist. Ein Grund zur Freude? Vielleicht – oder einfach nur ein weiterer Hinweis darauf, wie teuer das Leben hier sein kann.
Die lebenswerteste Stadt?
Ein Blick auf das Expat-Ranking des „Economist“ zeigt, dass Zürich im Global-Liveability-Index von Platz zwei auf Platz fünf gefallen ist. Das liegt an kritischen Punkten in der Kultur und Umwelt – zwei Bereiche, in denen es offenbar noch Luft nach oben gibt. Wer jetzt denkt, man könnte sich für 2500 Dollar einen detaillierten Zugang zu diesen Analysen gönnen, der sollte lieber erst mal die Mieten hier in Zürich im Auge behalten. Die hohen Wohnkosten sind für viele ein echtes Problem.
Im Spaß-Ranking des Lifestyle-Magazins „Monocle“ wird es nicht viel besser: Zürich hat sich in den letzten zwei Jahren nur auf Platz sechs geschlagen. Das wird unter anderem auf die hohen Mieten und den Mangel an erschwinglichen Wohnungen zurückgeführt. Man fragt sich, wie viel Spaß man wirklich haben kann, wenn man einen großen Teil seines Einkommens für die Miete ausgeben muss.
Autofahrer in der Stadt
<pUnd dann gibt es noch das Werbe-Ranking von Sixt, das Zürich zu einer der problematischsten Städte für Autofahrer in Europa zählt. Mit einem Platz in den Top Ten ist es offenbar ein ständiger Kampf durch den Stadtverkehr, und Tipps für Autofahrer sind hier mehr als willkommen. Wer hier lebt, hat es nicht leicht – und das ist kein Geheimnis.
<pDoch es gibt auch Lichtblicke. Das Raddampfer-Ranking auf Tripadvisor zeigt eine ganz andere Seite von Zürich. Ein Nutzer bewertet die Stadt, basierend auf dem Zugang zu Raddampfern und Hop-on-hop-off-Bussen, und gibt ihr enttäuschende zwei von fünf Punkten. "Langweilig" sei sie, heißt es. Ein harter Schlag für die Stadt, die so viel zu bieten hat – oder zumindest zu bieten haben sollte.
Stadtleben und Lebensqualität
<pDoch wie sieht es eigentlich mit der Lebensqualität hier aus? Laut einer Studie von PwC, die 4.000 Berufstätige aus zwölf deutschen Großstädten befragte, sind neun von zehn Stadtbewohner:innen glücklich an ihrem Wohnort. Die höchste Lebensqualität wird in Städten wie München, Nürnberg und Leipzig verortet, während Berlin und Essen mit 80% weniger zufrieden sind. Was schätzen die Stadtbewohner:innen besonders? Kultur- und Freizeitangebote sowie Job- und Bildungschancen stehen hoch im Kurs. Kritik gibt es allerdings auch hier: Die Verkehrsbelastung und die Lage auf dem Wohnungsmarkt sind nach wie vor große Anliegen.
<pSo bleibt die Frage, ob die Rankings Zürich tatsächlich gerecht werden oder ob sie eher eine momentane Stimmungslage widerspiegeln. Eines ist sicher: Die Stadt hat ihren eigenen Charme, auch wenn die Rankings das nicht immer so deutlich zeigen. Vielleicht ist es genau das, was Zürich ausmacht – eine Stadt, die trotz aller Kritiken immer wieder zur Nr. 1 aufsteigt.
