Es ist ein Thema, das uns alle betrifft, auch wenn viele es lieber unter den Teppich kehren: Häusliche Gewalt. Maya Bally, Nationalrätin der Aargauer Mitte, hat den Mut gefunden, ihre Geschichte zu erzählen. Sie spricht offen über ihre Erfahrungen, die sie lange Zeit aus Scham für sich behalten hat. Als sie 20 Jahre alt war, geriet sie in eine gewalttätige Beziehung. Ihr damaliger Partner schlug sie und stalkte sie nach der Trennung. Lange Zeit glaubte sie, ihr Umfeld würde ihre Verletzungen als harmlose Missgeschicke abtun, etwa als Sturz über die Katze. Aber das war nicht die Wahrheit, und jetzt möchte sie das ändern.

Mit einer klaren Botschaft will sie Betroffenen Mut machen, sich an jemanden zu wenden und auch die Menschen in ihrem Umfeld ermutigen, sich direkt mit den Betroffenen auseinanderzusetzen. „Ich sah ihn lange als Opfer“, sagt Bally rückblickend, und man merkt, dass diese Erkenntnis nicht nur für sie, sondern für viele andere eine Herausforderung darstellt. Offizielle Statistiken zeigen, dass häusliche Gewalt weit verbreitet ist, und trotzdem wird das Thema oft klein geredet oder gar verdrängt. Die Dunkelziffer ist hoch, und die Scham der Betroffenen hält viele davon ab, Hilfe zu suchen.

Die Realität der häuslichen Gewalt

Die Zahlen sind erschreckend. Laut dem Bundeslagebild „Häusliche Gewalt“ wurden 2024 in Deutschland 171.069 Personen Opfer von Partnerschaftsgewalt. Das sind mehr als 64 Prozent der bekannten Fälle! Und die meisten dieser Opfer sind Frauen. Es ist ein Phänomen, das nicht nur in den Schlagzeilen auftaucht, sondern in den Alltag vieler Menschen eindringt. Ein Anstieg der Opfer von Partnerschaftsgewalt um 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr zeigt, wie dringend wir handeln müssen.

Häusliche Gewalt umfasst nicht nur physische Übergriffe. Psychische, sexualisierte Gewalt und ökonomische Kontrolle sind ebenso Teil des traurigen Bildes. Die Tatörtlichkeiten sind oft die eigenen vier Wände – 69,1 Prozent der Taten geschehen in Wohnungen oder Häusern. Und das hat Auswirkungen auf die Gesellschaft. Denn das Thema wird häufig als Tabu betrachtet, verbunden mit einem Stigma, das es den Betroffenen sehr schwer macht, sich Gehör zu verschaffen.

Ein Aufruf zur Offenheit

Ballys Entscheidung, ihre Geschichte zu teilen, könnte ein Wendepunkt sein. Sie hofft, dass ihre Erfahrungen anderen helfen, sich zu öffnen und über ihre eigenen Erlebnisse zu sprechen. Es ist nicht einfach, über so etwas zu reden – die Angst vor dem Urteil der Mitmenschen sitzt tief. Die Dunkelfeld-Opferbefragung zeigt, dass die Anzeigequote bei Partnerschaftsgewalt unter 5 Prozent liegt. Das ist kaum zu fassen!

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Unterstützungsangebote gibt es viele: Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ (116 016) oder das Männerhilfetelefon (0800 1239900) sind nur einige Anlaufstellen. Es ist wichtig, dass Betroffene wissen, dass sie nicht alleine sind, und dass es Hilfe gibt. In einer Zeit, in der digitale Gewalt ansteigt und Stalking-Fälle um 118,8 Prozent zugenommen haben, ist es unerlässlich, das Bewusstsein für diese Problematik zu schärfen.

Die Erschütterungen ihrer Erfahrungen seien über die Jahre schwächer geworden, sagt Bally. Heute ist sie in der Lage, ihr Erlebtes zu reflektieren und möchte andere ermutigen, es ihr gleichzutun. Ein erster Schritt könnte sein, einfach zuzuhören und Fragen zu stellen, anstatt wegzuschauen. Denn nur so können wir gemeinsam dazu beitragen, dass das Tabu häuslicher Gewalt endlich bricht.