Heute ist der 5.05.2026, und während wir hier in Zürich sitzen, gibt es eine Geschichte, die uns alle betrifft und die uns zum Nachdenken anregen sollte. In den letzten Jahren hat das Universitätsspital Zürich, insbesondere die Herzchirurgie, für viel Aufregung gesorgt. Die Ereignisse zwischen 2016 und 2020 werfen einen langen Schatten, und die neue Untersuchung zeigt schwerwiegende Mängel auf, die nicht ignoriert werden können.

Die Übersterblichkeit in der Herzchirurgie war alarmierend. Laut dem Untersuchungsbericht gab es zwischen 68 und 74 zusätzliche Todesfälle im Vergleich zu anderen Universitätsspitälern. Und das, basierend auf 4500 durchgeführten Operationen! Schätzungen zufolge könnten zwischen 150 und 200 dieser Todesfälle sogar vermeidbar gewesen sein. Das macht einem schon ein bisschen mulmig, oder? Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Unsicherheit über das von Francesco Maisano mitentwickelte Cardioband und die unzureichende Aufklärung der Patienten in den Raum gestellt wurden.

Whistleblower und neue Untersuchungen

Im Jahr 2020 kam dann der Whistleblower ins Spiel. Ein mutiger Arzt, der die Unregelmäßigkeiten nicht länger hinnehmen wollte und die Behörden sowie die Medien informierte. Das führte zur Trennung von Maisano, der weiterhin als Herzchirurg in Mailand tätig ist. Aber das war nicht das Ende der Geschichte. 2021 gab es erste personelle Änderungen, und trotz aller Anstrengungen blieben die Mängel bestehen. Im August 2024 wurde eine unabhängige Untersuchungskommission unter der Leitung von Dr. Niklaus Oberholzer beauftragt. Diese Kommission befragte 12 Schlüsselpersonen und stellte fest, dass die Aussagen der Spitaldirektion, wonach keine Patienten zu Schaden kamen, nicht aufrechterhalten werden konnten.

Die Untersuchung zeigte, dass die hohe Sterblichkeit während der Amtszeit von Prof. Francesco Maisano tatsächlich durch unabhängige Berechnungsmethoden bestätigt werden konnte. Über 300 Todesfälle wurden analysiert, darunter 75 chirurgisch problematische Eingriffe und 64 „eher nicht zu erwartende“ Todesfälle. In 13 Fällen gab es unangemessene Verwendungen von Medizinprodukten, was schon fast unvorstellbar klingt.

Ursachen und Konsequenzen

Die Ursachen für diese Vorkommnisse sind vielschichtig und reichen von Führungs- und Systemversagen bis hin zu unzureichender Aufsicht durch die Spitaldirektion. Interessenskonflikte und die Berufung von Maisano ohne ausreichende Qualifikationen waren weitere Punkte, die zur kritischen Lage beigetragen haben. Der Spitalrat hat inzwischen reagiert und eine strafrechtliche Überprüfung von 11 außergewöhnlichen Todesfällen sowie 13 unangemessenen Medizinprodukteinsätzen veranlasst. Rücktritte von drei Mitgliedern des Spitalrats zeigen, dass auch in den höheren Etagen der Verantwortlichen ein Umdenken stattgefunden hat.

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Die heutige Spitalführung hat sich entschuldigt und Informations- sowie Beratungsstellen eingerichtet. Über 100 Maßnahmen zur Verbesserung wurden bereits umgesetzt, und mit Prof. Dr. Omer Dzemali an der Spitze der Klinik für Herzchirurgie hat sich der Ruf des Spitals wieder erholt. Die Mortalitätsrate liegt nun im unauffälligen Bereich, was Hoffnung gibt.

Ein Blick in die Zukunft

Die neue strategische Neuausrichtung des Universitätsspitals Zürich setzt auf Compliance und Transparenz. Striktere Richtlinien und ein Transparenzregister sollen dafür sorgen, dass die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt werden. Eine geplante Speak-Up-Kontaktstelle wird es Mitarbeitenden ermöglichen, Missstände ohne Angst um ihre Anstellung zu melden. Die wirtschaftliche Situation des USZ hat sich ebenfalls verbessert, und der positive Jahresabschluss 2025 zeigt, dass das Spital auf dem richtigen Weg ist.

Obwohl die Wunden aus der Vergangenheit tief sitzen, gibt es Licht am Ende des Tunnels. Die Tatsache, dass aus Fehlern gelernt wird und die Patientensicherheit nun an oberster Stelle steht, ist vielleicht das Wichtigste, was wir aus dieser schwierigen Zeit mitnehmen können. Man kann nur hoffen, dass die Lehren, die aus diesen tragischen Ereignissen gezogen wurden, das Gesundheitssystem in der Schweiz langfristig stärken werden.