Die letzten Jahre haben im Universitätsspital Zürich (USZ) eine turbulente und, um es gelinde auszudrücken, schockierende Entwicklung durchgemacht. Von 2016 bis 2020, unter der Leitung des damaligen Klinikleiters Francesco Maisano, kam es zu schweren Versäumnissen in der Herzchirurgie, die nicht nur die Patientensicherheit gefährdeten, sondern auch zu über 70 unerwarteten Todesfällen führten. Das ist kein kleiner Wurf! Eine Administrativ-Untersuchung hat nun die katastrophalen Zustände ans Licht gebracht, die auf Fehlentscheidungen und eine Kultur des Ignorierens von Warnsignalen hindeuten. Man könnte sagen, es war wie ein schleichender Unfall, den niemand wirklich bemerkt hat, bis es zu spät war.

Der Bericht hat die Verantwortlichen wie einen Blitz getroffen. Martin Waser, damals Spitalratspräsident, und Thomas Heiniger, der die Gesundheitsdirektion leitete, müssen sich die Frage gefallen lassen, wie es zu dieser Misslage kommen konnte. Die Aufsicht hat die Risiken offenbar nicht konsequent erkannt – und das hat fatale Folgen gehabt. In den letzten Jahren wurden grundlegende Veränderungen eingeführt, seit Natalie Rickli die Verantwortung übernommen hat. Ihre Maßnahmen zur Verbesserung von Governance und Risikomanagement sind dringend nötig, auch wenn sie nicht die verlorene Zeit zurückbringen können.

Ein fatales Erbe

Die Zahlen sind alarmierend. Statistische Berechnungen zeigen, dass zwischen 68 und 74 Fälle von Übersterblichkeit im Vergleich zu anderen Universitätsspitälern festgestellt wurden. Bei 4500 durchgeführten Operationen – das klingt nach einer Menge! – wurden sogar bis zu 200 vermeidbare Todesfälle registriert. Ein Whistleblower hat 2020 die Behörden und Medien über die Unregelmäßigkeiten informiert, was die Wogen in der Klinik ordentlich aufgewühlt hat. Wer hätte gedacht, dass hinter den Kulissen so viel schiefgeht?

Und das Cardioband, das von Maisano mitentwickelt wurde? Es wurde als unsicher eingestuft und hat 2024 die europäische Zulassung verloren. Ein handfester Skandal! Kritik gab es auch an der mangelhaften Patientenaufklärung und an Operationen, die anscheinend mehr den Interessen der Technologie und Studien dienten als dem Wohle der Patienten. Wenn man darüber nachdenkt, wird einem ganz anders – wie kann das in einem der renommiertesten Spitäler der Schweiz passieren?

Schmerzhafte Lektionen

Die Folgen dieser Vorfälle sind weitreichend. Drei Mitglieder des Spitalrats haben bereits ihren Rücktritt erklärt, um Platz für einen Neuanfang zu schaffen. Es ist ein gewaltiger Umbruch im USZ, wo die Klinik für Herzchirurgie unter neuer Leitung jetzt wieder hohe Qualitätsstandards anstrebt. Die Sterblichkeitsrate ist inzwischen wieder im unauffälligen Bereich – ein Hoffnungsschimmer inmitten der Dunkelheit.

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Die Zürcher Gesundheitsdirektion hat die Schritte des Universitätsspitals begrüßt und die jahrelangen Missstände als „schwerwiegend“ bezeichnet. Wenn man bedenkt, dass allein im Jahr 2024 bundesweit über 12.304 fachärztliche Gutachten zu vermuteten Behandlungsfehlern erstellt wurden, wird die Tragweite dieser Thematik deutlich. Jedes vierte Gutachten ergab einen Behandlungsfehler, und in jedem fünften Fall war dieser Fehler ursächlich für den erlittenen Schaden. Es ist höchste Zeit, dass die Gesundheitsversorgung in der Schweiz auf den Prüfstand kommt.

Wohin führt dieser Weg? Wie können wir als Gesellschaft sicherstellen, dass solche Vorfälle nicht zum Alltag werden? Vielleicht ist es an der Zeit, systematische Präventionsmaßnahmen und ein verpflichtendes Meldesystem für vermeidbare Schadensereignisse einzuführen. Die Stimmen der Experten sind klar: Es braucht mehr Transparenz, mehr Verantwortung und vor allem mehr Schutz für die Patienten.