Nach dem spannungsgeladenen Cup-Halbfinal zwischen Stade Lausanne-Ouchy und den Grasshoppers kam es in Zürich zu einem besorgniserregenden Vorfall. Rund 30 vermummte Ultras des Grasshopper Clubs attackierten den Mannschaftsbus ihrer eigenen Mannschaft mit brennenden Fackeln, nachdem das Spiel mit einem 0:2 endete. Diese Gewalttaten sind kein Einzelfall, sondern Teil eines besorgniserregenden Trends, der Zürich zum nationalen Spitzenreiter in Sachen Fangewalt macht. Die Situation eskalierte, als Fans Banner anzündeten, Sitze zerstörten und Verpflegungsstände plünderten.
Die Zürcher Polizei hat zwischen 2021 und 2025 insgesamt 246 Rayonverbote und 25 Meldeauflagen gegen gewaltbereite Fans verhängt. Zum Vergleich wurden im Rest der Schweiz lediglich 202 Rayonverbote und 10 Meldeauflagen ausgesprochen. Allein in der Saison 2024/25 fielen im Kanton Zürich 71 Rayonverbote und 6 Meldeauflagen. Ein zentraler Grund für diese gewalttätigen Ausbrüche ist die intensive Rivalität zwischen dem FC Zürich und dem Grasshopper Club Zürich. Nach dem Zürcher Derby Ende 2024 konnten etwa zwei Dutzend Tatverdächtige aus dem Umfeld der GC-Ultras identifiziert werden.
Fangewalt im Fokus der Taskforce
Um der Fangewalt entgegenzuwirken, wurde im Herbst 2024 die neue „Taskforce Sport“ der Kantonspolizei gegründet. Diese hat seitdem 48 Fälle von Fangewalt in Zürcher Stadien untersucht und dabei 38 Personen festgenommen. In diesem Zusammenhang wurden beeindruckende 180 gefährliche Gegenstände, darunter über 40 Messer und Pfeffersprays, beschlagnahmt. Bei minderjährigen Tätern wurden die Eltern informiert und Fachleute hinzugezogen, um präventiv gegen die Gewalt vorzugehen.
Von den 48 Vorfällen hatten 30 einen Bezug zum FC Zürich, 8 zum Grasshopper Club Zürich, und je 2 zu den Eishockeyklubs ZSC und EHC Kloten. Die Festgenommenen waren zwischen 14 und 36 Jahre alt. 26 Fans erhielten Auflagen gemäß dem Hooligan-Konkordat, darunter Rayonverbote und Meldeauflagen während Spielen. Die Polizeikorps legen besonderen Fokus auf Minderjährige, die bei den Ermittlungen auffielen.
Ein einheitlicher Ansatz gegen Fangewalt
Der Zürcher Regierungsrat ist sich der Problematik bewusst und wünscht sich ein schweizweit einheitlicheres Vorgehen gegen Fangewalt. Vereine und Veranstalter sollen eine stärkere Verantwortung für Sicherheit und Kontrollen übernehmen. Ein Spitzengespräch im Oktober 2024 hat gezeigt, dass die Fankultur nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Deutschland unter Druck steht. Dort wird die Fankultur als vielfältig und einzigartig wahrgenommen, dennoch zeigen Gewaltvorfälle, dass auch hier Maßnahmen gefordert sind.
Die Diskussion über Sicherheitskonzepte und den Umgang mit Fangewalt ist in vollem Gange. So wurden unter anderem Maßnahmen wie eine Reduzierung von Gästefankarten und die Ticketpersonalisierung gefordert. Die Verantwortlichen sind sich einig, dass es wichtig ist, die Sicherheit in Stadien zu gewährleisten und gleichzeitig eine positive Fankultur zu erhalten. Dabei spielt die präventive Arbeit eine zentrale Rolle, und es wird angestrebt, die Mittel für sozialpädagogische Fanprojekte zu erhöhen.
Die Situation in Zürich ist ein eindringlicher Weckruf. Es bleibt zu hoffen, dass die Maßnahmen der Polizei und die Zusammenarbeit aller Beteiligten dazu beitragen, die Fangewalt zu reduzieren und das Stadionerlebnis für alle Fans sicherer zu gestalten.