Im Wallis ist die Lage angespannt. In der Nacht auf Sonntag kam es in Staldenried zu verheerenden Wolfsangriffen auf Weiden, die die Schafzüchter in große Sorge versetzen. Freddy Niklaus, ein erfahrener Schafzüchter, zählt mehr als zehn getötete Tiere, während andere Schafe noch vermisst werden. Die Schafe sind über mehr als ein Dutzend Frühjahrsweiden verteilt, was die Situation für Niklaus und seine Kollegen noch komplizierter macht. Um die restlichen Tiere zu schützen, bringt er zwei Herdenschutzhunde auf die betroffene Weide, die sich unterhalb der Kirche befindet. Ein echter Kraftakt, denn die Wölfe zeigen sich zunehmend dreist.
In der gleichen Nacht wurde in Susten ein Schaf gerissen und in Niedergrächen eine Herde Lamas angegriffen. Das ist neu – Angriffe auf Lamas sind im Oberwallis bisher unüblich gewesen. Staatsrat Christophe Darbellay hat die besorgniserregende Situation bestätigt und spricht von einer unerträglichen Lage für die Landwirtschaft. Trotz der Angriffe ist der Abschuss des Wolfs nicht möglich, da die Herdenschutzmaßnahmen nicht ausreichen. Dabei sollten Lamas rechtlich in dieselbe Kategorie wie Rinder oder Pferde fallen. Der Druck auf die Landwirte wächst, und die Besorgnis über die zunehmende Scheu der Wölfe ist spürbar. Diese Entwicklung wird durch die steigende Wolfspopulation im Wallis, die von einem Wolfspaar auf mittlerweile sieben bis acht Paare geschätzt wird, weiter befeuert.
Herdenschutz und Herausforderungen
Im Visperterminen–Staldenried-Gebiet sind bis zu zehn Wildhüter nachts im Einsatz, um gezielt nach Wölfen zu jagen. Es wird ein Plan verfolgt, die personellen Ressourcen zur Entnahme auffälliger Wölfe aufzustocken. Das alles geschieht inmitten steigender Übergriffe – allein in Deutschland gab es im Jahr 2024 rund 1.100 Übergriffe, die über 4.300 Tiere, vor allem Schafe, das Leben kosteten. Eine alarmierende Zahl! Im Grunde eine echte Herausforderung für die Weidetierhalter. Viele von ihnen sind verzweifelt, denn die Wölfe machen vor ungeschützten Weidetieren nicht halt.
Die Kosten für Herdenschutzmaßnahmen sind ebenfalls enorm. Im Jahr 2024 lagen sie bei etwa 23,4 Millionen Euro. Und die Ausgleichszahlungen für Nutztierübergriffe beliefen sich auf ca. 780.400 Euro. Herdenschutzhunde, Elektrozäune und Wildgatterzäune sind nur einige der präventiven Maßnahmen, die den Landwirten helfen sollen. Aber der Schutz ist nie 100%ig garantiert. Wölfe sind einfach zu clever und nutzen die Schwächen der Herdenschutzsysteme aus. Komischerweise haben einige Landwirte manchmal das Gefühl, dass Wölfe mehr Tiere töten, als sie tatsächlich fressen können, weil Weiden einfach eine leichte Beute darstellen.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen
Auf politischer Ebene wird über den Schutzstatus der Wölfe diskutiert. Ab dem 7. März 2025 wird dieser von „besonders geschützt“ auf „geschützt“ herabgestuft. Dies könnte dem Wolf ein aktives Bestandsmanagement ermöglichen, sollte der Erhaltungszustand als günstig eingestuft werden. Die Bundesregierung hat bereits angekündigt, dass auffällige Wölfe unter bestimmten Bedingungen ohne DNA-Analyse entnommen werden dürfen. Das könnte den Landwirten helfen, die Schäden zu minimieren, aber die Naturschutzverbände warnen vor möglichen Konflikten mit dem europäischen Artenschutzrecht. Ein echtes Dilemma.
Die Wölfe in Mitteleuropa regulieren zwar Wildtierbestände und erbeuten kranke Tiere, aber die Sorge um Weidetiere bleibt. Die Spuren der Wölfe sind nicht nur in Deutschland zu finden. Auch hier im Wallis ist klar: Die Rückkehr des Wolfes ist ein Erfolg für den Artenschutz. Doch was ist der Preis dafür? Die Landwirte stehen vor der Herausforderung, ihre Tiere zu schützen und gleichzeitig die Wölfe zu akzeptieren. Eine Gratwanderung, die nicht einfach ist. Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich die Situation entwickeln wird und ob die Herdenschutzmaßnahmen tatsächlich greifen können.