Wildschweine im Aufwind: Wenn die Natur zur Herausforderung für die Landwirtschaft wird
Die Wildschweine, diese schüchternen Gesellen, haben in den letzten Jahren ordentlich Aufsehen erregt. Besonders in den Kantonen Solothurn, Freiburg, beider Basel und Wallis sind die Kulturschäden durch diese Wildtiere nicht mehr zu übersehen. Jährlich steigen die Schäden und die Landwirte müssen sich immer mehr anstrengen, um ihre wertvollen Ernten zu schützen.
Landwirte sind gefordert, ihre Kulturen einzuzäunen und Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Das ist eine Menge Arbeit, aber notwendig, um den Wildschweinbeständen etwas entgegenzusetzen. In Solothurn beispielsweise ist die Lage angespannt. Die Wildschweinbestände schwanken zwar, insgesamt nehmen sie jedoch zu. Das Jahr 2023 brachte bereits 189 Schadensgesuche hervor, während 2022 nur 81 eingereicht wurden. Die Schäden summieren sich auf über 139.000 Franken – die Landwirte müssen also schnell handeln, denn Entschädigungsansprüche müssen sofort nach Feststellung gemeldet werden.
Kantonale Unterschiede und Herausforderungen
Im Kanton Freiburg sieht es nicht viel anders aus. Hier wird die Wildschweinpopulation nicht genau erfasst, jedoch werden jährlich 150 bis 200 Schadensgesuche gemeldet. Die Schadenssumme kann zwischen 50.000 und 200.000 Franken liegen – eine beachtliche Summe für die betroffenen Landwirte. Um das Risiko zu minimieren, werden Kulturen in den Risikozonen systematisch eingezäunt. Der Staat unterstützt die Landwirte sogar mit bis zu 50 % der Kosten für das Material.
In Basel-Stadt wurde 2022 eine Population von 1.730 Wildschweinen gezählt, was im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg ist. Besonders alarmierend ist die Zahl der erlegten Tiere: 451 im Jahr 2025, davon 60 % durch Straßenverkehr. Auch im Basel-Landschaft ist die Situation angespannt. Hier wurden 218 Schadensgesuche im Jahr 2023 verzeichnet, was einen Anstieg von 82 Gesuchen zum Vorjahr bedeutet. Die Schäden belaufen sich auf 163.000 Franken.
Das Wallis: Ein besonders betroffener Kanton
Im Wallis, wo wir uns heute befinden, wurden 2023 144 Wildschweine erlegt. Die Schäden in der Landwirtschaft belaufen sich auf 60.700 Franken im Jahr 2025. Das zeigt, dass auch hier Handlungsbedarf besteht, denn etwa 23 Schadensgesuche werden jährlich eingereicht. Geschädigte müssen sofort den Jagddienst benachrichtigen, um eine Entschädigung zu erhalten.
Die Wildschweinpopulation wächst in Europa seit Jahrzehnten. Zugrunde liegen Faktoren wie milde Winter, Wiederaufforstung und häufige Mastjahre. Das klingt ja alles ganz nett, aber die Landwirte sehen das natürlich anders. Ein Anstieg der Wildschweine führt zwangsläufig zu mehr Konflikten – das ist in der Natur der Sache. Um diese Probleme in den Griff zu bekommen, braucht es dringend neue Ansätze und Strategien, die über die Jagd hinausgehen.
Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass die Situation auch in Deutschland ähnlich ist. Dort werden Wildschweine nicht genau gezählt, aber Schätzungen zufolge schwanken die Bestände zwischen 1,2 und 2,2 Millionen Tieren. Jagd allein kann das Problem nicht lösen, wie eine Studie der Europäischen Behörde für Nahrungsmittelsicherheit (EFSA) zeigt. Um den Bestand um 70 % zu reduzieren, müssten jährlich 1,1 bis 1,6 Millionen Wildschweine abgeschossen werden – eine illusorische Zahl. Das ist ein Teufelskreis, der nicht so einfach zu durchbrechen ist.
Die negative Entwicklung der Wildschweinpopulation ist auch ein Resultat menschlichen Handelns. Intensive Jagd kann sogar zur weiteren Verbreitung von Krankheiten wie der Afrikanischen Schweinepest beitragen. Die Verbreitung dieser Krankheit ist eine ernsthafte Bedrohung, und die Risikofaktoren sind vielfältig. So kann die illegale Einfuhr von infizierten Tieren oder kontaminierte Ausrüstungen zu einem Anstieg der Fälle führen.
Die hohe Reproduktionsrate der Wildschweine macht die Situation nicht einfacher. Unter idealen Bedingungen kann sich eine Population innerhalb eines Jahres verdreifachen. In einem hypothetischen Szenario könnte eine Ausgangspopulation von 100 Tieren innerhalb von fünf Jahren auf fast 8.000 ansteigen. Das zeigt, wie wichtig es ist, die Bestände zu regulieren und neue, nachhaltige Lösungen zu finden. Denn die Wildschweine sind nicht nur ein Problem für die Landwirtschaft – sie stellen auch eine Herausforderung für das Zusammenleben von Mensch und Natur dar.
