Stauseen am Limit: Die Wasserwirtschaft der Schweiz vor einer Wetter-Wette
Die Schweizer Stauseen sind zurzeit nicht gerade in Bestform. Gerade mal 42,7 Prozent sind sie gefüllt – das ist ein ganz schöner Schlag ins Wasser, wenn man bedenkt, dass wir im Schnitt der letzten 20 Jahre zu dieser Zeit bei 57,8 Prozent lagen. Ein echter Tiefpunkt, sozusagen. Und nicht nur hierzulande sieht’s mau aus. Auch im Alpenraum und in den nordischen Ländern sind die Füllstände alles andere als rosig. Wir stehen also vor einer Herausforderung, die von den kommenden Niederschlägen im Herbst und Winter abhängt. Wenn wir Glück haben, könnte das Wasser bald wieder sprudeln.
Ein Blick in die Zukunft zeigt, dass 2026 als warmes Jahr prognostiziert wird. Das bringt die Möglichkeit mit sich, dass wir in den folgenden Jahren auch kühleres und feuchteres Wetter erleben könnten. Woher kommt der Strom, wenn die Reservoirs voll sind? Nun, bei voller Kapazität könnten die Schweizer Stauseen rund 8900 Gigawattstunden Strom produzieren! Das ist eine Menge Energie, die wir dringend brauchen. Die über 50 Stauwerke in der Schweiz sind hier die Helden der Stunde. Übrigens, im Wallis stecken 45 Prozent der Speicherkapazität – kein Wunder, dass die dortigen Stauseen wie Grande Dixence, Emosson und Gougra so wichtig sind.
Herausforderungen im Wallis und anderswo
Die Stauseen im Wallis haben sich zwar durch die Hitzeperiode im Sommer etwas erholt, doch sie liegen weiterhin unter dem Durchschnitt. Alpiq, der Energieversorger, hat die Hoffnung, dass die Reservoirs bis zum Herbst gut aufgefüllt sein werden. Aber nicht überall sieht’s so optimistisch aus. In den Kantonen Tessin und Graubünden ist die Situation besorgniserregend. Hier haben die geringen Niederschläge im vergangenen Winter dazu geführt, dass die Schneereserven auf ein historisches Tief gesunken sind. Das ist wie ein Kartenhaus, das am Wanken ist.
Die Prognosen des Teams um Raphael Mutzner sind dabei von großer Bedeutung. Sie erstellen umfassende Modellierungen, um den Zufluss in die Stauseen vorherzusagen. Das ist kein leichtes Unterfangen, denn die täglichen Vorgaben für das Asset Trading basieren auf diesen Prognosen. Wenn die Nachfrage am Markt steigt, wird Strom produziert – und das Wasser muss dann natürlich zur Verfügung stehen. Die Stauseen wie Lac des Dix, Moiry und Emosson peilen ihren höchsten Füllstand zwischen Oktober und November an. Das ist entscheidend, um im Winter genug Energie generieren zu können.
Die Giganten der Wasserwirtschaft
Der Grande Dixence ist übrigens der größte Stausee der Schweiz und begeistert mit einer beeindruckenden Geschichte. Die erste Mauer wurde 1934 errichtet, aber die heutige Mauer, die seit 1961 steht, ist nicht nur die zehntgrößte Talsperre der Welt, sondern auch das höchste Bauwerk der Schweiz! Mit einem Volumen von 400 Millionen Kubikmetern könnte man da fast einen Ozean füllen. Und das Kraftwerk, das dort steht, produziert jährlich etwa 2000 GWh Strom – das ist mehr als genug, um viele Haushalte zu versorgen.
Im Gegensatz dazu haben wir die Pérolles-Staumauer im Fribourg, die als älteste betonierte Staumauer Europas gilt. Sie wurde bereits 1872 fertiggestellt und hat sich über die Jahre zu einem bedeutenden Natur- und Vogelschutzgebiet entwickelt. Die Zahlen sind beeindruckend, aber der Stausee hat auch seinen eigenen Charakter, der sich mit der Zeit verändert hat. Man könnte sagen, er hat ein bisschen „verlandert“ – kleine Inseln haben sich gebildet, und die Schönheit der Natur hat sich hier ihren Platz erobert.
Inmitten dieser Herausforderungen und Rekorde bleibt die Hoffnung, dass die kommenden Herbst- und Wintermonate uns mit reichlich Niederschlägen beschenken. Denn die Wasserkraft ist und bleibt ein zentraler Bestandteil unserer Energieversorgung. Ob im Wallis, im Tessin oder in Graubünden – die Stauseen sind die stillen, aber kraftvollen Helden, auf die wir bauen müssen.
