In Saas-Fee im Wallis gibt es derzeit einen fragwürdigen Aufreger für alle weiblichen Berggängerinnen. Eine Bar, die zur Morenia-Beiz gehört und auf stolzen 2.550 Metern über Meer liegt, sorgt bei ihren Besucherinnen für Unmut. Der Grund? Es gibt kein Frauen-WC. Stattdessen müssen sich weibliche Gäste mit einem „Natur-Pissoir“ zufriedengeben, das für viele als nicht zumutbar empfunden wird. Die Situation wird noch verschärft, da die Sonnenterrasse der Bar einen direkten Blick auf das Pissoir bietet – für viele Frauen ein unangenehmes Gefühl. Um ein WC zu erreichen, müssen sie eine Ski-Abfahrt zurücklegen und ins Bergrestaurant Morenia gehen, was insgesamt etwa 25 Minuten in Anspruch nimmt, inklusive Sessellift-Rückfahrt.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen im Wallis tragen nicht gerade zur Verbesserung dieser Situation bei. Es gibt keine spezifischen Vorgaben für die Anzahl der Toiletten in Restaurants, und die Regelungen variieren je nach Kanton. Im Wallis gibt es keine Mindestanforderungen für Frauen-WCs, und auch die Gemeinde hat keine Bestimmungen zu sanitären Einrichtungen im Gesetz verankert. Während nationale Hygieneverordnungen in der Regel getrennte Toiletten für Männer und Frauen vorschreiben, gibt es Ausnahmen, wenn eine getrennte Benutzung nicht notwendig ist. Zudem ist die Bar nicht einmal mit Waschbecken ausgestattet, was gegen die Hygienestandards verstößt. Tiziana Boebner-Lombardo vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen erklärt, dass es keine spezifischen Vorgaben für Gästetoiletten gibt. Lara, eine betroffene Besucherin, äußert, dass sie so etwas in keiner anderen Bar erlebt hat.

Unisex-Toiletten auf dem Vormarsch

<pDie Diskussion um genderneutrale Toiletten ist nicht neu, gewinnt jedoch zunehmend an Bedeutung. In Bern gelten seit November neue WC-Regeln für die Gastronomie, die größeren Gastrobetrieben mit über 50 Plätzen erlauben, keine getrennten WCs mehr anzubieten. Ziel ist es, ein inklusives Umfeld für Menschen zu schaffen, die sich nicht eindeutig einem Geschlecht zugehörig fühlen, sowie für Eltern und Großeltern mit Kindern. Das Berner Ausgehlokal Kapitel führt ein neues WC-Konzept ein, bei dem das ehemalige Männer-WC zum "All-Gender-WC" umgewandelt wird. Solche Konzepte könnten auch in anderen Regionen, wie in Zürich oder Luzern, Schule machen, wo Unisex-Toiletten an Schulen geplant sind.

Ein weiterer interessanter Punkt: Unisex-WCs sind bereits an vielen Hochschulen und Gymnasien in der Schweiz verbreitet. Im Kapitel gibt es sogar ein spezielles „Finta“-WC, das für alle außer Cis-Männern zugänglich ist. Männer, die sich unwohl fühlen, können auf das Personal-WC ausweichen. Auch wenn die Akzeptanz von gemischten Toiletten noch nicht überall gegeben ist, zeigt eine Umfrage im Naturhistorischen Museum Bern, dass fast 80% der Befragten positive Rückmeldungen zu den umgewandelten Unisex-Toiletten gaben.

Die Situation in Saas-Fee verdeutlicht jedoch, wie wichtig es ist, die sanitären Bedürfnisse aller Gäste ernst zu nehmen. Während innovative Ansätze in größeren Städten bereits Einzug halten, bleibt das Wallis in dieser Hinsicht hinterher. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind unklar, und die Bar in Saas-Fee ist nur ein Beispiel für die Herausforderungen, vor denen viele Frauen in der Schweiz stehen, wenn es um ihre Grundbedürfnisse geht.

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Für weitere Informationen zu den derzeitigen Entwicklungen rund um Toilettenstandards in der Gastronomie, können Sie diese Webseite besuchen: Missoir.