Die Anspannung in der Walliser Stadt Sion war förmlich greifbar, als am Freitag, dem 4. Juni 2026, die Einvernahme von Jacques und Jessica Moretti stattfand. Fünf Monate nach der verheerenden Brandkatastrophe in Crans-Montana, die in der Neujahrsnacht 2025/2026 über 40 Menschen das Leben kostete, erhofften sich Opferanwälte und Hinterbliebene endlich Klarheit über die Ursachen des schrecklichen Vorfalls. Bei dieser Befragung wurde die Luft dick – die Emotionen brodelten, und die Vorfreude auf Antworten war fast unerträglich.
Im Februar 2026, bei einer vorherigen Befragung, gab es tumultartige Szenen. Angehörige der Opfer konfrontierten die Morettis mit ihren Fragen und ihrem Schmerz. Jacques Moretti war seit Anfang April aufgrund einer Belastungsstörung und Depressionen nicht vernehmungsfähig – ein Umstand, der auf Skepsis stieß, da er während seiner Krankschreibung beobachtet wurde, wie er Dacharbeiten verrichtete. Opferanwältin Sophie Haenni ließ kein gutes Haar an der langen Dauer der Ermittlungen und forderte unmissverständlich Antworten für die Angehörigen.
Ein Showdown der Gefühle
Die Einvernahme am Freitag war nicht nur eine weitere Befragung – sie war ein potenzieller Showdown. Jacques und Jessica Moretti wurden gleichzeitig befragt, was die Möglichkeit bot, Widersprüche in ihren Aussagen aufzudecken. Anwältin Haenni hatte sich intensiv vorbereitet, um die beiden mit bestimmten Aktenstücken zu konfrontieren. Der italienische Anwalt Fabrizio Ventimiglia war optimistisch, dass diese Einvernahme neue Erkenntnisse über die Entscheidungsprozesse und Verantwortlichkeiten bringen könnte, die letztendlich zu der Tragödie führten.
Ein Blick zurück auf die Brandkatastrophe zeigt, wie die Ereignisse in der Bar „Le Constellation“ abliefen. Am Neujahrstag 2026 brach gegen 01:30 Uhr ein Feuer aus, wahrscheinlich ausgelöst durch Wunderkerzen oder Sprühfontänen auf Champagnerflaschen. Die flammende Hölle breitete sich rasend schnell aus, und der massive Rauch, der sich in den Innenräumen staut, führte zu unzähligen Rauchgasvergiftungen – die primäre Todesursache für viele der Opfer. 40 Menschen verloren ihr Leben, und die Identifizierung der Toten stellte sich als äußerst schwierig heraus, da die starken Verbrennungen den Einsatz von DNA- und Zahnvergleichsverfahren erforderten.
Die Suche nach Antworten
Die Ermittlungen sind nach wie vor im Gange. Es wird nicht nur geprüft, wie das Feuer ausbrach, sondern auch, welche Materialien, Genehmigungen und Sicherheitskonzepte zur Anwendung kamen. Die Fluchtwege waren regelrechte Flaschenhälse, die das Entkommen für viele Überlebende zu einem gefährlichen Unterfangen machten. Diese tragischen Umstände werfen ein grelles Licht auf die Notwendigkeit strenger Sicherheitsstandards in Clubs und Eventlocations. Ein Verbot von Indoor-Pyrotechnik ohne Genehmigung wird dringend gefordert, um zukünftige Katastrophen zu verhindern.
Die psychologische Unterstützung für die Betroffenen und die Angehörigen der Opfer ist ebenfalls ein zentrales Thema. Hotlines wurden eingerichtet, um den Hinterbliebenen in dieser schweren Zeit zur Seite zu stehen. Die Wunden, die dieser Vorfall hinterlassen hat, sind tief, und die Suche nach Antworten wird noch lange andauern.
Für die Opferanwälte und die Angehörigen war die Einvernahme der Morettis ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Gerechtigkeit. Doch die Fragen bleiben: Welche Lehren ziehen wir aus dieser Tragödie, und wie kann sichergestellt werden, dass sich so etwas nie wieder wiederholt?