Im Wallis, hoch oben auf der Alpe Tschorr, wo die Luft dünn und das Panorama atemberaubend ist, hatte Toni Brunner, ehemaliger Präsident der SVP Schweiz und passionierter Bergbauer, seine zwei Eringer-Kühe Vicky und Tatjana dabei. Es war der große Tag der Wahl der neuen Alpkönigin – ein Event, das nicht nur die Herzen der Einheimischen höherschlagen ließ, sondern auch eine Brücke zwischen den Kulturen schlug. Für Brunner ist der interkulturelle Austausch zwischen Ostschweizern und Wallisern von großer Bedeutung. “Völkerverständigung”, so beschreibt er es, und das nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der rauen Realität der Alpen.

Die Alpkönigin wird aus den Kühen gewählt, die am letzten Alptag die anderen dominieren. Ein Spektakel, das nicht nur Tiere, sondern auch Menschen zusammenbringt. “Hier kämpft nicht nur die Kuh um Rang und Ehre, sondern es ist auch ein Zeichen der Verbundenheit”, erklärt Brunner. Während er mit einem breiten Grinsen durch die Menge schaut, merkt man ihm an, dass er von seinen Toggenburger Freunden, die ihn unterstützen, motiviert wird. Doch die Herausforderung war nicht nur die Wahl der Alpkönigin. Der Alpvogt von Ergisch, Oswald Andres, sprach in einem breiten Oberwalliser Dialekt, der Brunner einiges abverlangte. “Grüezeni” oder “Üsserschwiizer” – so wird man als St. Galler im Wallis oft genannt, und das ist nicht immer mit herzlicher Gastfreundschaft verbunden. Aber Brunner nahm es mit Humor.

Die Eringer-Kühe – mehr als nur Tiere

Die Eringer-Kühe selbst sind mehr als nur einfache Nutztiere. Sie gelten als das nationalen Symbol der Schweiz und prägen nicht nur die Landschaft, sondern auch die Kultur. Die Rasse ist bekannt für ihren natürlichen Kampfinstinkt, was sie zu idealen Kämpferinnen macht. In der Schweiz gibt es verschiedene Rinderrassen, doch die Eringer stechen hervor. Diese Gebirgsrasse wird überwiegend im Wallis gezüchtet und findet sich oft in Höhenlagen über 1000 Metern. Die Zucht ist eine ehrenvolle Tradition, die in vielen Familien weitergegeben wird, und die Tiere sind nicht nur robust, sondern auch anpassungsfähig. Sie halten sich im Winter im Stall auf, dürfen aber einmal pro Woche nach draußen – was für die Kühe ein kleiner Lichtblick im grauen Alltag ist.

Die Kämpfe um die Hierarchie beginnen gleich in den ersten Tagen auf der Alp. Jede Kuh weiß, wo ihr Platz ist, und das in einer strikten Rangordnung, die auch unter Kälbern gilt. Im Frühling, wenn die Kühe auf die Weide kommen, nehmen die Kämpfe ab. Doch die Rivalität bleibt spürbar. Brunner selbst hat in den letzten Jahren mehrfach die Alpkönigin gestellt, doch in diesem Jahr schienen seine Kühe weniger kampfbereit. Enttäuscht war er dennoch nicht, denn die Eigenwilligkeit der Tiere schätzt er sehr. “Jede Kuh hat ihren eigenen Kopf”, sagt er mit einem Lächeln. Und das macht sie so besonders.

Ein Fest der Traditionen

Der Kuhkampf im Wallis ist ein Fest, das weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt ist. Jedes Jahr lockt das nationale Finale der Eringerrasse im Mai über 10.000 Zuschauer an. Ein Spektakel, bei dem die besten Kühe in fünf Alters- und Gewichtskategorien gegeneinander antreten. Die sieben besten Kühe jeder Kategorie erhalten eine Treichel und dürfen am großen Finale teilnehmen. Die Tradition hat sich seit 1922 gehalten und ist tief verwurzelt in der Kultur des Wallis. Für viele ist es nicht nur ein Wettkampf, sondern ein Fest der Gemeinschaft.

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Einmal gekrönt, führt die Alpkönigin den Umzug ins Tal an, ein ehrwürdiges Ereignis, das nicht nur die Tiere, sondern auch die Menschen zusammenbringt. “Die Kühe sind die Königinnen der Berge”, sagt Brunner abschließend und man merkt ihm an, dass es nicht nur um den Sieg geht, sondern um die Liebe zur Tradition und zur Natur, die hier oben so lebendig ist. Und so bleibt das Wallis nicht nur ein Ort der Kämpfe, sondern auch ein Ort der Begegnungen – zwischen Mensch und Tier, zwischen Kulturen und Traditionen.