Heute ist der 5.06.2026 und während wir hier in Basel die frische Luft genießen, gibt es weit oben im Kanton Waadt eine Geschichte, die uns alle aufhorchen lässt. Sie handelt von Liliane, einer rüstigen 98-jährigen Dame aus dem Bezirk Morges. Anfang April erhielt sie einen Anruf, der ihr beinahe den Tag vermasselt hätte. Ein Mann am anderen Ende der Leitung stellte sich als Bankangestellter vor und behauptete, es sei eine verdächtige Abhebung auf ihrem Konto erfolgt. Wie viele andere Senioren auch, war Liliane ein potentielles Ziel für Betrüger, die sich in verschiedenen Rollen als vermeintliche Helfer tarnen.
Der Anrufer kündigte sogar an, dass ein Polizist vorbeikommen würde, um ihre Bankkarte abzuholen. Doch Liliane, die nicht auf den Kopf gefallen ist, ließ sich nicht so leicht über den Tisch ziehen. Stattdessen informierte sie ihren Nachbarn, der tatsächlich Polizist war. Um Zeit zu gewinnen, gab sie vor, eine zerstreute alte Dame zu sein und tat so, als würde sie ihre Karte suchen. Genial, oder? Ihr Nachbar kam dann dem falschen Polizisten auf die Schliche und hielt ihn fest, bis eine Patrouille eintraf. Die Waadtländer Polizei lobte Lilianes besonnene Reaktion und wies darauf hin, dass solche Betrügereien in den letzten Jahren zugenommen haben.
Ein besorgniserregender Trend
Im Jahr 2025 wurden im Kanton Waadt erstaunliche 936 Betrugsfälle registriert, mit einem Gesamtschaden von 1,4 Millionen Franken. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. In Bern wurde kürzlich ein älterer Mann aus Müntschemier ebenfalls Opfer eines solchen Anrufs, was dazu führte, dass die Polizei zwei falsche Polizisten festnehmen konnte. Die Anrufer hatten ihn aufgefordert, Geld abzuheben und bereitzustellen. Glücklicherweise konnte die Polizei schnell eingreifen und die Männer im Alter von 23 und 34 Jahren festnehmen, die in Untersuchungshaft sitzen.
Die Methoden der Betrüger sind so vielfältig wie die Geschichten, die sie erzählen. Oftmals treten sie als seriöse Geschäftspersonen, Handwerker oder sogar Hilfsbedürftige auf. Die Polizei warnt, dass Trickbetrug und Trickdiebstahl besonders auf ältere Menschen abzielen. Ablenkung durch einen Täter ermöglicht es einem zweiten, unbemerkt Bargeld oder Wertgegenstände zu stehlen. Es ist alarmierend, wie oft sich solche Vorfälle häufen.
Wie man sich schützen kann
Die Polizei gibt einige nützliche Ratschläge, um sich vor solchen Betrügereien zu schützen. Zunächst einmal sollte man immer einen Blick durch den Türspion oder das Fenster werfen, bevor man die Tür öffnet. Man sollte auch niemals Fremde in die Wohnung lassen. Wenn jemand behauptet, von einer Behörde zu sein, sollte man immer den Dienstausweis verlangen und diesen gründlich prüfen. Im Zweifel ist es ratsam, die entsprechende Behörde selbst zu kontaktieren! Das klingt vielleicht nach viel Aufwand, aber es kann Leben retten – und Geld sparen.
Die Angst vor kriminellen Bedrohungen ist bei älteren Menschen in den letzten Jahrzehnten gestiegen. Komischerweise zeigen Studien, dass sie im Vergleich zu anderen Altersgruppen seltener Opfer von Straftaten werden. Das Sicherheitsgefühl bleibt jedoch ein großes Thema. Gerade in Zeiten, in denen die Welt sich schnell verändert, ist es wichtig, wachsam zu sein und sich gegenseitig zu unterstützen. Nachbarn sollten sich zum Beispiel absprechen, um gemeinsam auf unbekannte Besucher zu achten.
Die Geschichten rund um Liliane und ihre mutigen Nachbarn sind ein Lichtblick in einer ansonsten düsteren Welt von Betrügereien. Diese kleinen Helden im Alltag zeigen uns, dass Mut und Wachsamkeit nicht nur Klischees sind, sondern echte Werkzeuge im Kampf gegen das Verbrechen. Und vielleicht, nur vielleicht, kann uns das inspirieren, selbst einen Schritt weiterzugehen und auf unsere älteren Mitbürger zu achten. Denn am Ende sind wir alle Teil einer Gemeinschaft.