Die Jüdische Gemeinde Lausanne (CILV) blickt nach turbulenten Zeiten voller finanzieller Schwierigkeiten optimistisch in die Zukunft. Bei der Generalversammlung, die am Donnerstagabend stattfand, wurde Elie Elkaim einstimmig als Präsident wiedergewählt. Ein kleiner Lichtblick: Das Defizit der Gemeinde konnte von 500.000 Franken auf über 54.000 Franken gesenkt werden. Im vergangenen Jahr hatte die CILV noch einen Verlust von über 119.000 Franken zu verzeichnen. Wie man sieht, wird hier fleißig gearbeitet, und das Engagement der Mitglieder trägt Früchte.

Die Gemeinde hat nicht nur durch Beitragserhöhungen und großzügige Spenden, sondern auch durch Gehaltskürzungen ihrer Mitarbeiter einen bedeutenden Fortschritt gemacht. Zwei Immobilien erworben, die fast 157.000 Franken netto einbrachten, haben zusätzlich zur Stabilisierung beigetragen. Die Hypothekenschuld wurde um 100.000 Franken reduziert – ein wahrer Kraftakt! Und nicht zu vergessen: Eine anonyme Spende von über 2,4 Millionen Franken hat den finanziellen Druck erheblich gemildert. Edouard Argi, der Schatzmeister, trat nach 18 Jahren zurück und wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Gilles Bernheim hat nun das Ruder als neuer Schatzmeister übernommen.

Besorgnis über Antisemitismus

Doch so erfreulich die finanziellen Nachrichten auch sein mögen, die Lage der jüdischen Gemeinschaft in der Schweiz gibt Grund zur Besorgnis. Elie Elkaim äußerte seine Bedenken über den Anstieg des Antisemitismus seit dem 7. Oktober 2023. In dieser Zeit gab es bereits etwa 15 Strafverfahren im Kanton Waadt. Der Krieg im Nahen Osten hat einen direkten Einfluss auf die Sicherheitslage jüdischer Menschen und Einrichtungen. Ein Bericht, der im kommenden Jahr veröffentlicht wird, prognostiziert eine alarmierende Zunahme antisemitischer Vorfälle: von 155 im Jahr 2023 auf 221 in 2024! Fast die Hälfte dieser Vorfälle steht in direktem Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt.

Die Situation ist ernst. Es gab versuchte Brandanschläge, Gewaltvorfälle und sogar beinahe tödliche Angriffe. Jonathan Kreutner, Generalsekretär des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds (SIG), spricht von einem „Dammbruch“ in der Gesellschaft. Man fragt sich, wie weit dieser Trend noch gehen kann. Vor 2023 war es üblich, vielleicht einmal jährlich von einer Gewalttat zu hören – nun gibt es jeden Monat antisemitische Angriffe. Ein Vorfall in Davos, wo Spannungen zwischen Hoteliers und jüdischen Gästen aufkamen, zeigt, wie tief die Gräben inzwischen sind.

Ein Aufruf zur Solidarität

Mit Blick auf die Herausforderungen hat die CILV auch einen Rechtsfonds ins Leben gerufen, um die Klage von 25 Frauen zu unterstützen, die aufgrund ihres Glaubens von der Frauenparade ausgeschlossen wurden. Elie Elkaim hat zudem einen Brief an die Waadtländer Regierungspräsidentin Christelle Luisier geschrieben, um auf die Sorgen der jüdischen Gemeinschaft aufmerksam zu machen. Die Würdigung von Luc Zbinden und anderen als „Freunde der Juden“ zeigt, dass es auch Lichtblicke der Solidarität gibt.

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Die Jüdische Gemeinde Lausanne hat 550 Familien und verzeichnet ein Wachstum, aber die Herausforderungen, die sich durch den Anstieg des Antisemitismus ergeben, sind enorm. Die CILV braucht in diesen Zeiten nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch das Verständnis und die Solidarität der gesamten Gesellschaft. Denn nur gemeinsam können wir gegen Vorurteile und Hass ankämpfen.