In der malerischen Waadt, wo die Sonne oft die sanften Hügel küsst, kämpfen viele Senioren gegen eine unsichtbare Wand – die der Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt. Der Wohnraum wird immer knapper, und während die Mieten in schwindelerregende Höhen steigen, bleiben Rentner in oft viel zu großen Wohnungen zurück. Ein Ehepaar aus der Region, das seit zwei Jahren vergeblich nach einer kleineren Bleibe sucht, ist dabei kein Einzelfall. Trotz eines soliden Einkommens und einem gesunden Ersparnispolster werden sie von Vermietern immer wieder abgelehnt. Warum? Gesunde Vorurteile über das Alter spielen hier eine große Rolle.
Bea Heim, Präsidentin der Vereinigung aktiver Senioren- und Selbsthilfeorganisationen der Schweiz (Vasos), beschreibt die Situation als diskriminierend. Sie hat sogar eine Petition gegen Altersdiskriminierung ins Leben gerufen. Diese Hürden sind nicht nur frustrierend, sondern auch erschreckend – nur 2 Prozent der über 75-Jährigen sind im Jahr 2022 umgezogen. Vermieter bevorzugen häufig Bewerber, die als weniger risikobehaftet gelten. Carole Wahlen von der Mieterrechtsvereinigung Asloca Vaud bestätigt, dass die Vermieter dazu neigen, sich für die finanziell vorteilhaftesten Bewerber zu entscheiden. Und das bedeutet oft, dass ältere Menschen, die seit Jahrzehnten in ihren Wohnungen leben und weniger als die aktuelle Marktmiete zahlen, bei der Wohnungssuche leer ausgehen.
Die Schattenseiten des Wohnens im Alter
Das Problem der Altersdiskriminierung führt dazu, dass viele Senioren aus Angst, nichts Passendes zu finden, in ihren großen Wohnungen bleiben, die sie nach dem Auszug der Kinder oft als ungemütlich empfinden. Die Realität ist, dass 77 Prozent der älteren Menschen allein oder mit Gleichaltrigen leben – besonders betroffen sind Frauen. Die Lebensqualität leidet, und die Einsamkeit kann überhandnehmen.
Eine aktuelle Studie der Hochschule Luzern (HSLU) vom 18. Februar 2025 zeigt, dass die Mehrheit der über 76-Jährigen in zentralen, gut angebundenen Mehrfamilienhäusern lebt, jedoch oft in Wohnungen, die vor 1980 gebaut wurden und nicht altersgerecht sind. Dies bedeutet, dass 63 Prozent der Wohnungen Barrieren aufweisen, die das Leben im Alter unnötig erschweren. Mit nur 5,1 Prozent Umzugsrate der über 76-Jährigen im Jahr 2022 ist klar, dass viele in ihrer bestehenden Wohnsituation gefangen sind, oft bis sie in Pflegeeinrichtungen umziehen müssen.
Die Empfehlungen der Studie sind eindeutig: Es braucht gezielte Unterstützung für ältere Menschen in ihrer aktuellen Wohnsituation sowie den Zugang zu altersgerechtem Wohnraum. Der Wunsch nach einem sicheren, barrierefreien Zuhause ist stark und wächst mit den Jahren. Die Schaffung von Wohnangeboten, die Nähe zu Pflegeeinrichtungen bieten und Sicherheit gewährleisten, könnte einen entscheidenden Unterschied machen.
In einer Zeit, in der die Gesellschaft immer älter wird, ist es an der Zeit, die Bedürfnisse und Herausforderungen dieser Generation ernst zu nehmen. Die Senioren verdienen es, in Würde und mit einem Gefühl von Sicherheit zu leben.