Heute ist der 9.05.2026 und wir befinden uns in Waadt, einer Region, die in letzter Zeit mit einer dunklen Realität konfrontiert ist: der Anstieg der Prostitution von Minderjährigen. In Genf und im Kanton Waadt sind die Zahlen alarmierend. Rund 50 erfasste Fälle in Genf und etwa 40 im Kanton Waadt – das sind nur die offiziellen Zahlen. Eine Genfer Inspektorin schätzt, dass die tatsächliche Zahl wohl noch höher liegt. Eine erschreckende Entwicklung, die uns alle betrifft.
Ein Fall, der besonders hervorsticht, ist der „Barbershop-Fall“. Vor einem Jahr wurde aufgedeckt, dass sechs Minderjährige mehr als ein Jahr lang in einem Betrieb aktiv waren. Acht Personen wurden verhaftet, darunter sowohl Betreiber als auch Kunden dieser jungen Frauen. Sarah, die damals erst 16 Jahre alt war, ist eine von ihnen. Sie erinnert sich an die Kunden, die zwischen 20 und 60 Jahren alt waren. Auf die Frage, ob sie sich als Opfer fühlte, antwortet sie, dass sie damals das Gefühl hatte, alles im Griff zu haben. Ihre Anwältin, Eve Dolon, macht jedoch deutlich, dass Sarah noch ein Kind ist – und Kinder sollten nicht in solche Situationen geraten.
Die Realität der Betroffenen
Die Geschichten dieser jungen Frauen sind oft tragisch. Viele von ihnen leben in Heimen und sind aufgrund familiärer und schulischer Probleme besonders verletzlich. Ylona, ein weiteres Beispiel, hat sich zwischen ihrem 11. und 15. Lebensjahr prostituiert. Im Heim wurde sie angesprochen, um Männer zu treffen. Tragischerweise sahen die Erzieher im Heim, wie sie Kunden traf, und schritten nicht ein. Das wirft Fragen auf – wie kann es sein, dass solche Zustände geduldet werden?
Am 5. Februar trafen sich Polizistinnen, Richter und Sozialarbeitende aus der Schweiz und Frankreich, um Lösungen zu diskutieren. Ein Vorschlag war die Schaffung spezialisierter Heime für betroffene Jugendliche, um sie besser zu schützen. Das klingt nach einem Schritt in die richtige Richtung, aber die Umsetzung bleibt abzuwarten. Sarah lebt jetzt in einer Erziehungseinrichtung in der Westschweiz, macht Psychotherapie und plant eine Lehre. Für sie ist es ein kleiner Hoffnungsschimmer in einer dunklen Zeit.
Ein besorgniserregender Trend
Die Situation ist nicht nur in der Schweiz besorgniserregend. In Frankreich gab es 2024 laut Innenministerium 20.000 minderjährige Sexarbeiterinnen – ein Anstieg von 140 % im Vergleich zu 2016. Diese Zahlen sprechen für sich und zeigen, dass wir es mit einem weitreichenden Problem zu tun haben, das Ländergrenzen überschreitet. Die Zunahme der Prostitution von Minderjährigen ist ein gesellschaftliches Phänomen, das wir nicht ignorieren dürfen.
Wenn wir über diese Themen sprechen, müssen wir auch die Verantwortung aller Beteiligten in den Blick nehmen. Wie können wir als Gesellschaft sicherstellen, dass Kinder und Jugendliche vor solchen Ausbeutungen geschützt werden? Die Geschichten von Sarah und Ylona sind nicht nur Einzelfälle, sondern Teil eines größeren Puzzles, das wir dringend lösen müssen. Es ist an der Zeit, dass wir handeln und präventive Maßnahmen ergreifen, um die Schwächsten unter uns zu schützen.