Verkehrschaos im Urner Paradies: Anwohner setzen ein Zeichen gegen Ferienverkehr
Am Samstagmorgen war die kleine Gemeinde Amsteg im Kanton Uri alles andere als beschaulich. Rund 60 engagierte Bürgerinnen und Bürger versammelten sich, um gegen den immer drängender werdenden Ausweich- und Ferienverkehr zu protestieren. Plakate mit frechen Slogans wie «Es stinkt uns!» und „On en a marre!“ wurden hochgehalten, während die Teilnehmer stolz die Fahnen des Kantons Uri schwenkten. Die Aktion wurde von der Interessengemeinschaft (IG) Kanton Uri organisiert und erhielt Unterstützung von Pro Alps. Das Ziel? Den Verkehr rund um die Urner Dörfer zu stoppen. Und das war dringend notwendig!
Die Verkehrssituation hat sich seit der Öffnung des Gotthardpasses erheblich verschärft. An Wochenenden und in den Ferien fühlt sich die Bevölkerung regelrecht „überrollt“ von Fahrzeugen, die durch die Dörfer brausen. Besonders zu Spitzenzeiten, wenn lange Autoschlangen vor dem Gotthard-Nordportal auf bis zu 20 Kilometer anwachsen, ist die Geduld der Anwohner auf eine harte Probe gestellt. Es wird nicht nur über die gewohnte Ruhe hinweggefahren, sondern auch über die Lebensqualität der Menschen, die hier wohnen.
Ein starkes Zeichen setzen
Die Protestierenden nahmen das Gesetz in die eigene Hand – sie blockierten den Verkehr, indem sie in einer langen Reihe über einen Zebrastreifen marschierten. Damit wollten sie ein starkes Zeichen setzen. Die IG fordert temporäre Durchfahrtsverbote an verkehrsintensiven Tagen. Denn die lokale Bevölkerung hat das Recht, dass ihre Bedürfnisse über den Ferienverkehr gestellt werden. Und das ist nicht nur ein Wunsch, sondern auch ein rechtmäßiges Anliegen, das von der Bundesverfassung unterstützt wird. Die Verantwortlichen in Bund und Kantonen sind gefordert, die Einwohner und das fragile Ökosystem im Alpenraum zu schützen.
Nach der Protestaktion war eine spürbare Entlastung in den Dörfern zu verzeichnen. Die Kantonspolizei Uri hatte zuvor den Ausweichverkehr bei Erstfeld und Amsteg zurück auf die Autobahn geleitet. Doch die Erleichterung war nur von kurzer Dauer – kaum war die Aktion beendet, kehrte der Verkehr schnell wieder zurück. Die IG sieht in dieser Situation jedoch einen klaren Beweis: Es ist möglich, wirksame Schutzmaßnahmen schnell umzusetzen.
Ein Schritt in die richtige Richtung
Bereits im Jahr 2023 hatte die IG Uri eine Petition eingereicht, um stärkeren Schutz vor dem Ausweichverkehr zu fordern. Im nächsten Jahr, 2024, wurden dann tatsächlich Maßnahmen beschlossen, die temporäre Anschlusssperrungen beinhalten. Auch das Kanton Uri plant, bei Staus Dosiersysteme einzusetzen, um den Verkehr besser zu regulieren. Ein Schritt in die richtige Richtung, könnte man sagen, doch der Weg ist noch weit.
Der Sommer und die Feiertage, insbesondere die Osterzeit, sind nach wie vor eine Herausforderung. Jedes Mal, wenn der Gotthard-Tunnel überlastet ist, strömt der Verkehr durch die kleinen Dörfer. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Anwohner, die unter Lärm und Abgasen leiden, sondern auch auf die Reisenden, die in stundenlangen Staus gefangen sind. Die Geduld der Menschen wird stark auf die Probe gestellt, und das ist für alle Beteiligten frustrierend.
Wie es mit der Verkehrspolitik in der Region weitergeht, bleibt abzuwarten. Die Proteste in Amsteg sind ein eindringlicher Appell an die Verantwortlichen, die Situation ernst zu nehmen und die Anliegen der Bevölkerung nicht länger zu ignorieren. Denn letztlich sind es die Menschen, die hier leben und sich für ihre Heimat einsetzen – und das ist nicht zu unterschätzen.
