Zuckerkuss in der Krise: Wie Crowdfunding die Bäckerei rettete
Die Bäckerei «Zuckerkuss» in Islikon steht vor einer echten Herausforderung. Seit August 2025 wird die Ortsdurchfahrt saniert, und das hat nicht nur den Verkehr, sondern auch den Umsatz der kleinen, aber feinen Backstube empfindlich gestört. Besitzerin Patricia Bellia-Strässle hat das Drama hautnah miterlebt – weniger Kunden bedeuten weniger Umsatz, und das führt zwangsläufig zu einem Rückgang der Einnahmen. Das Ausmaß der Baustelle wurde von der Bäckerei unterschätzt, und so war es nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Entlassungen drohten.
Die Situation war kritisch: Viele Stammkunden fanden den Weg zur Bäckerei nicht mehr, während die Handwerker, die an der Baustelle arbeiteten, ebenfalls nicht vorbeischauten. Patricia reagierte kreativ – sie bot Mittagsmenüs für die Bauarbeiter an und richtete eine zusätzliche Verkaufsstelle namens «La Barack» ein, um die Kunden wieder ins Boot zu holen. Die Gemeinde half mit einem Bauwagen, aber der konnte natürlich keinen richtigen Laden ersetzen. Es war ein ständiger Kampf, und die Kurzarbeit war einfach keine Option, denn die Bäckerei blieb geöffnet, während die Kundschaft ausblieb.
Crowdfunding als Rettungsanker
Patricia Bellia-Strässle war entschlossen, ihre Mitarbeiterinnen zu behalten und das Unternehmen durch diese schwierige Zeit zu steuern. Als die finanzielle Situation sich zuspitzte, entschied sie sich für eine mutige Maßnahme: Crowdfunding. Innerhalb von 19 Stunden sammelte die Bäckerei bereits rund 22’000 Franken. Nach 48 Stunden war das Ziel von 33’000 Franken erreicht – und das Ende der Fahnenstange war noch lange nicht erreicht! Über 64’000 Franken kamen zusammen, unterstützt von mehr als 700 Menschen, die an die Vision von «Zuckerkuss» glaubten. Ein beeindruckender Erfolg, der nicht nur die Bäckerei rettete, sondern auch die Mitarbeiterinnen in ihren Jobs hielt.
Die Umsatzeinbußen durch die Baustelle wurden nicht automatisch entschädigt, was Patricia zusätzlich unter Druck setzte. Sie fühlte sich zwischen den Systemen gefangen, da sie nicht nur die Bäckerei am Laufen halten musste, sondern auch die heimliche Hoffnung hatte, dass die Kunden zurückkehren würden, sobald die Baustelle abgeschlossen ist. Aber mit dem Crowdfunding konnte sie zumindest einen großen Teil ihrer Sorgen abwenden.
Ein Blick auf die Zukunft
Crowdfunding kann nicht nur für die Bäckerei «Zuckerkuss» eine Lösung sein. Es hat sich als effektives Instrument für die Wirtschaftsförderung und Regionalentwicklung erwiesen, wenn es richtig umgesetzt wird. In der Metropolregion FrankfurtRheinMain gibt es bereits ein Modell von place2help, das zeigt, wie man regionale Crowdfunding-Projekte erfolgreich initiieren kann. Eine zentrale Plattform, die Übersicht über verschiedene Projekte bietet, kann entscheidend sein. Das Zusammenbringen von Online- und Offline-Kommunikation sorgt dafür, dass viele Menschen von den Projekten erfahren. Und mit kompetenten Projektinitiatoren, die wissen, wie man solch eine Kampagne aufzieht, kann der Erfolg nur wachsen.
So wird Crowdfunding nicht nur zur Rettung von «Zuckerkuss», sondern könnte auch für viele andere kleine Betriebe in ähnlichen Situationen eine neue Perspektive eröffnen. Trotz aller Herausforderungen bleibt die Hoffnung, dass die kleinen Läden in der Region weiterhin blühen und gedeihen können. Patricia hat es geschafft, ihre Bäckerei durch eine schwere Zeit zu navigieren – und das ist schon mal ein guter Anfang.
