In der ruhigen, aber dynamischen Region Thurgau, wo die Bauwirtschaft eine tragende Rolle spielt, gibt es aktuell einige bewegende Themen, die weitreichende Auswirkungen auf die lokale Szene haben. Mathias Tschanen, der Präsident des Thurgauer Baumeisterverbandes, hat sich unmissverständlich geäußert: Er wünscht sich, dass der Kanton weniger öffentliche Aufträge ausserkantonal vergibt. Ein klarer Wunsch, der nicht nur die Bauunternehmen selbst betrifft, sondern auch das wirtschaftliche Gefüge des Kantons. Der Baudirektor Dominik Diezi hat darauf hingewiesen, dass bereits rund 70 Prozent der Vergaben für öffentliche Bauten im Kanton bleiben – ein erfreulicher Fakt, der jedoch nicht die Sorgen von Tschanen und seinen Mitgliedern zerstreut.
Das vergangene Geschäftsjahr war für die Bauwirtschaft im Thurgau anspruchsvoll, aber insgesamt positiv. Die Auftragslage wird als stabil eingeschätzt, doch immer wieder wird die Vergabe größerer Kantons- und Bundesaufträge an Firmen ausserhalb des Kantons kritisiert. Tschanen hofft auf Verbesserungen in der Auftragsvergabe durch die neue Kantonsbaumeisterin. Besonders die schleppende Bearbeitung der Deponie-Notstände sorgt für ungewollte Transportwege ins Ausland oder in benachbarte Kantone – ein Umstand, der nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch bedenklich ist.
Wirtschaftliches Auf und Ab
Die Thurgauer Industrie steht vor Herausforderungen. Die Nachfrage bleibt schwach, was die Unternehmen in der Region spüren. Besonders im Bauhauptgewerbe ist die Lage angespannt; viele Betriebe berichten von einem zu kleinen Auftragsbestand, was die Stimmung trübt. Im Gegensatz dazu blüht das Ausbaugewerbe förmlich auf und verzeichnet eine komfortable Auftragslage. Ein interessanter Widerspruch, der zeigt, wie unterschiedlich die Segmente innerhalb der Bauwirtschaft auf die aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen reagieren.
Die Novemberausgabe des Thurgauer Wirtschaftsbarometers, herausgegeben von der Thurgauer Kantonalbank und anderen Institutionen, zeigt, dass die Konjunktur insgesamt schleppend verläuft. Die Betriebe berichten von dünnen Auftragsvorräten und sind vor allem skeptisch, was die zukünftige Geschäftslage betrifft. Ein Rückgang der Exporte um fast 6 % im Vergleich zum Vorjahr ist da nicht gerade aufbauend. Der Ausblick der Industriebetriebe ist vorsichtig – die Mehrheit rechnet bis zum Frühling 2025 mit einer unveränderten Situation.
Öffentliche Auftragsvergabe im Wandel
Ein entscheidendes Thema ist die öffentliche Auftragsvergabe. Seit dem 1. April 2022 gilt im Kanton Thurgau ein neues Vergaberecht, das die Vergabe öffentlicher Aufträge in einem offenen Verfahren regelt. Aufträge im Bauhauptgewerbe über 500.000 Franken müssen öffentlich ausgeschrieben werden – ein wichtiger Schritt zur Transparenz und Fairness im Wettbewerb. Die kantonale Fachstelle für das öffentliche Beschaffungswesen unterstützt dabei sowohl öffentliche als auch private Stellen und sorgt dafür, dass die neuen Vorgaben eingehalten werden.
Die Änderungen, die mit dem neuen Vergaberecht einhergehen, beinhalten unter anderem eine Verlängerung der Beschwerdefristen und die Pflicht zur Publikation der Ausschreibungen. Auch die Bewertung der Angebote muss nun unter Berücksichtigung von Qualität und Preis erfolgen. Tschanen und seine Mitglieder hoffen, dass diese Neuerungen positive Veränderungen mit sich bringen und die Chancen für Thurgauer Unternehmen erhöhen.
Inmitten dieser Entwicklungen bleibt die Bauwirtschaft ein zentraler Pfeiler der wirtschaftlichen Prosperität des Kantons. Tschanen ist überzeugt, dass die Branche auch in Zukunft zur Stabilität der Region beitragen wird. In der Generalversammlung des Baumeisterverbandes gab es zudem einige personelle Wechsel im Vorstand. Mathias Vetsch wurde neu gewählt, während Walter Ilg und Rolf Kunz ihren Platz räumten. Und während sich die Hotellerie im Thurgau über einen Gästezuwachs von 2,4 % freuen kann, bleibt die Frage, wie sich die Bauwirtschaft in den kommenden Monaten entwickeln wird.