In der Ostschweiz, speziell in St.Gallen, brodelt es gewaltig. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) St.Gallen-Appenzell sowie der Gewerbeverband St.Gallen haben sich vehement gegen die SVP-Initiative zur Begrenzung der Einwanderung ausgesprochen. Sie sehen die Initiative als ernsthafte Bedrohung für die regionale Wirtschaft. Ein starrer Bevölkerungsdeckel könnte nicht nur den Arbeitskräftemangel verschärfen, sondern auch langfristig negative Folgen für die AHV haben. Und das in einer Zeit, in der bis 2035 rund 60.000 Arbeitskräfte in der Ostschweiz fehlen werden. Walter, 72, ist ein Beispiel aus dem Alltag: Er wird nicht operiert, weil Chefärztin Mila aufgrund von Einschränkungen nicht arbeiten darf. Das zeigt deutlich, wie wichtig Fachkräfte sind.

Die IHK hat sogar eine eigene Kampagne gegen die sogenannte „Nachhaltigkeitsinitiative“ gestartet. Dabei wird betont, dass stabile Beziehungen zur EU für den Absatz und die Beschaffung von Waren unerlässlich sind. Der Kantonale Gewerbeverband St.Gallen hat ebenfalls die Nein-Parole gefasst, während der Thurgauer Gewerbeverband (TGV) sich mit knappen 13:11 Stimmen für die Begrenzung der Einwanderung ausgesprochen hat. TGV-Präsidentin Diana Gutjahr hat sich neutral verhalten, sieht aber das Ergebnis als Spiegel der Unzufriedenheit in der Bevölkerung bezüglich Zuwanderung.

Fachkräftemangel als Herausforderung

Doch nicht nur in der Ostschweiz ist der Fachkräftemangel ein drängendes Thema. Auch Deutschland steht vor der Herausforderung, nachhaltige Wertschöpfungsketten und klimaneutrales Wachstum zu etablieren. Der Arbeitskräftemangel, insbesondere in der Energiebranche, wird als erhebliches Standortrisiko identifiziert. Um diese Lücken zu schließen, ist eine gezielte Fachkräfteeinwanderung, auch aus außereuropäischen Ländern, vonnöten. Hierbei können Synergien zwischen Wirtschaftspolitik und Entwicklungszusammenarbeit entstehen, gerade durch die Ausbildung „grüner“ Fachkräfte aus klimavulnerablen Ländern.

Ein Blick in die Zukunft zeigt: Bis 2045 soll Deutschland klimaneutral sein, und die Energieversorgung soll nahezu vollständig aus erneuerbaren Energien bestehen. Doch ohne Fachkräfte für die grüne Transformation – geschätzt auf 767.200 Personen – wird das nicht funktionieren. Besonders im Bereich Solar- und Windenergie gibt es 190 relevante Berufe, und der Mangel an Fachkräften in der Bauelektrik wird als „Flaschenhals“ für den Bau von Solar- und Windkraftanlagen bezeichnet.

Migration und Integration

Ein weiterer Aspekt ist die Integrationsfähigkeit der zugewanderten Fachkräfte. Herausforderungen wie sprachliche Barrieren und mangelnde Kenntnisse der deutschen Arbeitskultur stehen dem entgegen. Oft sind zugewanderte Fachkräfte in prekären Arbeitsverhältnissen und schlechter entlohnt. Im Gesundheits- und Pflegebereich ist es besonders wichtig, attraktiv für Fachkräfte zu bleiben, um einem drohenden Pflegenotstand in einer alternden Gesellschaft vorzubeugen.

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Die Bundesregierung hat daher eine Fachkräftestrategie entwickelt, die sowohl die Stärkung inländischer Fachkräfte als auch die Förderung qualifizierter Zuwanderung aus EU- und Drittstaaten umfasst. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz von 2020 erleichtert den Zugang für qualifizierte Arbeitskräfte. Dennoch bleibt die Integration eine Herausforderung: Betriebe ziehen häufig inländische Fachkräfte vor, was die Chancen für Zugewanderte einschränkt. Die Passungsprobleme auf dem Arbeitsmarkt zeigen deutlich, dass das Angebot an Fachkräften nicht mit der Nachfrage übereinstimmt.

Insgesamt ist klar, dass die Diskussion über Einwanderung und Fachkräftemangel nicht nur in der Ostschweiz, sondern auch in Deutschland und darüber hinaus wichtig ist. In der heutigen Zeit, in der der Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften ständig wächst, sind kluge Strategien gefragt, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Der Weg ist steinig, aber die Chancen für eine zukunftsorientierte Lösung sind da.