Am 14. Juni wird es im Dreispitz-Park in Kreuzlingen richtig laut – und das aus einem guten Grund! Ab 10 Uhr startet eine Demonstration, organisiert von den SP Frauen Thurgau, dem feministischen Streikkollektiv Thurgau und der SP Kreuzlingen. Ursprünglich sollte der Anlass in Frauenfeld stattfinden, doch wegen des Mitsommer-Fests, das vom 12. bis 14. Juni die Stadt in Beschlag nimmt, wurde der Standort kurzerhand verlegt. Ein klarer Aufruf für Gleichstellung und Schutz gegen häusliche Gewalt steht im Mittelpunkt dieser Bewegung.

Die politische Situation im Kanton Thurgau ist angespannt. Der Aufgaben- und Verzichtsplan (AVP) sorgt für hitzige Diskussionen, und ein Frauenhaus, das dringend benötigt wird, fehlt. Über 300.000 Menschen leben hier, und viele Schutzbedürftige Frauen sind auf Frauenhäuser in anderen Kantonen angewiesen. Das Feministische Streikkollektiv fordert nicht nur eine Leistungsvereinbarung mit dem Frauenhaus Winterthur, sondern auch eine aktive Mitträgerschaft, um die Lücke zu schließen. Wenn die Kapazitäten nicht ausreichen, müssen Frauen und Kinder in andere Kantone verteilt werden – eine prekäre Situation.

Ein starkes Programm für einen wichtigen Anlass

Das Programm am 14. Juni sieht eine Versammlung um 9:30 Uhr vor, gefolgt von einer Begrüßung um 9:45 Uhr. Die Demonstration beginnt dann um 10:00 Uhr. Nach dem Zug durch die Stadt wird es eine Kundgebung mit politischen Reden geben – Rednerinnen werden die Auswirkungen des AVP thematisieren und ihre Forderungen direkt an Regierungsrätin Ruth Faller Graf übergeben. Unter anderem wird eine Petition für ein Frauenhaus im Thurgau an Grossratspräsident Felix Meier überreicht. Ab 12:30 Uhr dürfen sich die Teilnehmenden auf eine Streikpizza freuen!

Die Organisatorinnen haben klare Forderungen: Sie setzen sich entschieden gegen die Einstellung des Mammographie-Screenings, den Verzicht auf Integrationsmassnahmen in der Asylerstintegration und die Schließung des Konvikts der Pädagogischen Maturitätsschule ein. Auch eine Reduktion der Finanzierung von Sonderschulen darf nicht die Lösung sein. Vor allem aber ist der Aufbau eines Frauenhauses im Thurgau, der dringend benötigt wird, ein zentrales Anliegen.

Die Notwendigkeit eines Frauenhauses

Aktuell ist die Situation in Thurgau alarmierend. Mit dem Fehlen eines eigenen Frauenhauses sind Schutzbedürftige Frauen auf andere Kantone angewiesen. Über 40% der Plätze in Frauenhäusern sind von Betroffenen aus anderswo belegt. Das ist nicht nur ungerecht, sondern auch riskant für die Sicherheit der Frauen. Laut Berichten müssen schweizweit rund 25% der Anfragen abgewiesen werden, weil die Kapazitäten einfach nicht ausreichen. Im Jahr 2024 hielten sich bereits 25 Frauen und 39 Kinder aus dem Thurgau in einem Frauenhaus auf – und die Zahl könnte weiter steigen, falls sich nichts ändert.

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Die Bedenken hinsichtlich der Anonymität eines Frauenhauses im kleinen Kanton Thurgau sind nicht unbegründet. Erfahrungen aus Schaffhausen zeigen, dass Anonymität von der professionellen Umsetzung abhängt und nicht einfach über Bord geworfen werden sollte. Der Grosse Rat im Thurgau zeigt sich allerdings einig – SP, Grüne, Mitte/EVP, GLP und FDP unterstützen die Forderung, die Situation neu zu bewerten. Die SVP hingegen verweist auf Statistiken, die sich mit häuslicher Gewalt unter Migrantinnen und Migranten beschäftigen. Die Diskussion ist also in vollem Gange.

Hilfe für Betroffene

Frauenhäuser sind mehr als nur ein Zufluchtsort. Sie bieten Unterstützung für volljährige Frauen und deren Kinder, die von Gewalt betroffen sind. Egal, ob körperliche, psychische oder sexualisierte Gewalt – hier finden Betroffene Hilfe, unabhängig von Nationalität, Aufenthaltsstatus, Religion oder Einkommen. Die Möglichkeit, ambulante Beratung oder einen Zufluchtsort in Anspruch zu nehmen, sollte für jede Frau gegeben sein. Eine Liste von Fachstellen und Frauenhäusern wird bereitgestellt, um den betroffenen Frauen den Zugang zu erleichtern.

Am 14. Juni wird also nicht nur demonstriert, sondern es wird auch ein starkes Zeichen gesetzt. Es bleibt zu hoffen, dass die Stimmen der Frauen in der Politik Gehör finden und die notwendigen Veränderungen endlich Realität werden.