Im Kanton Thurgau brodelt es in der Energiepolitik. Die jüngste Revision des Thurgauer Energienutzungsgesetzes hat einige Wellen geschlagen. Eine Investitionsförderabgabe, die ursprünglich geplant war, wurde auf Druck der Bevölkerung gestrichen. Dies hat dazu geführt, dass viele Thurgauer Konsumenten nun die Möglichkeit haben, 100% Strom aus erneuerbaren Energiequellen zu beziehen, es sei denn, sie entscheiden sich aktiv dagegen. Das neue Basisangebot ist bereits in Städten wie Frauenfeld, Kreuzlingen, Diessenhofen und Hohentannen verfügbar und erfreut sich zunehmender Beliebtheit, auch wenn in Schaffhausen bis zu 85% der Privatkunden trotz zusätzlicher Kosten von etwa 7 Franken pro Haushalt jährlich beim traditionellen Strommix bleiben. Die Gewerbebetriebe hingegen ziehen den Mix mit Atomstrom vor, um höhere Stromkosten zu vermeiden.
Die Diskussion über den Strommix wird von einem kritischen Blick auf die fehlende Substanz des Gesetzes begleitet. Kommissionspräsident Toni Kappeler hat die Entscheidung scharf kritisiert und betont, dass die Nachfrage nach Wasserstrom gesteigert werden müsse. Der SVP-Kantonsrat Walter Marty fordert zudem Veränderungen, da die Verbraucher aktiv handeln müssen, um den bisherigen Strommix zu behalten. Trotz der Möglichkeit, lokale Produkte wie „Thurgauer Naturstrom“ zu beziehen, zeigen Umfragen, dass nur 2-4% der Kunden aktiv auf erneuerbare Angebote umsteigen, trotz intensiver Werbung.
Nachhaltigkeit im Neubau
Im Kontext der Energieverordnung setzen die GRÜNEN auf eine Erhöhung der Eigenstromproduktion und unterstützen die geplanten Änderungen. Diese betreffen vor allem öffentliche Bauten und Neubauten. Die Umwandlung der Abteilung Energie in das Amt für Energie wird dabei als positiver Schritt angesehen. Die neuen Anforderungen für nachhaltiges Bauen in kantonalen Neubauten werden ebenfalls begrüßt. Ein weiterer Antrag sieht vor, dass Neubauten, die keinen ECO-Zusatz haben, in Holz- oder Hybridbauweise errichtet werden müssen.
Darüber hinaus gibt es Vorschläge zur flächendeckenden Nutzung von Solaranlagen bei kantonalen Gebäuden und zur optimalen Nutzung von Abwärme aus neuen Bauten. Bis 2040 soll die kantonale Verwaltung Netto-Null-Emissionen erreichen. Die Anregungen zur Nutzung des gesamten solaren Potenzials bei Neubauten und umfangreichen Dachsanierungen sind Teil eines umfassenden Plans, der die Energiewende im Kanton vorantreiben soll.
Wohin führt der Weg?
Die Entwicklungen im Thurgau spiegeln einen breiteren Trend in der Schweiz wider, wo der Übergang zu nachhaltigen Energien immer mehr in den Fokus rückt. Die Diskussionen um das Energienutzungsgesetz und die damit verbundenen Anforderungen an Neubauten zeigen, dass die Zeit reif ist für innovative Lösungen im Bereich der Energieproduktion und -nutzung. Die Frage bleibt, wie viele Thurgauer letztendlich bereit sind, aktiv auf erneuerbare Energien umzusteigen und wie die politischen Rahmenbedingungen die Energiewende unterstützen werden.