Tessin im Mückenfieber: Die unsichtbare Gefahr der Tigermücke
Heute ist der 26.06.2026, und im schönen Tessin steht das Thema der invasiven Insekten ganz oben auf der Agenda. Die Asiatische Tigermücke hat sich in der Schweiz breitgemacht, und die Sorgen um ihre Fähigkeit, tropische Infektionskrankheiten wie Chikungunya, Denguefieber und Zikavirus zu übertragen, sind alles andere als unbegründet. Diese kleinen Biester sind nicht nur ein lästiger Sommerbegleiter; sie bringen auch ernsthafte gesundheitliche Risiken mit sich. Im Jahr 2022 wurde beispielsweise das West-Nil-Virus erstmals in Schweizer Stechmücken nachgewiesen, und 2025 folgte die erste lokal erworbene Übertragung auf einen Menschen im Tessin. Das Wecksignal für alle, die die Natur lieben und die Freiluftaktivitäten schätzen!
Anne Lévy, die Direktorin des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), hat sich kürzlich ein Bild von einem Überwachungsprojekt in Mendrisio gemacht. Sie und die Tessiner Gesundheitsbehörden arbeiten Hand in Hand, um ein Überwachungsprogramm für das West-Nil-Virus zu entwickeln. Das Programm hat einen ganzheitlichen Ansatz, der die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt in den Fokus stellt. Das Institut für Mikrobiologie der Supsi hat die Federführung und wird zum Kompetenzzentrum in dieser wichtigen Angelegenheit. Die steigenden globalen Temperaturen und die zunehmende Reisetätigkeit sind eine explosive Mischung, die die Ausbreitung dieser Arthropodenvektoren begünstigt. Reisende aus Gebieten mit Dengue, Chikungunya oder Zikafieber könnten die Erreger sogar importieren, was die Lage nicht einfacher macht.
Die Bekämpfung der Tigermücke
Die Behörden setzen verschiedene Maßnahmen zur Bekämpfung der Tigermücke ein. Eine vollständige Eindämmung ist zwar nicht möglich, aber die Populationen können durchaus reduziert werden. Ein Beispiel für eine effektive Bekämpfungsmethode ist das gezielte Aussetzen sterilisierter Männchen, was in der Vergangenheit zu einer Reduktion der Population um über 90 Prozent geführt hat! Zudem wird die Bevölkerung aufgefordert, stehendes Wasser zu beseitigen oder abzudecken, denn dort brüten die Mücken in aller Ruhe. Das klingt einfach, doch manchmal braucht es einen kleinen Schubs, um die Nachbarn auch zum Mitmachen zu bewegen.
Ein neues Experiment der Supsi, das Mitte Juli startet, wird den Einfluss des Alters weiblicher Tigermücken auf die Krankheitsübertragung untersuchen. Wer hätte gedacht, dass das Alter auch bei Mücken eine Rolle spielt? Das zeigt uns einmal mehr, wie komplex die Natur ist und wie wichtig es ist, diese kleinen Kreaturen besser zu verstehen.
Klimawandel und seine Folgen
Der Klimawandel spielt eine zentrale Rolle in der Ausbreitung dieser ungebetenen Gäste. Ein Bericht des Robert Koch-Instituts vom 1. Juni 2023 stellt klar: Steigende Temperaturen erhöhen das Risiko für Infektionskrankheiten. In Deutschland breiten sich in letzter Zeit ebenfalls Stechmücken-Arten aus, die lange Zeit nur für Fernreisende ein Risiko darstellten. Die Asiatische Tigermücke hat sich in mehreren Bundesländern etabliert, und die ersten Fälle von Dengue- und Chikungunya-Virus-Infektionen in Südeuropa, die auf diese Mücken zurückzuführen sind, beunruhigen die Gesundheitsbehörden. Komischerweise ist das Chikungunya-Virus in Deutschland noch nicht angekommen, während das West-Nil-Virus dort überwintern kann.
Zusätzlich zu den Mücken sorgen auch andere Erreger für Aufregung. Hitzewellen und Überflutungen begünstigen die Entwicklung und Ausbreitung von Erregern wie Hanta-Viren, die durch höhere Wirtstierpopulationen gefördert werden. Und was ist mit den Zecken? Die sind ebenfalls auf dem Vormarsch und bringen neue Risiken mit sich. Die Bevölkerung muss über Zeckenschutz und FSME-Impfung aufgeklärt werden, denn das Gesundheitswesen muss auf diese neuen Herausforderungen vorbereitet sein. Die alternde Bevölkerung ist besonders gefährdet, und das ist ein Thema, das uns alle betrifft.
In der Summe zeigt sich: Die Natur ist ein empfindliches Gefüge, das durch menschliche Einflüsse wie den Klimawandel aus dem Gleichgewicht geraten kann. Die Tigermücke und ihre Verwandten sind nur die Spitze des Eisbergs. Es liegt an uns, wachsam zu bleiben und unser Wissen über diese kleinen, aber bedeutenden Geschöpfe zu vertiefen. Und vielleicht sollten wir auch einfach öfter mal einen Blick in den Garten werfen, um das stehende Wasser zu beseitigen – für unsere eigene Gesundheit und die der Umwelt.
