SBB Cargo in der Krise: 200 Stellen in Gefahr und ein Kampf um die Zukunft des Tessins
Die Nachricht hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet: SBB Cargo plant den Abbau von 200 Arbeitsplätzen in der Schweiz, und das hat nicht nur die Betroffenen, sondern auch die gesamte Region Tessin aufgeschreckt. Ein besonders schmerzhaftes Kapitel wird die Schließung des Lokführerdepots in Chiasso sein, die im Jahr 2027 wirksam werden soll. In einer Zeit, in der die wirtschaftliche Lage ohnehin angespannt ist, kommt diese Nachricht für viele wie ein Schlag ins Gesicht. Besonders im Tessin, wo bereits eine kritische Lage herrscht, wird der Verlust von 40 Stellen in der Region nicht einfach hingenommen. Ein Komitee hat sich am 10. Juni lautstark zu Wort gemeldet und auf die drohende Gefahr von rund 350 Vollzeitstellen bis 2028 aufmerksam gemacht.
Das Tessiner Kantonsparlament reagierte prompt und verabschiedete mit satten 87 Prozent der Stimmen eine Resolution gegen diese Maßnahmen, die auch vom Staatsrat angenommen wurde. Der Wunsch nach Erhalt der Arbeitsplätze und der Lohnbedingungen ist unüberhörbar. Darüber hinaus fordern die Aktivisten die Schaffung eines nationalen Zentrums für Eisenbahnsicherheit in Chiasso sowie den Aufbau eines Kompetenzzentrums für den Schienenverkehr im Tessin. SBB selbst betont, dass Chiasso auch in Zukunft ein wichtiger Standort für die Personal- und Fahrzeugwartung bleiben soll. Doch die Schließung des Lokführerstandorts ab 2027 und die Versetzung der Mitarbeiter nach Bellinzona werfen Fragen auf.
Ein Blick auf die Zahlen
In einem weiteren Schritt plant SBB Cargo bis Ende des Jahres den Abbau von etwa 80 Stellen aus einem Bestand von 2250 Vollzeitstellen. Der Grund dafür? Ein höher als erwarteter Verlust im Jahr 2024, hauptsächlich verursacht durch die aktuelle Wirtschaftslage und einen Rückgang bei den transportierten Gütermengen. SBB Cargo steht vor der Herausforderung, eine Neuausrichtung vorzunehmen. Ziel ist es, Kosten zu senken, die Erträge zu steigern und die Auslastung zu erhöhen. Kündigungen sollen dabei die Ausnahme bleiben, und SBB hat versichert, dass sie in Kontakt mit den Sozialpartnern stehen.
Die Gewerkschaft SEV äußert sich besorgt und fordert eine Sistierung des Reorganisationsprojekts. Sie warnt davor, dass bis 2030 ein Fünftel des Personals bei SBB Cargo abgebaut werden könnte. Auch wenn SBB diese Prognosen nicht bestätigt, bleibt die Unsicherheit in der Luft hängen. Der Rückgang des Bahnanteils am Güterverkehr in den letzten zwei Jahrzehnten ist nicht zu übersehen, und die Finanzierung des Schienengüterverkehrs ist bereits ein heiß diskutiertes Thema in der Bundespolitik. Der Ständerat hat sogar Fördermaßnahmen für den Einzelwagen-Ladungsverkehr vorgeschlagen, inklusive finanzieller Unterstützung von 260 Millionen Franken für die ersten vier Jahre.
Die Zukunft des Schienengüterverkehrs
Die Prognosen für den gesamten Güterverkehr sind jedoch optimistisch: Bis 2050 wird ein Wachstum von bis zu 40 Prozent erwartet. Umso wichtiger ist es, dass SBB Cargo in eine moderne Flotte, Automatisierung und ein neues Produktionsmodell investiert, um Kosten von 60 Millionen Franken zu senken. Ob das alles ausreicht, um die anstehenden Herausforderungen zu meistern? Das bleibt abzuwarten. Eines ist jedoch klar: Die Diskussion über die Zukunft des Schienenverkehrs wird uns noch lange begleiten, und die Menschen im Tessin werden weiterhin für ihre Arbeitsplätze und ihre Rechte kämpfen.
