Im Oberbaselbiet brodelt es. Ein Wolf könnte unterwegs sein! Am Sonntagmorgen wurde in Beinwil, Kanton Solothurn, ein Wolf gesichtet und sogar gefilmt. Das Video hat schnell die Runde gemacht und viele Menschen in der Region in Aufregung versetzt. Kurz darauf wurde in Bennwil der Schock perfekt: Zwei gerissene Schafe wurden entdeckt. Ob der Wolf für diesen Angriff verantwortlich ist? Das bleibt vorerst unklar. Der Landwirt aus der Nähe berichtete auf Facebook von einem Wolfsangriff in der Umgebung seines Hofes in Oberdorf, und seine Herdenschutzhunde haben tatsächlich vor dem Wolf gewarnt.
Julien Kurt, Sprecher der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion Baselland, hat die Sichtung in Beinwil bestätigt. Das Tier wurde eindeutig als Wolf identifiziert. Doch der Zusammenhang zwischen der Sichtung und dem Schafsriss ist noch nicht geklärt. Die Wildhut des Amts für Wald und Wild beider Basel hat bereits die gerissenen Tiere untersucht und DNA-Proben entnommen, um herauszufinden, ob ein Wolf oder vielleicht doch ein Hund für den Angriff verantwortlich ist. Die Ergebnisse dieser Analyse werden einige Zeit in Anspruch nehmen, also heißt es Geduld haben.
Die Situation bleibt angespannt
Bis zum gestrigen Vormittag gab es keine weiteren Sicht- oder Rissmeldungen. Unklar bleibt, ob der Wolf, der in Beinwil gesichtet wurde, noch in der Region weilt. Jungwölfe können bekanntlich große Distanzen zurücklegen, wenn sie auf der Suche nach einem Partner sind. In den letzten Jahren gab es im Kanton Baselland immer wieder bestätigte oder wahrscheinliche Wolfsnachweise. Im November 2021 wurde der erste gesicherte Wolfsnachweis seit der Ausrottung im 19. Jahrhundert verzeichnet, als sieben Ziegen in Lauwil gerissen wurden. Und auch die weiteren Sichtungen in den letzten Jahren machen deutlich, dass sich die Wölfe in der Schweiz wieder heimisch fühlen.
Ein Landwirt aus der Waadt hat in ähnlicher Weise einen Angriff erlebt: Ende Mai verlor Rolf Christen zwei Kühe, die tot in einer Schlucht gefunden wurden. Er vermutet ebenfalls einen Wolfsangriff und muss nun auf die Entscheidung der Behörden warten. Die DNA-Probe seiner Kühe wurde an die Kora-Stiftung geschickt, die Großraubtiere in der Schweiz überwacht. Die Analyse erfolgt an der Universität Lausanne. Jährlich kommen dort über 2000 Proben an, doch nur 60 Prozent sind tatsächlich brauchbar. Eine Entschädigung für den Landwirt gibt es nur, wenn nachgewiesen wird, dass ein Wolf für den Angriff verantwortlich ist. Eine belastende Situation für ihn – das Warten auf die Ergebnisse und die Sorge um die verbleibenden Tiere.
Wölfe in der Schweiz – eine wachsende Präsenz
<pDie aktuelle Datenlage zur Wolfspräsenz in der Schweiz zeigt, dass die Population ansteigt. Stand Dezember 2025 werden nur noch Rudelgebiete auf der Karte dargestellt, und Einzelnachweise sind nicht mehr in einer jährlichen Liste zu finden. Das Monitoring-Center von KORA bietet jedoch Informationen zu einzelnen Nachweisen. Änderungen in der DNA-Analyse wurden jüngst von der Universität Lausanne, KORA und dem BAFU mitgeteilt, was zeigt, dass die Wissenschaftler an vorderster Front stehen, um die Situation zu klären. Der Wolf ist zurück in der Schweiz, und die Debatte über seine Präsenz wird wohl noch lange anhalten.