In Solothurn ist es gerade ein bisschen magisch. Vom 15. bis 17. Mai 2026 findet hier das Schweizer Werkschau-Festival für zeitgenössische Literatur statt. Die Stadt pulsiert vor Leben, und die Luft ist durchzogen von der Aufregung, die ein solches Event mit sich bringt. Michael Kinzer, der Direktor von Pro Helvetia, hat die Ehre, die Eröffnungsrede zu halten. Er spricht über die Bedeutung der Literatur in Krisenzeiten – ein Thema, das aktueller nicht sein könnte. Und da steht sie dann, die beeindruckende Sängerin und Bassistin Follia, die den Abend mit ihrer Stimme umrahmt, während sie auch selbst Bücher schreibt. Ein wahres Multitalent!
Das Festival hat heuer einen klaren Fokus: weniger Selbstreflexion, dafür drängen gesellschaftliche Fragen wie Klima, Kriege und Gewalt stärker in den Vordergrund. Fünf Autoren präsentieren Kurztexte, die sich mit Freiheit, Menschlichkeit und Demokratie beschäftigen. Da wird einem ganz warm ums Herz – oder ist es doch eher die aufziehende Diskussion über direkte Demokratie und gesellschaftliche Spaltung? Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider hält eine Laudatio auf die Preisträgerin des Grand Prix Literatur, Corinne Desarzens, und zitiert sie mit einem nachdenklichen Satz: „Die Welt sei ein rohes Ei, das jederzeit zerbrechen könne.“ Die Worte hallen nach und regen zum Nachdenken an.
Vielfalt im Programm
Das Programm ist prall gefüllt mit insgesamt 150 Veranstaltungen, und Mehrsprachigkeit wird als zentrales Element betont. Wie schön ist das, wenn man in Solothurn die Vielfalt der Sprachen und Kulturen erleben kann! In einer Diskussionsrunde „Das Böse schreiben“ kommen Dorothee Elmiger, Michael Hugentobler und Kat Splitterberg zusammen, um die dunkleren Seiten der menschlichen Natur zu beleuchten. Elmiger stellt ihr Werk „Die Holländerinnen“ vor und bringt damit sicher einige zum Schmunzeln. Jessica Jurassica bringt mit ihrem Buch „Gaslicht“ das Thema Gewalt und Feminismus auf die Bühne – ein Thema, das nach wie vor brennt.
Dimitré Dinev hat ebenfalls etwas zu sagen. Mit seiner Emigrationsliteratur beleuchtet er Themen wie Heimat und europäische Identität. Man fragt sich: Was macht uns aus, woher kommen wir, und wohin gehen wir? Diese Fragen sind nicht nur für Dinev von Bedeutung. Und nicht zu vergessen, der Solothurner Literaturpreis wird an Monika Rinck verliehen. Ein Fest für die Literatur, das dazu einlädt, darüber nachzudenken, was Schreiben und Lesen für uns alle bedeuten können.
Ein Blick über die Grenzen
Wenn wir schon bei Festivals sind – im nächsten Jahr, vom 7. bis 13. Juli 2025, findet das Literaturfestival in Zürich statt. Der Alte Botanische Garten wird zur Kulisse für eine literarische Wunderwelt. Mit Anne Enright, die ihren neuen Roman „Vogelkind“ präsentiert, und Paul Lynch, der die Leser mit seinen Werken „Prophet Song“ und „Beyond the Sea“ fesselt, wird es spannend. Auch Chimamanda Ngozi Adichie ist mit ihrem neuen Buch „Dream Count“ dabei. Ein wahres Schlaraffenland für Literaturbegeisterte!
Die Veranstaltungen in Zürich sind schnell ausverkauft – ein Zeichen für das große Interesse an Literatur. Livestreams in TV-Qualität machen es möglich, auch von zu Hause aus teilzunehmen. So bleibt man am Puls der zeitgenössischen Literatur, egal wo man ist. Aber auch Solothurn hat seine ganz eigene Magie, die es zu erleben gilt.
Die Veranstaltungsorte in Solothurn sind fußläufig erreichbar, und die Anbindung mit der Bahn aus den meisten Städten der Schweiz ist hervorragend. Es gibt keine Ausrede, nicht zu kommen! Die Homepage der Solothurner Literaturtage bietet alle Informationen und das gesamte Programm. Wer noch nicht auf den Geschmack gekommen ist, sollte sich sputen, denn die Literaturwelt wartet nicht!