Hinter den Kulissen der Care-Teams: Helden der psychosozialen Notfallversorgung in Solothurn
In der ruhigen Stadt Solothurn, wo man erst einmal das Gefühl hat, die Zeit stehe still, gibt es Menschen, die sich in den Dienst der Gemeinschaft stellen – und das oft unter extremen Bedingungen. Die Care-Teams sind ein unverzichtbarer Bestandteil der psychosozialen Notfallversorgung, die nach belastenden Ereignissen wie Katastrophen, schweren Unfällen oder plötzlichen Todesfällen aktiv werden. Ihr wichtigstes Ziel? Den Betroffenen und ihren Angehörigen psychologische Hilfe zu leisten. Die Mitglieder dieser Teams sind keine Unbekannten; sie setzen sich aus Psychotherapeuten, Notfallpsychologen und engagierten Freiwilligen zusammen, die bereit sind, in den schwersten Stunden beizustehen.
Ein Blick auf einige Einsätze der Care-Teams lässt erahnen, wie herausfordernd ihre Arbeit ist: Der Vierfachmord in Rupperswil im Jahr 2015, die verheerende Brandkatastrophe in Crans Montana, die 41 Menschen das Leben kostete, oder der Amoklauf in Menznau, bei dem zwei Menschen starben und sieben verletzt wurden. Solche Einsätze fordern nicht nur die Psyche der Betroffenen, sondern auch die der Helfenden. Im Kanton Solothurn wurde daher eine Rekrutierungskampagne ins Leben gerufen, um den Mangel an Care-Team-Mitgliedern zu beheben. Die Ausbildung, die vier Tage dauert und für acht Teilnehmer konzipiert ist, ist intensiv. Sie umfasst sowohl theoretische Grundlagen als auch praxisnahe Rollenspiele, um auf Ernstfälle vorbereitet zu sein.
Ein Blick hinter die Kulissen
Die Anforderungen an die Bewerber sind hoch. In Krisensituationen ruhig bleiben zu können, ist unerlässlich, ebenso wie Erfahrung in Beratungen. Im Solothurner Care-Team sind Fachleute aus verschiedenen Bereichen vertreten – von der Psychiatrie über die Spitex bis hin zur Rettungssanität und dem Bestattungswesen. Diese Diversität bringt unterschiedliche Perspektiven und Fähigkeiten in die Teams und stärkt die Hilfsangebote in schwierigen Zeiten.
Die Einsätze der Care-Teams müssen schnell erfolgen. Im Kanton Aargau beispielsweise sind die Teams in der Regel innerhalb von 40 Minuten am Einsatzort. Das Care-Team Aargau hat jährlich rund 260 Einsätze, und die private Stiftung Carelink, die psychosoziale Nothilfe anbietet, zählt über 180 Kunden und 260 Caregiver sowie 92 Notfallpsychologen. Doch die Belastung kann auch stressig sein: Die Mitglieder sind rund um die Uhr erreichbar, was nicht selten zu einer hohen Pikett-Belastung führt.
Die Herausforderungen der psychosozialen Unterstützung
Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) ist ein breites Feld, das sich nicht nur auf die Betroffenen, sondern auch auf die Einsatzkräfte erstreckt. In Deutschland übernehmen über 100 Kriseninterventions- oder Notfallnachsorge-Dienste die psychosoziale Akuthilfe. Die Mitarbeitenden dieser Dienste erhalten eine fundierte Grundausbildung sowie regelmäßige Fortbildungen und Supervisionen. Diese Struktur ist wichtig, um eine hohe Qualität der Hilfe zu gewährleisten – besonders in Krisenzeiten, wie wir sie während der Corona-Pandemie oder der Hochwasserkatastrophe 2021 erlebt haben.
Das Projekt PsychoKat hat in diesem Kontext ein umfassendes psychosoziales Lagebild erarbeitet und ein standardisiertes Protokoll für PSNV-Einsätze entwickelt. Diese Protokolle sind nicht nur für die Dokumentation wichtig, sondern auch für die nachhaltige Auswertung der Einsätze, um die Unterstützung kontinuierlich zu verbessern. Eine gute fachliche Begleitung durch psychosoziale Fachkräfte sorgt dafür, dass die Hilfsangebote stets auf einem hohen Niveau bleiben.
Ein kleiner Lichtblick ist, dass die Fachkräfte oft direkt vor Ort helfen können, wie bei den Hochwasserbetroffenen im Jahr 2021. Ihre Unterstützung ist unbezahlbar, und es ist ermutigend zu sehen, wie sich Menschen für andere einsetzen. Wer helfen möchte, kann Hilfsprojekte durch Spenden unterstützen, um diese wertvolle Arbeit zu fördern.
