Der Abgang von Jürg Auf der Maur markiert das Ende einer Ära im Journalismus des Kantons Schwyz. Fast 40 Jahre lang hat er als Chefredaktor des «Boten» über sein Heimatdorf, die Gesellschaft und die vielschichtige Geschichte seiner Region berichtet. Ende Mai hat er sich in den Ruhestand verabschiedet. Doch ganz aufhören will er nicht. «Ich werde weiterhin schreiben und recherchieren», verrät er mit einem Funkeln in den Augen. Vor allem das Staatsarchiv hat es ihm angetan, wo er sich einem wirtschaftsgeschichtlichen Thema widmen möchte.
Sein reichhaltiger Erfahrungshorizont verleiht seinen Analysen Gewicht. Auf der Maur hat die Schwyzer Geschichte intensiv durchdrungen und beschreibt den Kanton als konservativ, reich und ein Steuerparadies – was jedoch nicht die ganze Wahrheit ist. Er hebt hervor, dass es eine historische Trennung zwischen dem inneren und äußeren Kantonsteil gibt. Die politische Macht hat traditionell im Ort Schwyz gelegen, während die Bezirke am Zürichsee oft als Untertanengebiete betrachtet wurden.
Politische Entwicklungen und Debattenkultur
Interessant ist auch die politische Landschaft, die sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt hat. Die SVP hat ihren Einfluss im Kanton Schwyz von nur drei Sitzen in den 80er-Jahren auf stolze 38 von 100 Sitzen heute gesteigert. Auf der Maur beobachtet mit Besorgnis, dass die Debattenkultur im Kantonsrat rauer und weniger diskussionsfreudig geworden ist. Er kritisiert die Politik als wenig visionär, trotz eines Eigenkapitals von beinahe einer Milliarde Franken. «Man könnte das Geld doch für einen zentralen Spiel- und Aufenthaltsplatz verwenden, statt für Straßenrenovierungen», schlägt er vor. Und ich kann mir gut vorstellen, dass viele das ähnlich sehen.
Das Staatsarchiv Schwyz, eine institutionalisierte Kompetenzstelle für die Geschichte der Region, spielt dabei eine zentrale Rolle. Es beteiligt sich aktiv an der Erforschung und Vermittlung der Geschichte des Kantons. Über die Jahre sind zahlreiche Publikationen entstanden, die das kulturelle Erbe Schwyz’ festhalten. Zum Beispiel die «Mitteilungen des Historischen Vereins des Kantons Schwyz», die seit 1882 erscheinen, oder die «Schwyzer Hefte», die sich mit der Geschichte des Kantons auseinandersetzen. Diese Werke sind nicht nur für Historiker interessant, sondern auch für alle, die sich einen tieferen Einblick in die Schwyzer Geschichte wünschen.
Ein Blick in die Zukunft
Ob es für die Schwyzer Politik und Gesellschaft eine Wende geben kann? Auf der Maur bleibt skeptisch, aber er hat die Hoffnung, dass durch eine stärkere Fokussierung auf die Bedürfnisse der Bürger, mehr Visionen und Diskussionen entstehen können. Sein Engagement für die Geschichte seiner Heimat wird sicher auch in Zukunft spürbar sein, und wer weiß, vielleicht inspiriert er damit die nächste Generation von Journalisten und Historikern. Der Kanton Schwyz hat viel zu bieten – und mit einem so leidenschaftlichen Chronisten wie Jürg Auf der Maur wird es weiterhin Geschichten zu erzählen geben.