Die neuesten Ergebnisse einer umfassenden Studie der Universität Bern werfen ein grelles Licht auf die schulischen Grundkompetenzen von Kindern in der Schweiz. Über 20’000 Schüler wurden kürzlich getestet – und das zu einem Zeitpunkt, der für viele überraschend früh kommt, denn die Tests fanden im Jahr 2024 am Ende des ersten Schulzyklus statt. Dies ist die vierte Studie dieser Art innerhalb von 15 Jahren und sie zeigt sowohl Licht als auch Schatten auf.

Die Untersuchung, die sich auf rund 1150 Schulen in 24 Kantonen erstreckte, hat besonders in den Bereichen Lesen, Hören und Mathematik die Leistungen der achtjährigen Kinder analysiert. Die Ergebnisse sind gemischt: Fast 90% der Schüler schafften das Ziel im Hörverständnis, während knapp 80% im Lesen und gut 75% in Mathematik die Grundkompetenzen erfüllten. Doch die Unterschiede zwischen den Kantonen sind erheblich. Besonders auffällig ist der Rückstand von Kindern aus sozial benachteiligten Familien – ein Umstand, der die Lehrer zum Handeln auffordert.

Herausforderungen in der frühen Bildung

Andrea Erzinger, die Studienleiterin, hebt hervor, wie herausfordernd es ist, achtjährige Schüler zu befragen. Diese Herausforderung wird durch die Tatsache verstärkt, dass Kinder aus sozial benachteiligten Verhältnissen oft nicht die gleichen Chancen haben wie ihre privilegierten Altersgenossen. Der Dachverband der Lehrer fordert daher dringend Unterstützung für diese Familien, bevor die Kinder in die obligatorische Schule eintreten. Ein Appell, der nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Deutschland Gehör findet.

In Deutschland berichten Grundschullehrer von einem besorgniserregenden Abfall grundlegender Fertigkeiten bei Schülern, wie etwa dem Halten eines Stiftes oder dem Schneiden mit einer Schere. Dort wird seit März 2025 eine verbindliche Sprachförderung eingeführt, die ein Jahr vor der Einschulung beginnt. Eltern, deren Kinder an dieser Maßnahme nicht teilnehmen, müssen mit einem Bußgeld rechnen. Die Debatte über die Notwendigkeit, frühzeitig zu fördern, wird durch die Corona-Pandemie zusätzlich angeheizt, die als wesentlicher Faktor für den Rückgang von Kompetenzen identifiziert wird.

Einheitliche Sprachförderung als Schlüssel

Die Bildungsministerin Karin Prien fordert eine einheitliche Sprachdiagnostik und -förderung in Deutschland. Während in einigen Bundesländern bereits vorschulische Maßnahmen für Kinder mit Förderbedarf existieren, bleiben in anderen Regionen Kinder ohne Kita-Besuch oft außen vor. Die Iglu-Studie zeigt besorgniserregende Ergebnisse: Ein Viertel der Viertklässler erreicht nicht einmal den internationalen Mindeststandard beim Lesen. Hier besteht Handlungsbedarf!

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Ein einheitliches Fördersystem, wie es in Hamburg seit 20 Jahren praktiziert wird, zeigt erfolgreiche Ergebnisse. Dort gehen Kinder seit 2005 mit viereinhalb Jahren zum Sprachscreening. Diese Ergebnisse könnten ein Vorbild für andere Bundesländer sein. Es ist klar, dass Sprachförderung allein nicht ausreicht – auch das Sozialverhalten der Kinder muss im Fokus stehen. Kita-Leiterin Alice Hinney betont, dass es viele Baustellen gibt, die angegangen werden müssen.

Die Bedeutung der frühkindlichen Bildung

Die Erkenntnisse über die Notwendigkeit, frühzeitig in die Bildung zu investieren, sind nicht neu, aber sie sind von entscheidender Bedeutung für die gesellschaftliche Teilhabe und das lebenslange Lernen. Gute Bildung in den ersten Lebensjahren beeinflusst die Bildungs- und Teilhabechancen nachhaltig. Chancengerechtigkeit sollte für alle Kinder gelten, unabhängig von ihrer sozialen oder kulturellen Herkunft.

Damit dies gelingt, sind ausreichende Betreuungsplätze und qualitativ hochwertige Bildungsangebote unerlässlich. Die Rolle der pädagogischen Fachkräfte spielt dabei eine zentrale Rolle – ihre Ausbildung, Fort- und Weiterbildung sind entscheidend. Kitas und Grundschulen sollten besser kooperieren, um einen erfolgreichen Übergang für die Kinder zu gewährleisten. Das ist zwar keine leichte Aufgabe, aber eine, die dringend angepackt werden muss.

Insgesamt zeigt sich, dass in der frühen Bildung Handlungsbedarf besteht. Der Schlüssel liegt in der frühzeitigen, harmonisierten Förderung, um den Kindern die bestmöglichen Chancen zu bieten – und das ist eine Aufgabe, die uns alle betrifft.