Es war am 12. August 2025, als die SBB in Neuenburg-Vauseyon nur knapp einer Katastrophe entging. Ein Regionalzug, der versehentlich auf das Gleis eines Güterzugs gelenkt wurde, kam nur dank einer beherzten Bremsung des Güterzugs etwa 50 Meter vor einer möglichen Kollision zum Stillstand. Die Aufregung war groß, und die Frage, wie es zu dieser gefährlichen Zugannäherung kommen konnte, steht seitdem im Raum. Eine Untersuchung der Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) hat nun einige aufschlussreiche, aber auch besorgniserregende Details ans Tageslicht gebracht.

Die Sust hat festgestellt, dass technische Defekte an Zügen oder Sicherungsanlagen nicht die Ursache für diesen Vorfall waren. Vielmehr zeigten sich sprachliche Hürden zwischen den deutschsprachigen Lokführern und den französischsprachigen Fahrdienstleitern als das eigentliche Problem. Der Dialog zwischen den Beteiligten offenbarte Missverständnisse. Ein Lokführer fragte, ob er weiterfahren könne, während der Fahrdienstleiter auf die Gefahr hinwies, dass er bereits zu weit gefahren sei. „Pas compris!“, war oft die Antwort des Lokführers, der verzweifelt einen deutschsprachigen Ansprechpartner suchte. Doch die ernüchternde Antwort des Fahrdienstleiters lautete, dass niemand Deutsch spricht. Ein echtes Kommunikationschaos, das die Situation nur weiter verschärfte.

Sprachliche Hürden und ihre Folgen

Obwohl die betroffenen Lokführer die internen Vorgaben der SBB mit dem Sprachniveau A1 erfüllten, waren sie nicht in der Lage, die Situation auf Französisch sicher zu bewältigen. Die Sust hat daraufhin festgestellt, dass die Sprachanforderungen der SBB nicht ausreichen. Der Vorfall wurde von der SBB als Einzelfall eingestuft, man nehme jedoch die Kritik ernst und werde die Vorgaben überprüfen. Es ist ein Alarmsignal, das nicht nur die SBB betrifft, sondern auch die gesamte Branche.

Der Bund hat bereits angekündigt, verstärkt die Sprachkenntnisse der Lokführer zu kontrollieren. Zu bedenken ist auch, dass im Rahmen des grenzüberschreitenden Verkehrs in Europa, wo Lokführer für den Einsatz in verschiedenen Ländern Sprachniveau B1 nachweisen müssen, die Sprachbarrieren ein ernsthaftes Hindernis darstellen. Eine weitreichende Reform könnte notwendig sein, um die Sicherheit im Bahnverkehr zu gewährleisten. Aktuell zeigt sich, dass die technische Seite des Bahnverkehrs zwar gut aufgestellt ist, aber die sprachlichen Herausforderungen bleiben bestehen.

Ein europäisches Problem

Das Thema ist nicht neu und betrifft nicht nur die Schweiz. In vielen europäischen Ländern, wo täglich Züge über Grenzen hinweg verkehren, sind Sprachkenntnisse unerlässlich. Sven Schallach, Europa-Vertriebsleiter der HSL-Gruppe, hat die Notwendigkeit einer einheitlichen Verkehrssprache für Lokführer hervorgehoben. Er schlägt vor, Englisch als Standardsprache im Bahnverkehr einzuführen, ähnlich wie in der Luftfahrt. Schließlich kann ein Lkw-Fahrer ohne Kenntnisse der Landessprache problemlos durch Europa fahren – warum sollte das für Lokführer nicht auch gelten?

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Die Diskussion um eine einheitliche Eisenbahnsprache ist auf höchster politischer Ebene angekommen. Der Petitionsausschuss des Europäischen Parlaments hat bereits eine Petition zur Einführung einer solchen Sprache zugelassen. Die Vorteile liegen auf der Hand: flexiblerer Personaleinsatz und vereinfachter grenzüberschreitender Güterverkehr. Die Herausforderungen sind klar, und es bleibt abzuwarten, wie die SBB und andere europäische Bahngesellschaften darauf reagieren werden.