Heute, am 9. Mai 2026, war Luzern Schauplatz zweier lebhafter Demonstrationen. Auf der einen Seite versammelten sich die Anhänger von „Mass-Voll“, die mit Nachdruck gegen einen neuen Vertrag zwischen der Schweiz und der EU protestierten – ein Vertrag, den sie als „EU-Knechtschaftsvertrag“ brandmarkten. Auf der anderen Seite stand eine Gegendemonstration, die sich unter dem Motto „Luzern nazifrei“ formierte. Wobei es – und das ist erfreulich – weitestgehend friedlich blieb. Ja, es gab eine kleine Rangelei am Bahnhof, bei der Wasser gespritzt wurde, aber körperliche Gewalt blieb aus.
Die Polizei, in großer Zahl vor Ort, hatte alle Hände voll zu tun, um die beiden Lager voneinander zu trennen. Während die „Mass-Voll“-Demo am Kurplatz ihre Reden hielt, fanden die Gegendemonstranten auf dem Europaplatz ihre Stimme. Verbale Auseinandersetzungen waren nicht zu vermeiden – jeder wollte sein Anliegen lautstark Gehör verschaffen. Immer wieder wurden Antifa-Slogans gerufen, und die SP-Flaggen wehten im frischen Luzerner Wind.
Ein Tag voller Emotionen
Mirjam Hostetmann, die Präsidentin der Juso Schweiz, war ebenfalls vor Ort und hielt eine packende Ansprache. Sie sprach darüber, dass es schmerzt, auf der anderen Seeseite rechtsextreme Remigration gefordert zu sehen. Die junge Generation, die bei der „Mass-Voll“-Demo mitläuft, wurde von ihr als rechtsextrem bezeichnet, was die Emotionen auf beiden Seiten weiter anheizte. Die Teilnehmer der Gegendemonstration waren aufgerufen, laut zu schreien, damit die andere Seite es hören konnte. Ein bisschen wie im Fußballstadion, nur mit anderen Trikots und einer ganz anderen Message.
Die SBB hatte aufgrund der Demonstrationen ihren Bahnersatzverkehr zwischen Ebikon und Luzern angepasst. Das führte zu längeren Reisezeiten, was für einige Reisende sicher eine zusätzliche Herausforderung bedeutete. Wer es nicht rechtzeitig zu seinem Ziel schaffte, konnte sich möglicherweise in den Gesprächen der Demonstrierenden wiederfinden, die auf dem Platz blieben und keinen Umzug machten. Die Atmosphäre war angespannt, aber auch voller Entschlossenheit.
Sicherheit und Ordnung
Für die Sicherheit der Demonstrationen sorgten Personen in Leuchtwesten, die jederzeit angesprochen werden konnten. So wurde versucht, auch inmitten der hitzigen Debatten und der leidenschaftlichen Redebeiträge, die Ordnung aufrechtzuerhalten. Die Seebrücke musste kurzzeitig gesperrt werden, was natürlich zu Verkehrsbehinderungen im Stadtzentrum führte – die Stadt Luzern hatte im Vorfeld gewarnt und die Autofahrer waren gewarnt, ihre Routen zu überdenken.
Am Ende des offiziellen Teils der Gegendemonstration gegen 16:53 Uhr war die „Mass-Voll“-Demo noch bis etwa 17:08 Uhr aktiv. Während die Menge am Europaplatz sich auflöste, blieben die Redner auf dem Kurplatz noch etwas länger am Mikrofon, um ihre Botschaften zu verstärken. Ein Tag voller Gegensätze, voller Stimmen, die gehört werden wollten.