Heute am 9. Mai 2026 versammeln sich einige Hundert Menschen auf dem Kurplatz in Luzern zur umstrittenen Kundgebung der Organisation «Mass-Voll». Das Thema? Das Verhältnis der Schweiz zur EU, ein heikles Pflaster, auf dem viele unterschiedliche Meinungen und Emotionen aufeinanderprallen. Die Atmosphäre ist angespannt, denn die Anzeichen einer tiefen Spaltung sind unübersehbar. Einige Teilnehmer tragen leidenschaftlich Schweizerfahnen, die im leichten Wind flattern, während andere Symbole zeigen, die eher mit extremen Ideologien in Verbindung gebracht werden.

Parallel dazu zieht eine Gegenkundgebung auf dem Europaplatz ihre Bahn. Initiatoren dieser Veranstaltung sind ein Bündnis aus linken Parteien und dem 1. Mai-Komitee. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, mit ihrem Protest ein Zeichen gegen die rechtsextremen Tendenzen zu setzen, die sich in der «Mass-Voll»-Bewegung manifestieren. Ja, die Stadt Luzern hat beide Demonstrationen genehmigt, was zu intensiven Diskussionen führt. Die Sozialdemokratische Partei äußert Bedenken und warnt davor, Luzern könnte sich zum Aufmarschort von Rechtsextremen entwickeln. Die Grünen haben sogar eine Petition gestartet, um die Bewilligung für die «Mass-Voll»-Demo zurückzuziehen.

Die Schatten der Vergangenheit

Das ist nicht das erste Mal, dass die «Mass-Voll»-Bewegung aus der Reihe tanzt. Im Februar 2026 kam es in St. Gallen zu einem Vorfall, bei dem der Demozug die Polizeisperre durchbrach. Scharmützel brachen aus, und Mitglieder der rechtsextremen Gruppierung «Junge Tat» waren ebenfalls anwesend. Dies, kombiniert mit der Ankündigung von rechtsextremen Organisationen aus Ungarn und Bulgarien zur Teilnahme an der heutigen Demo, wirft Fragen auf. Wer sind diese Menschen, die mit solch explosiven Themen auf die Straße gehen? Im Gespräch mit Extremismusforschern wird klar: Die Überschneidungen zwischen «Mass-Voll» und anderen rechtsextremen Gruppen wie den «Schweizer Nationalisten» sind unübersehbar. Symbole wie das Keltenkreuz und die schwarze Sonne zieren die Flyer der Bewegung.

Nicolas Rimoldi, der Kopf hinter «Mass-Voll», marschierte im Februar in St. Gallen Seite an Seite mit Tobias Lingg von «Junge Tat». Der Wandel von einer anfänglichen Bewegung gegen Corona-Maßnahmen hin zu einem Akteur innerhalb der rechtsextremen Szene ist besorgniserregend. Philip Bessermann von der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus verdeutlicht, dass dieser Wandel nach dem Abflachen der Pandemie stattfand. Ganz offensichtlich ist die Bewegung nun ein Sammelbecken für rechtsextreme Ideologien.

Ein Blick in die Zukunft

Die Stadt Luzern steht vor einer Herausforderung. Stadtpräsident Beat Züsli betont die Bedeutung der freien Meinungsäußerung und sieht keinen Grund, die Genehmigung zurückzuziehen. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) einen Anstieg von rechtsextremen Ereignissen verzeichnet hat. Im Jahr 2018 wurden 53 Vorfälle bekannt, was mehr als einer dreifachen Zunahme im Vergleich zu den Vorjahren entspricht. Zwar gab es keine gewalttätigen Vorfälle, aber die erhöhte Aufmerksamkeit von Medien und Behörden zeigt, dass das Thema ernst genommen wird.

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Die rechtsextreme Szene in der Schweiz zeigt Anzeichen eines Aufbruchs, auch wenn unklar bleibt, ob dies zu konkreter Gewaltanwendung führt. Immer wieder betonen Experten, dass die Gefährlichkeit oft nicht bei organisierten Gruppierungen liegt, sondern eher bei einzelnen radikalisierten Tätern. In dieser Gemengelage ist es kaum verwunderlich, dass sowohl antifaschistische Organisationen als auch besorgte Bürger auf die Straße gehen, um ein Zeichen zu setzen und sich gegen den aufkeimenden Extremismus zu wehren.

Wie an einem Brennpunkt werden hier die verschiedenen Strömungen der Gesellschaft sichtbar. Der Puls der Zeit schlägt laut und klar, während die Menschen auf dem Kurplatz ihre Stimmen erheben – und vielleicht auch ihre Ängste und Hoffnungen. Was wird aus Luzern? Das bleibt abzuwarten.