Heute ist der 9.05.2026, und die Sonne scheint über Luzern, während die Stadt sich auf die Kundgebungen vorbereitet. Es ist ein buntes Bild, das sich am Kurplatz bietet, wo die Demonstration der Organisation «Mass-Voll» ihren Anfang nimmt. Mehrere Hundert Menschen haben sich versammelt, bereit, ihre Stimmen gegen die EU und das Vertragspaket der Bilateralen III zu erheben. Zwischen den Ständen und den Rednern, die lautstark kritische Reden halten, lässt sich der Duft von Bratwürsten und frisch gebackenem Brot vernehmen. Eine Atmosphäre, die sowohl friedlich als auch angespannt ist.
Die Demonstration zieht Richtung Altstadt und macht kurz Halt bei der Jesuitenkirche. Hier wird erneut der Unmut gegen die EU laut, während die Teilnehmer mit Plakaten und Transparenten auf sich aufmerksam machen. Doch nicht weit entfernt, auf dem Bahnhofplatz, haben sich die Gegner versammelt, die zur Gegendemonstration aufgerufen haben. Linke Parteien und das 1.-Mai-Komitee sind mit von der Partie, und auch die «Omas gegen rechts» mischen sich unter die Menge. Die Luft ist geladen mit Emotionen und Überzeugungen – ein echter Schmelztiegel der Meinungen.
Die Polizei als Vermittler
Die Polizei hat Vorkehrungen getroffen, um die beiden Demonstrationszüge auseinanderzuhalten. Die Luzerner Seebrücke wird blockiert, um ein friedliches Nebeneinander zu gewährleisten. Dennoch ist die Spannung spürbar. Die Rednerin der Gegendemonstration warnt eindringlich vor einem Wiedererstarken des Faschismus, und die Teilnehmer der linken Veranstaltung skandieren Parolen, die für Solidarität und gegen rechte Strömungen stehen. Währenddessen kündigt Nicolas Rimoldi, der Präsident von «Mass-Voll», an, dass auch Gruppierungen aus Ungarn und Bulgarien anreisen werden. Ein weiterer Hinweis auf die internationale Dimension dieser Kundgebung.
Die Anwesenheit von Angehörigen rechtsradikaler Parteien aus Ungarn und Bulgarien sorgt für Unruhe. Unter den Demonstrierenden ist mindestens ein bekanntes Mitglied der rechtsextremen Organisation Junge Tat. So wird die Situation schnell zu einem Brennpunkt für verschiedene politische Strömungen. Die Grünen haben bereits eine Petition eingereicht, um der Organisation «Mass-Voll» die Bewilligung zu entziehen. Die Sozialdemokratische Partei (SP) sieht in diesen Entwicklungen eine Gefahr für Luzern, sich zum Aufmarschort von Rechtsextremen zu entwickeln.
Ein friedliches, aber angespanntes Miteinander
Am Ende des Tages bleibt festzuhalten, dass beide Demonstrationen bewilligt sind und die Veranstaltung insgesamt friedlich verläuft. Die Menschen zeigen, dass sie für ihre Überzeugungen einstehen wollen, egal auf welcher Seite sie stehen. Luzern erlebt einen weiteren Tag, an dem die Meinungsfreiheit zelebriert wird – auch wenn die Meinungen dabei weit auseinandergehen. Die Geschehnisse erinnern an die turbulente Zeit im Februar, als es bei einer «Mass-Voll»-Demonstration in St. Gallen zu Scharmützeln mit der Polizei kam. Heute hingegen scheint der Dialog im Vordergrund zu stehen.
Ein eindringlicher Tag für Luzern, an dem die Stadt einmal mehr als Schauplatz für politische Auseinandersetzungen fungiert. Man fragt sich, wie lange es wohl dauern wird, bis die Wogen sich glätten oder ob sich die gesellschaftlichen Spannungen weiter zuspitzen werden. Das ist die Frage, die in den Köpfen der Menschen schwirrt, während sie sich auf den Heimweg machen, mit vielen Gedanken und Eindrücken im Gepäck.