In Luzern, wo der Vierwaldstättersee glitzert und die Alpen im Hintergrund majestätisch thronen, gibt es eine regelrechte Aufbruchsstimmung. Der Kanton wächst schneller als jeder andere in der Schweiz! Bis 2055 wird ein Bevölkerungswachstum von rund 30 % erwartet. Im letzten Jahr wurden die beeindruckenden neun Millionen Besucher gezählt – doppelt so viele wie noch vor zwei Dekaden! Es ist, als hätte die Stadt einen Magneten für Reisende – und das nicht ohne Grund: die pittoreske Landschaft und die hervorragende Anbindung an Zürich, Basel und Bern machen Luzern zu einem echten Schmuckstück.
Doch der Schein trügt. Trotz dieser Blütezeit gibt es ein merkliches Unbehagen unter den Einheimischen. Dichtestress, steigende Mieten und fehlende Infrastruktur sind die Schattenseiten dieses touristischen Booms. Komischerweise hat die Stadtbevölkerung 2023 für strengere Regulierungen von Untervermietungen über Airbnb gestimmt. Auch eine Initiative zur Begrenzung der Hotelbetten – ja, das wird demnächst zur Abstimmung kommen – zeigt, dass die Bürger wachsam sind. Benjamin Koch, Präsident des Wirtschaftsverbands Luzern, betrachtet das Wachstum zwar als Erfolgsgeschichte, übt jedoch scharfe Kritik am politischen Umgang damit.
Die Steuervorteile und ihre Folgen
Ein weiterer Punkt, der in der Diskussion nicht fehlen darf, ist der Unternehmenssteuersatz. Luzern hat mit 11,66 % den niedrigsten in der Schweiz und wird 2026 sogar der günstigste Unternehmensstandort im Land sein. Dies bedeutet, dass Luzern die Nachfolge von Zug antreten wird, der bisher die Pole-Position gehalten hat. Der Kanton Bern, im Vergleich, hat mit 20,54 % den höchsten Steuersatz – fast doppelt so viel wie Luzern! Das hat zur Folge, dass viele Unternehmen in die Zentralschweiz strömen, was die wirtschaftliche Stabilität weiter fördert. Acht Kantone senken ihre Steuerlast, während nur vier sie erhöhen – das spricht Bände über die Attraktivität dieser Region. Und in der internationalen Vergleichbarkeit? Da steht die Schweiz immer noch gut da, selbst Hochsteuerkantone wie Bern sind nur im europäischen Mittelfeld.
Doch es gibt auch kritische Stimmen. David Roth, ein SP-Nationalrat, sieht die Kehrseite des Wachstums – die Verdrängung von Wohnraum durch Touristen und wohlhabende Neuankömmlinge. Er fordert eine breitere Verteilung des Tourismus und die Begrenzung der Hotelbetten – eine Position, die in der Bevölkerung Anklang findet. Die zehn ertragsstärksten Firmen tragen fast die Hälfte der kantonalen Steuereinnahmen juristischer Personen bei. MSD, ein Unternehmen in Luzern, spielt hierbei eine besonders gewichtige Rolle, insbesondere mit dem Medikament Keytruda.
Ein Blick in die Zukunft
Besonders interessant ist der Umstand, dass neue Unternehmen, die in den letzten zehn Jahren nach Luzern gezogen sind, mittlerweile 57 % des Bestandes ausmachen und 45 % der Steuereinnahmen generieren. Das zeigt, wie dynamisch und anpassungsfähig dieser Kanton ist. Marcel Schwerzmann, ehemaliger Finanzdirektor, befürwortet die Tiefsteuerpolitik und sieht die Notwendigkeit, die zusätzlichen Einnahmen gerecht zu verteilen. Es bleibt abzuwarten, wie diese Entwicklungen die Lebensqualität der Luzerner beeinflussen werden. Während die Touristen die malerischen Straßen durchstreifen und die Einwohner im Schatten der Berge ihre Sorgen austauschen, wird eines klar: Luzern ist im Wandel – und der ist alles andere als einfach.
In der Zentralschweiz, wo die Natur auf die Wirtschaftskraft trifft, bleibt es spannend. Die Herausforderungen sind groß, doch die Möglichkeiten ebenso. Wer weiß, was die Zukunft bringt, aber eines ist sicher: Luzern steht auf dem Prüfstand.