In Luzern tut sich einiges im Bereich der Baubewilligungen. Der Grosse Stadtrat hat beschlossen, im Jahr 2024 zusätzliche Stellen zu bewilligen, um das Baubewilligungsverfahren zu beschleunigen. Diese Maßnahmen sind notwendig, denn die Dienstabteilung Baubewilligungen hat sich zwar bei den meisten Zielen auf Kurs befunden, doch die Herausforderungen bleiben nicht aus. Ab 2025 werden insgesamt 250 unbefristete und 100 befristete Stellenprozente schrittweise besetzt, was die Situation nachhaltig entlasten sollte.
Ein weiterer Schritt in die Zukunft ist die Einführung des digitalen Systems «cymo ebau», das ab Januar 2026 den gesamten Baubewilligungsprozess digitalisieren wird. Diese Maßnahme könnte die durchschnittliche Bearbeitungszeit eines Baugesuchs, die sich 2025 von 171 auf 147 Kalendertage reduzierte, weiter verkürzen. Das ambitionierte Ziel ist, bis Ende 2027 auf 160 Kalendertage zu kommen. Doch trotz dieser positiven Entwicklungen gibt es auch kritische Punkte: Die Zahl der hängigen Geschäfte ist gestiegen, was auf die parallele Anwendung alter und neuer Bau- und Zonenordnungen sowie unvollständig eingereichte Gesuche zurückzuführen ist.
Herausforderungen und Lösungsansätze
In Deutschland wird die Bauleitplanung als zentraler Flaschenhals für den Wohnungsbau identifiziert. Durchschnittlich dauert die Aufstellung von Bebauungsplänen dort mehrere Jahre. Eine neue Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zeigt, dass zahlreiche Verzögerungsfaktoren die Effizienz der Verfahren beeinträchtigen. Wachsende inhaltliche Anforderungen, aufwendige Umweltprüfungen und fehlende Abstimmungen in der frühen Vorbereitung stellen nur einige der Herausforderungen dar.
Die Studie hebt konkrete Ansätze zur Beschleunigung der Bauleitplanung hervor. Dazu gehören unter anderem die Reform der Öffentlichkeitsbeteiligung, standardisierte Vergaben und der Aufbau von Expertenpools. Digitale Standards wie XPlanung und XBeteiligung sollen die Prozesse optimieren. Die Vision für 2030 sieht ein digitales Ökosystem für die Bauleitplanung vor, in dem Kommunen und Fachbehörden auf cloudbasierten Plattformen zusammenarbeiten. Ziel ist es, Bürgern eine niedrigschwellige Teilnahme zu ermöglichen und verlässliche Datenflüsse zu gewährleisten.
Ein Blick in die Zukunft
Die Entwicklungen in Luzern und die Erkenntnisse aus der BBSR-Studie zeigen, dass die Baubewilligung und Bauleitplanung in der heutigen Zeit vor komplexen Herausforderungen stehen. Während Luzern durch zusätzliche Stellen und digitale Lösungen versucht, die Bearbeitungszeiten zu verkürzen, ist auch in Deutschland ein Umdenken erforderlich. Der Bau muss effizienter werden, um den Anforderungen der wachsenden Städte gerecht zu werden.
In Luzern wird mit einem Sonderkredit von 4,158 Mio. Franken, bewilligt im Juni 2024, das Baubewilligungsverfahren weiter beschleunigt. Auch wenn der Weg dahin steinig ist und die Einhaltung der kantonalen Fristvorgaben unrealistisch erscheinen, sind die Schritte, die unternommen werden, vielversprechend. Der Grosse Stadtrat und die Mitarbeitenden der Baubewilligung stehen vor der Herausforderung, die Balance zwischen Effizienz und Qualität zu finden – eine Aufgabe, die sicherlich auch in Zukunft große Aufmerksamkeit erfordern wird.
Für weiterführende Informationen zur Bauleitplanung und deren Optimierung können Sie die Studie des BBSR einsehen.