Am 27.04.2026 war die Universität Luzern Schauplatz eines fesselnden Vortrags von Hans Joas, einem anerkannten Sozialwissenschaftler, der im Rahmen der «Presidential Lectures» über die Entstehung des Ethos der Menschheit und die Konzepte des moralischen Universalismus referierte. Joas stellte eine grundlegende Frage: Wie kann die Menschheit gemeinsam einen ethischen Horizont schaffen, der über nationale und familiäre Grenzen hinausgeht? In einer Zeit, in der die Politik oft durch partikularistische Interessen geprägt ist, ist seine Botschaft relevanter denn je.

In seinem Vortrag kritisierte Joas insbesondere die Haltung von Präsident Trump, der sich auf die Interessen der USA konzentriert und universelle moralische Erklärungen vermieden hat. Diese Fokussierung auf das Eigene steht im Widerspruch zum ethischen Universalismus, der das Wohlergehen aller Menschen im Blick hat. Joas beleuchtet die Wurzeln des moralischen Universalismus, die sowohl im Christentum als auch in den Ideen der Aufklärung des 18. Jahrhunderts verwurzelt sind. Doch er stellt fest, dass beide Erklärungen unbefriedigend sind, da sie in der Geschichte oft mit Folter und Sklaverei koexistierten oder koloniale Perspektiven ausschlossen.

Der politische Universalismus

Stattdessen führt Joas den Begriff des politischen Universalismus ein, der den imperialen Willen zur Weltherrschaft beschreibt. Historisch gesehen haben Imperien wie das Römische Reich oder die Sowjetunion ihre Herrschaft oft mit moralischen Argumenten legitimiert. Der ethische Universalismus hingegen ist als Gegenreaktion auf diesen Imperialismus entstanden. Ein prägnantes Beispiel hierfür ist Bartolomé de las Casas, der sich unermüdlich für die Rechte der Ureinwohner einsetzte und damit den ersten neuzeitlichen Gedanken der Menschenrechte formulierte.

Joas verknüpft in seinem Vortrag Ideen, Machtverhältnisse und subjektive Erfahrungen, um das Menschheitsethos zu erklären. Er warnt zudem vor der Versuchung, den moralischen Universalismus mit imperialen Projekten zu identifizieren. Diese Problematik wird ergänzt durch die Überlegungen von Christian Rutishauser, der die Vereinbarkeit von Universalismus und partikularen Identitäten thematisiert. Joas bekräftigt, dass ethischer Universalismus Platz für besondere Identitäten lassen muss, was zu einer spannenden Diskussion über die Balance zwischen dem Allgemeinen und dem Besonderen führt.

Märkte und ethische Überlegungen

Ein weiterer Aspekt, den Margrit Osterloh aufwirft, ist die Frage, ob die Märkte den Ausgleich zwischen diesen verschiedenen Identitäten bieten können. Joas stimmt zu, dass Märkte in ein institutionelles Geflecht eingebunden sein müssen, um den Gesamtnutzen zu fördern. Dies stellt die Frage nach den ethischen Grundlagen der Marktmechanismen und deren Einfluss auf die Gesellschaft. Märkte allein können nicht für Gerechtigkeit sorgen; sie benötigen einen ethischen Rahmen, der die Vielfalt der menschlichen Erfahrungen berücksichtigt.

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Der Universalismus, als philosophische Anschauung, postuliert, dass Ideen, Rechte und Pflichten für alle Menschen gelten müssen. Im Gegensatz dazu stehen Partikularismus und Pluralismus. In der Moralphilosophie wird Universalismus als eine Auffassung verstanden, die sich nicht auf bestimmte Personen oder Kulturen beschränkt. Historische Vertreter dieser Sichtweise sind unter anderem Platon, Aristoteles, Immanuel Kant und Karl Marx. Ihre Ideen lebten weiter in der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 sowie in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948, die von universellen Prinzipien inspiriert sind.

Joas‘ Vortrag und die anschließende Diskussion wurden als äußerst erfolgreich bewertet. Sie regten zum Nachdenken über die Herausforderungen und Chancen an, die der ethische Universalismus in einer globalisierten Welt mit sich bringt. In einer Zeit, in der der Dialog über kulturelle Identitäten und gemeinsame ethische Werte notwendig ist, bleibt Joas‘ Botschaft ein wichtiger Anstoß für alle, die sich für eine gerechtere Welt einsetzen.