In Kriens, einer Stadt in der Zentralschweiz, wird das Thema Klassengrößen derzeit heiß diskutiert. Die Bürgerinnen und Bürger haben eine Volksmotion eingereicht, die eine Senkung der Klassengrößen auf den kantonalen Durchschnitt innerhalb von zehn Jahren fordert. Doch der Stadtrat hat diese Forderung abgelehnt. Der Grund? Es fehlt schlichtweg an Schulraum. Um den Anforderungen gerecht zu werden, müssten gleich drei neue Klassen im Kindergarten, acht an der Primarschule und eine an der Sekundarschule geschaffen werden.

Um das Bild zu vervollständigen: Im Vergleich zu anderen Regionen haben die Krienser Klassen im Kindergarten 2,1 Kinder mehr, in der Primarschule 1,6 und in der Sekundarschule 0,7 Kinder mehr als der kantonale Schnitt. Diese Überbelegung wird durch Zuzüge während des Schuljahres noch verstärkt. Der Stadtrat betont jedoch, dass die Qualität des Unterrichts und die Belastung der Lehrkräfte nicht allein von der Klassengröße abhängen. Wichtige Faktoren sind auch die Unterrichtsorganisation und verschiedene Unterstützungsangebote, die gerade in Krisensituationen enorm wichtig sind.

Die Herausforderungen für Lehrkräfte

Lehrerinnen und Lehrer stehen angesichts dieser Situation vor enormen Herausforderungen. Die Bildungsforscherin Petra Buchwald hat festgestellt, dass Klassengrößen von durchschnittlich etwa 20 Kindern als „extrem komfortabel“ gelten. Dennoch gibt es Stimmen, die darauf hinweisen, dass diese Idealgröße in vielen Schulen nicht Realität ist. Andreas Niessen, Schulleiter der Helios-Gesamtschule in Köln, berichtet von Klassen mit bis zu 32-33 Kindern, besonders in Ballungszentren. Er warnt vor den Folgen für die Lehrkräfte und betont, dass gute Betreuung in großen Klassen, insbesondere für Kinder mit Beeinträchtigungen, oft eine echte Herausforderung darstellt.

Niessen schlägt vor, zusätzliches pädagogisches und nicht-pädagogisches Personal einzustellen, um die Lehrkräfte zu entlasten. Das könnte helfen, die Betreuungssituation in den großen Klassen zu verbessern. „Diese Diskussion um größere Klassen ist einfach absurd“, sagt er. Er fordert ein Umdenken in der Schul- und Unterrichtsgestaltung, damit vielfältigere Lernformen ermöglicht werden können. Der Lehrerberuf müsse attraktiver gestaltet werden, um die Gesundheit der Lehrkräfte zu berücksichtigen, insbesondere in Zeiten, in denen die Belastung durch große und heterogene Lerngruppen steigt.

Investitionen in die Zukunft

Ganz im Sinne einer nachhaltigen Lösung plant die Stadt Kriens bis 2035 Investitionen von über 200 Millionen Franken in den Schulraum. Dazu gehören Ausbauten und Sanierungen, die dringend notwendig sind, um die Qualität der Bildung zu sichern. Die Schule hat bereits den Ausbau von Unterstützungsangeboten ins Auge gefasst, darunter der „Ankerplatz“ für anspruchsvolle Situationen und ein Mentoratsangebot für Lehrpersonen. Eine mögliche Lösung für die großen Klassen könnte die Betreuung durch zwei ausgebildete Fachpersonen sein, die allerdings noch konzeptionell entwickelt werden muss.

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Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation in Kriens entwickeln wird. Eines ist sicher: Die Thematik Klassengrößen und die damit verbundene Unterrichtsqualität werden in Zukunft noch viel Raum für Diskussionen bieten. Die Balance zwischen der Anzahl an Schülern und der Qualität der Bildung ist ein sensibles Thema, das nicht nur in Kriens, sondern auch über die Grenzen hinaus von großer Bedeutung ist.