Heute ist der 14.05.2026 und in Luzern spürt man es deutlich: Die Eisheiligen haben uns fest im Griff. Das Wetter zeigt sich in diesem Jahr von seiner launischen Seite, und das könnte uns allen eine Lektion in Geduld lehren. Felix Blumer, ein erfahrener Meteorologe, hat über 20 Jahre bei SRF gearbeitet und kennt die Wetterkapriolen nur zu gut. In seiner Kolumne «Aus der Froschperspektive» hat er die Eisheiligen genau unter die Lupe genommen und dabei einige spannende Details zu Tage gefördert.
Die Eisheiligen, die zwischen dem 12. und 15. Mai gefeiert werden, sind im Volksmund vor allem mit dem letzten Frost des Mai verbunden. In den letzten Jahren waren frostige Temperaturen während dieser Tage jedoch eher die Ausnahme. Dieses Jahr aber hat uns die Natur mit signifikanten Kälteeinbrüchen überrascht. Am ersten Tag der Eisheiligen sank die Schneefallgrenze unter 1000 Meter, und in Wildhaus/SG wurden sogar 3 cm Neuschnee gemessen! In Engelberg/OW und Ricken/SG kam jeweils 1 cm dazu, während die Grimsel und der Grosse Sankt Bernard mit 24 cm und 28 cm Neuschnee aufwarteten. Das klingt fast wie aus einem Wintermärchen, oder?
Die Eisheiligen im Detail
Die vier Eisheiligen sind Pankratius, Servatius, Bonifatius und die kalte Sophie. Pankratius, der am 12. Mai gefeiert wird, gilt als Patron der jungen Saat. Servatius, der erste Bischof von Tongern, warnte schon damals vor den Gefahren frostiger Nächte. Bonifatius, der am 14. Mai geehrt wird, fand im 4. Jahrhundert sein Ende, und die kalte Sophie, die am 15. Mai gefeiert wird, ist die Patronin gegen Spätfröste. Diese Heiligen, deren Namenstage im julianischen Kalender liegen, scheinen uns mit ihren Geschichten und Legenden mehr über die Wetterkapriolen des Mai erzählen zu wollen.
Es ist interessant zu wissen, dass in der Landwirtschaft Frost ein ernstes Risiko darstellt, besonders in klaren Nächten nach Kaltfronten. In Basel, Bern, Zürich und Luzern wurde in den letzten Tagen Bodenfrost registriert. Und komischerweise gab es seit 1960 keinen einzigen Tag mit Luftfrost während der Eisheiligen in Basel! Am Flughafen Zürich wurde seit 1960 nur ein Tag mit Frost während dieser Zeit aufgezeichnet – und das war 1995. Statistisch gesehen gibt es während der Eisheiligen im Mittelland nur in etwa 5% der Fälle tatsächlich Bodenfrost, was die ganze Sache noch spannender macht.
Die Mythologie der Eisheiligen
Die Eisheiligen sind mehr als nur ein Wetterphänomen; sie sind auch ein Stück Kulturgeschichte. Bauernregeln und alte Überlieferungen besagen, dass in dieser Zeit oft späte Frostnächte auftreten. Doch historische Wetterdaten zeigen keine signifikante Häufung von Kaltlufteinbrüchen und Nachtfrösten während der Eisheiligen. Diese Ereignisse scheinen eher zufällig zu geschehen. Man könnte fast meinen, dass die Eisheiligen ein Mythos sind, der aus den Erfahrungen des Mittelalters entstanden ist. Die Frage bleibt: Wie viel Einfluss haben diese alten Geschichten auf unser heutiges Wetterverständnis?
Mit dem Klimawandel verändert sich unser Wetter, und so könnte man annehmen, dass die Gefahr später Kaltlufteinbrüche abnimmt. Aber das Gegenteil ist der Fall, vor allem, wenn man bedenkt, dass der Mai den geringsten Temperaturanstieg aufweist. Die Eisheiligen haben also nach wie vor eine Daseinsberechtigung und erinnern uns daran, dass das Wetter selbst letztendlich die Bedingungen bestimmt – nicht der Mythos.
In dieser Zeit zwischen Frost und blühenden Gärten heißt es für uns, wachsam zu bleiben. Denn wer weiß, vielleicht überrascht uns die Natur noch einmal, bevor der Sommer endgültig Einzug hält. Die Eisheiligen bleiben ein faszinierendes Kapitel im Wetterbuch der Schweiz, und es bleibt spannend, wie sich die kommenden Tage entwickeln werden!