In der ruhigen Gemeinde Seewen, die sich in der malerischen Umgebung des Kantons Schwyz erstreckt, gibt es einen Ort, der auf den ersten Blick wenig mit Ruhe und Idylle zu tun hat – den Steinbruch Zingel. Hier, wo der Lärm der Sprengungen und der Staub der Arbeit den Alltag bestimmen, hat Koni Schorno die Leitung inne. Er kümmert sich um den Betrieb und sorgt dafür, dass die gesprengten Felsbrocken als Schotter direkt auf die Schienen der SBB transportiert werden. Ein ganz normaler Tag im Steinbruch? Vielleicht nicht ganz, denn trotz der rauen Umstände wird dieser Ort als eine Art Natur-Oase geschätzt.
Die Umgebung des Steinbruchs ist überraschend vielfältig. Uhus und Gämsen haben sich hier angesiedelt, während 15 Steinbruch-Arbeiter täglich ihre Schichten absolvieren. Und da gibt es noch Gerhard Fasching, der seit 40 Jahren als Tunnelbauer arbeitet. Er hat sich in enge Tunnelbauten verliebt, wie etwa beim Isla-Bella-Tunnel im Kanton Graubünden – ein Job, der ihn oft in die Dunkelheit führt und nur am Wochenende Tageslicht und Familienzeit bringt. Es ist eine Welt voller Kontraste, wo der Mensch unermüdlich schafft und die Natur gleichzeitig einen unverhofften Platz findet.
Ein Funken Magie in der Dunkelheit
Wenn wir von einzigartigen Orten sprechen, darf die Kristallhöhle Kobelwald im St. Galler Rheintal nicht fehlen. Hier führt Eveline Obrist Gruppen durch die 128 Meter lange Höhle und zeigt den Besuchern die schimmernden Kristalle, deren Wert von Jahr zu Jahr steigt. Ein faszinierender Anblick, der mit jedem Besuch neue Magie entfaltet! Die Kristalle erzählen Geschichten von Jahrmillionen, während die Besucher in Staunen versetzt werden.
Doch zurück zu den Steinbrüchen. Oft wird vergessen, dass diese Orte nicht nur für den Rohstoffabbau wichtig sind. Stillgelegte Steinbrüche und Kiesgruben bieten wertvolle Flächen für den Naturschutz. In ungestörten Ecken finden bedrohte Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum. Besonders die steilen Wände dieser Abbaustätten sind ein ideales Nest für Uhu und Wanderfalke. In vielen dieser Gebiete hat sich ein Mosaik aus verschiedenen Lebensräumen gebildet – von Trockenrasen bis zu kleinen Tümpeln. Diese besondere Artenvielfalt ist ein echter Schatz und macht deutlich, dass auch industrielle Flächen eine wichtige Rolle im Ökosystem spielen können.
Gemeinsam für den Naturschutz
Es gibt Bestrebungen, die Zusammenarbeit zwischen Abbauunternehmen und Naturschutzorganisationen zu fördern, um die natürlichen Lebensräume zu erhalten. Ein Handlungsleitfaden regelt den Umgang mit Arten und Lebensräumen in Kiesgewinnungsstellen. Hier wird darauf geachtet, dass der wirtschaftliche Betrieb nicht eingeschränkt wird, während gleichzeitig Anreize zur Förderung von Lebensräumen gegeben werden. So wurde 2011 eine Vereinbarung zwischen dem Bayerischen Industrieverband Steine und Erden e.V. (BIV), der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Bergbau- und Mineralgewinnungsbetriebe e.V. (ABBM) und dem LBV geschlossen. Ein Schritt in die richtige Richtung für den Erhalt der biologischen Vielfalt in Abbaustätten!
Man könnte sagen, dass der Steinbruch Zingel und die Kristallhöhle Kobelwald auf ihre Weise ein Spiegelbild der Sehnsucht nach Balance zwischen Mensch und Natur darstellen. Wo der Lärm der Maschinen dröhnt, kann die Natur dennoch blühen. Und wo die Dunkelheit der Tunnel herrscht, funkeln die Kristalle hell und verheißen Geschichten, die darauf warten, entdeckt zu werden. Das Leben ist manchmal ein bisschen wie ein Steinbruch – rau, ungestüm, aber voller Überraschungen.