Heute ist der 6.07.2026 und in der Evangelisch-Reformierten Kirchgemeinde Aetingen-Mühledorf brodelt es gewaltig. Was einst als vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde und ihrem Finanzverwalter galt, hat sich in ein schockierendes Drama verwandelt. Über vier Jahre hinweg hat der Treuhänder, der vielleicht als das Rückgrat der finanziellen Planung gegolten hat, die Gemeinde um rund 200.000 Franken betrogen. Ein dreister Vertrauensmissbrauch, der nun die Existenz der Gemeinde gefährdet.

Die Alarmglocken läuteten das erste Mal, als die Liquidität der Kirchgemeinde im Jahr 2022 plötzlich sank. Zunächst schien alles in Ordnung zu sein, der Finanzverwalter lieferte schlüssige Antworten auf alle Fragen zur Geldsituation. Doch die Wahrheit kam ans Licht, als die Gehälter der Angestellten nicht mehr gezahlt werden konnten – ein untrügliches Zeichen dafür, dass etwas faul war. Am 22. April 2024 erhielt die Präsidentin der Kirchgemeinde, Sabine Anderegg, eine WhatsApp-Nachricht, in der der Finanzverwalter seine Taten gestand. Ein schockierendes Geständnis, das die Gemeinde in eine existentielle Krise stürzte.

Die Konsequenzen des Betrugs

Die finanziellen Auswirkungen sind katastrophal. Aetingen-Mühledorf, die mit ihren 1.050 Mitgliedern ohnehin schon finanziell angeschlagen ist, sieht sich nun mit einer Zahlungsunfähigkeit konfrontiert. Die Jahresrechnung für 2025 weist ein Minus von rund 80.000 Franken auf. Alle flüssigen Mittel sind verloren, die Konten der Kirchgemeinde sind komplett leer. Um die Liquidität zu sichern, hat die Gemeinde entschieden, ihr Friedhofsland an die politische Gemeinde Buchegg für 80.000 Franken zu verkaufen. Ein trauriger, aber notwendiger Schritt, um zumindest kurzfristig über Wasser zu bleiben.

Der mutmaßliche Täter befindet sich mittlerweile in fürsorgerischer Unterbringung, nachdem er suizidale Andeutungen gemacht hat. Ein dramatisches Ende für einen Mann, der das Vertrauen vieler Menschen missbraucht hat. Ein Strafverfahren wurde eingeleitet, und die Kirchgemeinde erwartet einen Totalverlust der 200.000 Franken. Es bleibt abzuwarten, wie die rechtlichen Schritte verlaufen werden und ob überhaupt etwas zurückgeholt werden kann.

Hilfe von Nachbarn und der Landeskirche

In dieser schwierigen Zeit zeigt sich jedoch auch eine gewisse Solidarität. Die Nachbargemeinden haben Unterstützung angeboten, und die Landeskirche (Refbejuso) steht der Kirchgemeinde finanziell und organisatorisch zur Seite. So wurde ein zinsloses Darlehen in Höhe von 80.000 Franken von der Bezirkssynode Solothurn zugesichert, über das die Gemeinde in einer außerordentlichen Versammlung am 14. Mai abstimmen muss. Doch die Herausforderungen sind groß – die Kirchgemeinde muss ihre Pfarrerin selbst anstellen und entlöhnen, was die ohnehin angespannte finanzielle Lage zusätzlich belastet.

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In einem letzten Versuch, die finanzielle Situation zu stabilisieren, hat Aetingen-Mühledorf umliegende Gemeinden zur Kooperation eingeladen, doch bisher zeigte nur Oberwil BE Interesse an einer Zusammenarbeit. Kleineren Kirchgemeinden, so wird geraten, wird nahegelegt, Kooperationen einzugehen oder sogar zu fusionieren, um langfristige finanzielle Stabilität zu erreichen. Doch der Weg dorthin könnte lang und steinig werden.