In Winterthur gibt’s zurzeit ein großes Geschrei – und das hat nichts mit den menschlichen Hinterbliebenen zu tun, die um ihre Verstorbenen trauern. Nein, es sind die Rehe, die auf dem Friedhof Rosenberg ein fröhliches Schmausen veranstalten! Frische Blumen auf Gräbern sind für die Tiere ein gefundenes Fressen, was die Angehörigen verständlicherweise verärgert. Die Stadtverwaltung hat das Problem erkannt und eine Vertreibungsaktion gestartet, mit sage und schreibe 120 Mitarbeitern. Doch nach einer Woche waren schon die ersten drei Rehe wieder gesichtet! Das zeigt, dass die Natur ihre eigenen Gesetze hat – und die sind nicht immer mit den Wünschen der Menschen vereinbar.

Der Hintergrund dieser Aktion ist klar: Beschwerden von Trauernden häuften sich, da die Rehe immer wieder ungeniert an den Gräbern naschten. Am 18. Februar durchsuchte das Team das Gelände von Osten nach Westen, um die Tiere in den angrenzenden Lindbergwald zu vertreiben. Und obwohl sie den Zaun repariert haben, meldet sich der Bereichsleiter von Stadtgrün Winterthur, Beat Kunz, mit einer interessanten Einschätzung: Er rechnet damit, dass die Rehe zurückkehren könnten, denn Gäste lassen manchmal die Tore offen. Ein Dilemma – die Rehe sind ja auch irgendwie süß, und viele Menschen freuen sich über ihren Anblick.

Proteste und Umsiedlungen

In Basel-Stadt brodelte die Stimmung noch heftiger. Ein Protest gegen den Abschuss von Rehen auf dem Friedhof Hörnli sammelte beeindruckende 80.000 Unterschriften. Die Stadtregierung entschied sich dann, die Rehe nicht zu töten, sondern sie umzusetzen – rund 60 Tiere wurden in den Kanton Jura umgesiedelt. Doch das ist nicht ohne Risiko: In der freien Wildbahn lauern Jäger, die den Rehen gefährlich werden könnten. Ein gewagter Schritt, der zeigt, wie sehr die Menschen in dieser Region mit den Tieren mitfühlen.

Und wie steht’s um die Methoden, die zur Vertreibung der Rehe eingesetzt wurden? Der Einsatz von Buttersäure erwies sich als wenig erfolgreich. Die Stadt Winterthur plant, bei einem Anstieg des Bestands erneut zu versuchen, die Tiere in den Wald zurückzutreiben. Aber ehrlich gesagt, das scheint wie ein Katz-und-Maus-Spiel. Je mehr man versucht, sie wegzudrängen, desto mehr kommt es einem vor, als ob die Rehe die Herausforderung annehmen und zurückkehren.

Friedhof und Feierlichkeiten

Das Ganze wird noch skurriler, wenn man die Vorfälle auf dem Friedhof Sihlfeld in Zürich betrachtet. Dort musste die Stadtpolizei wegen Ruhestörung eingreifen, verursacht durch Mitarbeiter von Grün Stadt Zürich, die eine laute Party feierten. Ein Friedhof ist normalerweise ein Ort der Stille und des Gedenkens, aber anscheinend haben die Mitarbeiter diesen Ort für ihre Feierlichkeiten umfunktioniert. Ein ironischer Kontrast zur ernsten Angelegenheit mit den Rehen in Winterthur.

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Der Friedhof als Schauplatz für ein solches Durcheinander – das wirft Fragen auf. Es ist eine merkwürdige Mischung aus Trauer und Feier, aus Respekt und Unbekümmertheit. Die Rehe, die Blumen und die Menschen – sie alle sind Teil eines größeren Spiels der Natur und des menschlichen Lebens. Ob das in den kommenden Wochen besser wird, bleibt abzuwarten. Stadtgrün Winterthur wird die Situation weiterhin im Auge behalten. Man kann nur hoffen, dass die Rehe irgendwann den richtigen Platz finden – und die Menschen ihren Frieden.