In der malerischen Kulisse Graubündens, wo die Berge den Himmel küssen, kämpft die Tiermedizin mit einem akuten Mangel an Fachkräften. Viele Tierärztinnen und Tierärzte in der Schweiz sind am Limit – und das ist kein übertriebenes Geschwätz. Der Bundner Tierarzt Fadri Vincenz schildert eindrucksvoll, wie er oft nur drei Stunden Schlaf am Tag bekommt. Wer hätte gedacht, dass die sanften Helfer der Tiere so unter Druck stehen? Rund um die Uhr müssen sie bereit sein für Notfälle, während sie gleichzeitig dem psychischen Druck standhalten, der mit ihrem Beruf einhergeht. Die Suche nach weiteren Tierärzten gestaltet sich für Vincenz und seine Partnerin als nahezu aussichtslos – niemanden finden sie, der bereit ist, in diesem herausfordernden Umfeld zu arbeiten.

Olivier Glardon, Präsident der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte, bezeichnet die Lage als ernst und nicht tragbar. Das ist nicht einfach nur ein Alarmruf, sondern ein verzweifelter Appell an die Verantwortlichen. Pro Jahr beenden in der Schweiz nur etwa 120 Studierende ihr Tiermedizinstudium. Und während die Babyboomer-Generation langsam in den Ruhestand tritt, zeigen die jüngeren Generationen wenig Interesse an Vollzeitstellen. Sie ziehen es vor, ihre Zeit anders zu verbringen – verständlich, wenn man bedenkt, wie belastend der Beruf ist. Der psychische Druck, die hohen Erwartungen der Tierhalter und die ständige Konfrontation mit kranken oder sterbenden Tieren machen es nicht einfacher. Tierärztin Sarah Lopez bringt es auf den Punkt: Der Umgang mit Tieren, die dringend Hilfe benötigen, gepaart mit der Erwartungshaltung der Halter, die oft nicht bereit sind, für die Behandlung zu zahlen, ist ein ständiger Kampf.

Der Weg zur Verbesserung

Universitäten in Bern und Zürich haben erkannt, dass etwas getan werden muss, und planen, insgesamt 100 zusätzliche Studienplätze anzubieten. Doch die Frage bleibt: Wird das wirklich ausreichen, um den Fachkräftemangel zu lösen? Viele Absolventen sind mit dem Studium unzufrieden – laut Bildungsbericht würden sich drei von zehn nicht erneut dafür entscheiden. Das macht die Sache nicht einfacher.

Der Tierärztemangel in Deutschland zeigt ähnliche Züge. Der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) warnt seit Jahren vor den Folgen, und die Situation ist nicht nur ein deutsches, sondern ein europäisches Problem. Insbesondere im Not- und Nachtdienst wird die tiermedizinische Versorgung gefährdet. Lösungen müssen her, und zwar schnell! Veränderte Auswahlverfahren, neue Studieninhalte und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen stehen auf der Liste der notwendigen Maßnahmen. Der Druck, der auf Tierärzten lastet, erfordert dringend eine Entbürokratisierung des Berufsalltags. Das starre Arbeitszeitgesetz wird als Hindernis identifiziert – Flexibilität ist gefragt!

Konkrete Forderungen zielen darauf ab, die Arbeitsbedingungen zu verbessern: von einer Umstellung der Tages-Höchstarbeitszeit auf eine Wochen-Höchstarbeitszeit bis hin zu flexiblen Regelungen für Wochenend- und Feiertagsdienste. So könnte die tierärztliche Notdienstversorgung sichergestellt werden. Das klingt alles nach einem vernünftigen Plan, oder? Und doch bleibt die Frage, ob solche Maßnahmen rechtzeitig kommen, um die Zügel in der Tiermedizin wieder in die Hand zu nehmen.

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