In Graubünden zeigt sich ein drängendes Problem: Der Mangel an Standplätzen für die Jenischen und Sinti wird immer deutlicher. Die Stiftung „Zukunft für Schweizer Fahrende“ hat alarmierende Zahlen veröffentlicht, die belegen, dass in der Region sage und schreibe zwei Standplätze und 30 Stellplätze fehlen. Martin Bühler, der Regierungspräsident von Graubünden, hat bereits angekündigt, dass die Suche nach neuen Standplätzen in vollem Gange ist. Aber der Bedarf ist hoch – besonders im Rheintal, das sich von Maienfeld bis Thusis erstreckt, und im unteren Prättigau. Der Platz in Bonaduz kann die Nachfrage nicht decken, vor allem, weil er im Winter geschlossen ist. Man könnte fast sagen, hier wird der Platz zum heiß begehrten Gut!

Ein zweiter Durchgangsplatz zwischen Maienfeld und Chur wäre dringend nötig. Das Problem ist jedoch nicht nur die Suche nach freien Flächen. Die Gemeinden, die oft auch die Eigentümer potenzieller Flächen sind, müssen in den Planungsprozess einbezogen werden. Das macht die Suche zu einer echten Herausforderung. Ein klarer Zeitrahmen für die Schaffung neuer Standplätze? Fehlanzeige! Die Unsicherheit bleibt, während der Kanton sich gleichzeitig für die langfristige Sicherung bestehender Halteplätze in Bonaduz, Cazis, Chur, Domat/Ems und Zillis-Reischen einsetzt. Man könnte sagen, hier wird die Geduld der Betroffenen auf eine harte Probe gestellt.

Herausforderungen und Vorurteile

Doch es gibt nicht nur strukturelle Hürden. Vorbehalte und Vorurteile gegenüber der fahrenden Bevölkerung erschweren die Suche nach geeigneten Standorten erheblich. Immer wieder wird deutlich, dass die Überzeugungsarbeit des Kantons hier sehr wichtig ist. Finanzielle Unterstützung für neue Standplätze ist zwar vorhanden, doch ohne die nötigen zonenplanerischen Voraussetzungen und die Zustimmung der Grundeigentümer wird es schwierig. Die Herausforderungen sind also vielfältig.

Insgesamt gibt es in der Schweiz gerade einmal 24 Standplätze und 28 Durchgangsplätze – das ist nur ein leichter Anstieg im Vergleich zu vor fünf Jahren. Der Bedarf bleibt jedoch ungebrochen. Jährlich sind mehrere Tausend Fahrende in der Schweiz unterwegs, und ihre Lebensweise ist ein zentraler Bestandteil ihrer Identität. Uschi Waser von der Stiftung „Naschet Jenische“ bringt es auf den Punkt: Die Fortschritte sind mühsam und politisches Engagement für neue Plätze fehlt. Es ist kaum zu fassen, dass trotz der historischen Verantwortung, die Graubünden gegenüber den Gemeinschaften der Sinti, Jenischen und Roma hat, die Situation so unzureichend bleibt.

Ein Blick über die Kantonsgrenzen

Wenn wir uns umschauen, gibt es auch positive Beispiele. Schaffhausen wird oft als Vorbild für die Bereitstellung von Standplätzen genannt. Im Kanton Bern gibt es bereits einige Standplätze, und die Koordinationsstelle für Fahrende, die als Schnittstelle zwischen den Minderheiten und den Behörden fungiert, plant zusätzliche Stand-, Durchgangs- und Transitplätze. Im Kanton Zürich hingegen ist der Bedarf an Durchgangsplätzen noch nicht gedeckt, und im Kanton St. Gallen gibt es zwar vier Standplätze, aber keinen einzigen Durchgangsplatz. Das zeigt, dass die Herausforderungen nicht nur in Graubünden, sondern landesweit bestehen.

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Der Bundesrat hat bereits 1998 ein Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten ratifiziert, das Jenische und Sinti anerkennt. Dennoch bleibt der Weg zur Verbesserung der Lebensbedingungen für die fahrenden Gemeinschaften steinig und lang. Halteplätze sind nicht nur notwendig, sie sind essenziell für die fahrende Lebensweise. Der Gesetzgeber hat klare Vorgaben gemacht, doch wie so oft kommt die Umsetzung schleppend voran.

Insgesamt zeigt sich, dass der Mangel an Standplätzen nicht nur ein lokales Problem ist, sondern ein landesweites Dilemma darstellt. Und während die Suche nach Lösungen weitergeht, bleibt die Hoffnung, dass die Bedürfnisse der fahrenden Bevölkerung endlich ernst genommen werden. In Graubünden und darüber hinaus.