Hirschparadox: Wenn die Hobby-Jagd versagt und die Natur die Kontrolle übernimmt
Heute ist der 22.07.2026 und während die Sonne in Graubünden strahlt, brodelt es hinter den Kulissen des Bündner Grossen Rates. Am 23. April 2026 wurde der Auftrag 2026-22 eingereicht, der die Zukunft der Hobby-Jagd in der Region beleuchtet. Auf den ersten Blick scheint alles klar: Die Regierung hat die Hobby-Jagd 37 Jahre lang als das goldene Mittel zur Regulierung des Hirschbestands angepriesen. Doch die Realität sieht anders aus. Martin Kreiliger, Forstingenieur und SP-Grossrat, hat gemeinsam mit 46 weiteren Ratsmitgliedern eine alarmierende Bilanz gezogen. Seit 1989 wurde die Anzahl der Hirsche zur Reduzierung beschlossen, doch der Bestand ist um satte 50 Prozent gestiegen! Irgendwie ein bisschen paradox, oder?
Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass seit 2021 der Hirschbestand um 17 Prozent gesunken ist – und das nicht etwa wegen der Jagd. Wolf und Luchs spielen hier eine entscheidende Rolle. Dennoch bleibt die Frage: Warum wird die Hobby-Jagd weiterhin als Hauptinstrument genutzt, obwohl sie offenkundig versagt hat? Kreiliger hat auch gefordert, dass die Regierung die finanziellen Folgen des Wildeinflusses offenlegt. Aber die Kosten für die Hobby-Jagd selbst? Fehlanzeige. Ein weiteres Rätsel, das es zu lösen gilt.
Die Wildschäden auf dem Tisch
Die finanziellen Schäden durch Wild sind nicht zu vernachlässigen. Im Jahr 2025 beliefen sich die Kosten auf 17 Millionen Franken und damit auf einen Anstieg von 1,6 Millionen Franken im Vergleich zum Vorjahr. Die Regierung hat in ihrer Antwort vom 15. Juni 2026 die Aussagen über Beutegreifer nicht widersprochen, was für viele Beobachter aufhorchen lässt. Zudem zahlen Bund und Kanton seit 2022 bis zu 100 Prozent in die Schutzwaldpflege, doch die genaue Summe bleibt ein Geheimnis, das seit vier Jahren nicht gelüftet wurde.
Im Kanton St.Gallen sieht die Lage nicht viel anders aus. Hier ist der Bestand an Hirschen von rund 850 Tieren im Jahr 2004 auf über 2300 Tiere im Jahr 2024 gestiegen. Die Hirsche breiten sich in der Ostschweiz aus, was nicht nur für die Wälder, sondern auch für die Landwirtschaft ein echtes Problem darstellt. Schäden durch Verbiss, Verfegen und Schlagen des Geweihs an jungen Bäumen nehmen zu und gefährden die natürliche Verjüngung des Schutzwaldes. Es ist ein bisschen wie ein Teufelskreis, aus dem man nicht so einfach entkommt.
Die Jagdplanung und ihre Herausforderungen
Die Jagdplanung in St.Gallen sieht vor, dass zuerst die Hirschkühe und Jungtiere geschossen werden, bevor die Stiere dran glauben müssen. In 30 bis 40 Revieren gibt es vorwiegend Hirsch-Stiere, was die Jagd nicht gerade leichter macht. Waldeigentümer und Landwirte schlagen Alarm und berichten von massiven Schäden, während die Jäger durch hohe Bussen und Patententzug bei Fehlabschüssen eingeschränkt werden. Ein Dilemma, das zum Nachdenken anregt.
Die SVP-Kantonsräte fordern einen neuen Ansatz zur Kontrolle des Hirschbestands, denn die bisherigen Methoden haben nicht das gewünschte Ergebnis gebracht. Die Abschusszahlen von Hirschen sind von 432 im Jahr 2006 auf 944 im Jahr 2024 gestiegen – ein Zuwachs von 118 Prozent! Für 2025 wird ein Ziel von 1000 erlegten Rothirschen angestrebt. Dennoch sieht die Regierung die nicht erreichten Abschussvorgaben für weibliche Rothirsche als Hauptproblem. Ein bisschen wie ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem die Zeit jedoch meist gewinnt.
Ein Blick in die Zukunft
Der Grosse Rat wird den Auftrag voraussichtlich in der Augustsession 2026 behandeln. Drei zentrale Fragen stehen im Raum: Warum bleibt die Hobby-Jagd trotz Versagens das Hauptinstrument zur Bestandsregulierung? Warum werden Wolf und Luchs, die den Bestand senken, weiterhin zum Abschuss freigegeben? Und warum wird eine Kostenwahrheit angestrebt, die einen Kostenblock systematisch ausklammert? Fragen über Fragen, die darauf warten, beantwortet zu werden. Die Jagd ist ein faszinierendes, aber auch ein sehr komplexes Thema, das viele Facetten hat und bei dem jeder sein eigenes Liedchen singt. Wir bleiben gespannt, wie sich die Dinge entwickeln werden. Es bleibt also nichts anderes übrig, als die Ohren offen zu halten und die Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen.
